28-Jährige in NÖ getötet: Femizid aus "gekränkter Eitelkeit"
Die Tatortarbeit ist inzwischen abgeschlossen
Die 28-Jährige war Sekretärin an einer Schule in Wien und studierte nebenbei auf einer Fachhochschule. In ihrer Nachbarschaft in Kottingbrunn (Bezirk Baden) herrscht Bestürzung über die Bluttat.
Seit Montag laufen die Ermittlungen der Mord- und Tatortgruppe des NÖ Landeskriminalamtes in dem mysteriösen Fall auf Hochtouren. Die 28-Jährige war zu Christi Himmelfahrt von Angehörigen tot in ihrer Wohnung entdeckt worden.
Am Mittwoch gelang Ermittlern in dem Fall der Durchbruch. Sie nahmen einen 27-jährigen Steirer fest. Laut seinem Anwalt Manfred Arbacher-Stöger hat der junge Unternehmer aus dem Baugewerbe bereits gestanden, das Opfer getötet zu haben. Er soll die 28-Jährige mit einer Kleinkaliber-Pistole erschossen haben.
Der Tatort liegt in der Wohnanlage in Kottingbrunn.
Laut Arbacher-Stöger hatten sich der Steirer und die 28-Jährige via Facebook kennengelernt und nach einiger Zeit verabredet. Sie sollen auch eine kurze Beziehung gehabt haben. Bei einem gemeinsamen Treffen in der Wohnung in Kottingbrunn kam es dann vergangene Woche zu einem Streit, der völlig eskalierte.
Verdächtiger ist Sportschütze
Was genau danach passierte, wollen die Ermittler lückenlos klären. Der Verdächtige gab an, eine seiner vielen Waffen geholt zu haben. Als Sportschütze besitzt er unter anderem eine kleinkalibrige Pistole (Kaliber 22). Mit der Waffe sei er in die Wohnung der 28-Jährigen gegangen und habe sie getötet, so die Aussage des Verdächtigen. Bei den Einvernahmen gab der Mann an, in seiner Ehre und seinem Stolz gekränkt worden zu sein. Darin liegt laut Kriminalisten auch das Motiv für die Tat.
In den Stunden rund die Ermordung der 28-Jährigen postete der Verdächtige auf seinem Profil in Sozialen Medien ein Selfie aus dem Fitnessstudio. Sein Kommentar dazu: "Guter Start in den Tag".
Staatsanwalt ordnete Obduktion an
Zunächst hatte in der Wohnung alles nach einem Unfall ausgesehen: Die vermeintliche Platzwunde durch einen harten Anprall bzw. Aufschlag entpuppte sich bei der gerichtsmedizinischen Untersuchung allerdings als Schusswunden.
Dem vorläufigen Ergebnis der Obduktion zufolge starb die Frau durch drei Kopfschüsse.
Familie fand das Opfer
Alarm geschlagen hatte die Familie der jungen Frau. Nachdem die Angehörigen einige Zeit nichts von der 28-Jährigen gehört hatten, fuhren sie nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub zur Wohnadresse im Bezirk Baden.
Sie verschafften sich Zutritt mit einem Zweitschlüssel und machten die schlimme Entdeckung: Die Frau lag leblos in der Wohnung in einer Blutlache, jede Hilfe kam zu spät. "Es war furchtbar. Ich habe Schreie im Stiegenhaus gehört und bin zu Hilfe geeilt", schildert eine Nachbarin.
Täter selbst hinein gelassen?
Da von den Tatortspezialisten weder Einbruchsspuren noch Hinweise auf ein gewaltsames Eindringen festgestellt werden konnten, verfolgten die Ermittler die Theorie, dass die Frau den oder die Täter selbst in die Wohnung gelassen hatte. Dies bestätigte sich mit der Festnahme des 27-jährigen Steirers.
Er wird am Donnerstag in die Justizanstalt Wiener Neustadt überstellt.
In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, unter anderem Hilfe und Informationen bei folgenden Adressen:
- Frauen-Helpline: online unter frauenhelpline.at und telefonisch unter 0800-222-555
- Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF): online unter aoef.at
- Frauenhaus-Notruf: unter 057722
- Österreichischen Gewaltschutzzentren: 0800/700-217
- Polizei-Notruf: 133
Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Auf der Webseite finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich.
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