Chronik | Niederösterreich
17.03.2012

Fall Ambrosi: Zeugin belastet "Opfer"

Der Prozess um Franz Ambrosi, der wegen des Mordversuchs an seiner Frau zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden ist, wird neu aufgerollt.

Von einer überraschenden Wende zu sprechen, wäre zu viel des Guten. Dennoch erregte es die höchste Aufmerksamkeit der Geschworenen, was Zeugin Monika P. am Freitag im Landesgericht Wiener Neustadt nicht aus dem Hut, sondern ihrem Geldtascherl zauberte. Es war ein Zettel mit brisantem Text darauf. Pum belastet damit das bisherige Opfer im Prozess gegen Franz Ambrosi.

Der 42-jährige Mödlinger war im Dezember 2007 wegen des Mordversuchs an seiner Frau zu zwölf Jahren Haft verurteilt und 2009 wieder enthaftet worden. Seine Rechtsvertreterin, Karin Prutsch, erreichte mit Hilfe eines Gutachtens eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Demnach stimmten die Stichverletzungen in Ambrosis Rücken nicht mit der Tatschilderung seiner Frau überein. Sie gibt an, dass  ihr Mann versucht hat, sie von hinten mit dem Seil einer Kinderschaukel zu erdrosseln. In Notwehr habe sie ihm ein Messer rückwärts in den Körper gerammt. Ambrosi beteuerte von Anfang an seine Unschuld. Er sei das Opfer. Diese Theorie bekam durch die neue Zeugenaussage mehr Bedeutung. Monika P. war Kellnerin in Ambrosis Stammlokal in Wiener Neudorf. Dort habe sie eine merkwürdige Aussage von Ambrosis Frau mitangehört. Und zwar sei Franz Ambrosi gehänselt worden, dass er wegen seiner operierten Schulter "lamentiere". Daraufhin soll die Frau wörtlich gesagt haben: "Aber nicht mehr lange!" Stunden später kam es zum Kampf auf Leben und Tod. Auf Prutschs Frage, ob sich die Zeugin ihre Beobachtung irgendwo aufgeschrieben habe, zückte diese plötzlich den Schmierzettel. Richterin Ingeborg Kristen wollte daraufhin wissen, wieso sie das nicht schon im ersten Verfahren erzählt habe? Sie sei nicht danach gefragt worden, so P.

Bissig 

Ambrosis Frau beschrieb die Zeugin als herrschsüchtig und bissig. Auch dass diese am Heiligen Abend 2010 bei ihrem Mann anrief, war am Freitag Thema. Ambrosis Stiefmutter (69) habe das Telefonat belauscht und mitangehört, wie ihre Schwiegertochter meinte, sie werde ihn "fertig machen".

Prozessfinale ist am 29. Mai. Neben der Tochter des Paares kommen die Gutachter zu Wort. Sie sollen den Tathergang rekonstruieren.

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