Zu wenige Fahrgäste: Mödling und Perchtoldsdorf stellen Ortsbusse um
Der Mödlinger Citybus soll durch neue Angebote ersetzt werden.
Trotz mehrerer Initiativen ist der regionale Busverkehr im Bezirk Mödling ein Sorgenkind. Und das schon seit Jahren. Ein Shuttle-Service im Bezirk war von der ÖVP ins Leben gerufen worden, wegen mangelnder Auslastung aber bereits im Vorjahr wieder eingestellt worden.
Nun ziehen auch Mödling und Perchtoldsdorf bei ihren Ortsbus-Angeboten die Reißleine.
Man hat den Mödlinger Stadtbus im Zuge der notwendigen Budgetkonsolidierung evaluiert, um die Auslastung zu überprüfen und die hohen Kosten dahinter rechtfertigen zu können, berichtet Mobilitätsstadtrat Tim Pöchhacker (Grüne). Der klare Befund: "Zusammenfassend muss festgehalten werden, dass die Fahrgastzählungen der letzten drei Jahre dem Citybus bezüglich Auslastung und Effizienz in Relation zu den Kosten ein schlechtes Zeugnis ausstellen."
"Unattraktive Betriebszeiten"
Von 2023 bis 2025 haben demnach durchschnittlich nur 80 bis 260 Fahrgäste pro Fahrt an Schultagen die drei Linien genutzt. Während der Ferien waren es gar nur 50 bis 145 Fahrgäste pro Tag - und dies bei bis zu 49 Fahrten täglich. "Grund der schlechten Auslastung sind auch die unattraktiven Betriebszeiten, die über die Jahre hindurch auch aus budgetären Gründen verschlechtert wurden", ist Pöchhacker überzeugt.
"Der Mödlinger Stadtbus fährt von Montag bis Freitag von etwa 6:30 bis 18:30 Uhr nur im eingeschränkten Gebiet der drei Linien. In anderen Teilen der Stadt, am Abend und am Wochenende profitieren Mödlinger von diesem System nicht."
Diesen ernüchternden Nutzungszahlen standen 2025 direkte Kosten in der Höhe von 530.000 Euro gegenüber, die mehrheitlich von der Stadtgemeinde Mödling getragen werden. Das Land NÖ übernimmt rund 33 Prozent, die Gemeinde Wiener Neudorf beteiligt sich mit 10.000 Euro pro Jahr.
Neues Modell in Arbeit
Pöchhacker versichert, dass die Stadtregierung "weiterhin verstärkt in den öffentlichen Verkehr investieren" werde. "Aber so, dass es für alle Mödlinger ein modernes, flächendeckendes Angebot zu attraktiven Betriebszeiten gibt."
Dieses Angebot solle auch die Abendstunden und Wochenenden abdecken – also deutlich bessere Betriebszeiten als der aktuelle Stadtbus bieten. Dafür sei man jedoch auch auf die Unterstützung des Landes NÖ angewiesen. "Angesichts der angekündigten Einsparungen im Öffentlichen Verkehr durch den zuständigen Landesrat ist die Förderhöhe jedoch ungewiss", so Pöchhacker. Man befinde sich daher in Gesprächen mit der zuständigen Landesverkehrsagentur NÖVOG bezüglich eines neuen Modells.
Der Perchtoldsdorfer Ortsbus wird mit Ende Juni eingestellt.
Ein Schritt, den die nur wenige Kilometer entfernte Gemeinde Perchtoldsdorf bereits vor einigen Monaten gegangen ist. Auch dort steht der Ortsbus aufgrund bescheidener Auslastung und hoher Kosten vor dem Aus. Man wolle "auf veränderte Anforderungen reagieren", sagt Vizebürgermeister Anton Platt (Neos).
Daher setze man künftig vermehrt auf bedarfsorientierte Mobilitätslösungen. Die jährlichen Kosten von rund 235.000 Euro für das aktuelle Modell seien "in Zeiten des Spardrucks nicht mehr gerechtfertigt", so Platt. Der Betrieb soll nun mit 30. Juni beendet werden. Der Zeitpunkt sei an die Tarifanpassungen des Verkehrsverbunds Ost-Region (VOR) gekoppelt.
Zuschüsse für Tickets
Die Gemeinde schießt weiterhin für Fahrten mit den bestehenden VOR-Linien 206, 256, 257, 258, 259 und 260 innerhalb des Ortsgebiets 50 Cent pro Einzelfahrkarte zu. Für Schüler arbeite man derzeit an einer Lösung für das kommende Schuljahr. Gleichzeitig sollen Angebote für ältere Menschen verbessert werden, betont Bürgermeisterin Andrea Kö (ÖVP). "Da die verfügbaren Mobilitätsangebote meist die Nutzung von Mobilitäts-Apps voraussetzen, verstärkt die Gemeinde die Schulungsangebote, die es Seniorinnen und Senioren erleichtern sollen, Angebote wie Taxi-Apps und Uber zu nutzen."
Neue Förderung
Zusätzlich sei eine Förderung für ältere und mobilitätseingeschränkte Personen vorgesehen. Unterstützt werden sollen Menschen mit Hauptwohnsitz in Perchtoldsdorf, die die öffentlichen Verkehrsmittel dauerhaft nicht nutzen können und soziale Unterstützungsbedürftigkeit aufweisen.
"Geplant ist ein Zuschuss von bis zu 500 Euro pro Person und Jahr. Der Start der Förderung ist mit 1. Oktober 2026 vorgesehen, für das Jahr 2026 aliquot mit 125 Euro", kündigen Platt und Kö an. "Die bestehende Förderung für Mobilitäts- und Energiekosten in Höhe von 150 Euro jährlich bleibt weiterhin bestehen und wird künftig stärker auf Energiekosten fokussiert."
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