Chronik | Niederösterreich
10.11.2017

Dorfmeisters Ex vor Kadi: "Spielsucht-Getriebener"

55-Jähriger muss sich am Mittwoch wegen Betrugs vor Gericht in St. Pölten verantworten.

"Er ist komplett fertig", sagt Jurist Manfred Arbacher-Stöger über seinen Mandanten. "Man muss sich das vorstellen. Er hat zwei Mal im Lotto gewonnen und trotzdem das viele Geld wieder versenkt."

Kommenden Mittwoch muss sich Andreas P. wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs vor einem Schöffensenat am Landesgericht St. Pölten verantworten. Der ehemalige Lebensgefährte von Ex-Skistar und Doppel-Olympiasiegerin Michaela Dorfmeister soll zwischen 2007 und 2017 elf Personen hohe Geldbeträge herausgelockt und nicht zurückgezahlt haben. Der Gesamtschaden soll bei über 3,7 Millionen Euro liegen. Im Falle einer Verurteilung drohen dem 55-Jährigen bis zu zehn Jahre Haft. Laut seinem Verteidiger wird sich P. umfassend geständig zeigen.

Der KURIER hat den Fall im Sommer an die Öffentlichkeit gebracht. Andreas P. soll die guten gesellschaftlichen Kontakte von Michi Dorfmeister dazu genutzt haben, um an finanzstarke Geldgeber zu kommen. Er hatte unter anderem prominente Namen wie einen Ex-Nationalkicker und betuchte Unternehmer dazu überredet, in ein "bombensicheres Geschäftsmodell" mit ausrangierten Industriemaschinen zu investieren. Diese sollten gewinnbringend ins Ausland verkauft werden. Anfangs zahlte Andreas P. den Investoren Gewinne aus; als diese daraufhin mehr Geld nachschossen, kam das böse Erwachen.CasinosDer Beschuldigte fuhr allerdings keine teuren Sportwagen und machte auch keine Luxusurlaube. Das Geld dürfte zum Großteil in Casinos verjubelt worden sein – darunter auch zwei Lottosechser mit fast 5,5 Millionen Euro Gewinn. "Insgesamt hat mein Mandant in zehn Jahren zehn Millionen Euro verspielt. Er ist ein Getriebener seiner Spielsucht", berichtet Arbacher-Stöger. Er kritisiert, dass P. in Casinos immer wieder Kredit bekommen habe.Obwohl bereits gegen ihn auf Hochtouren ermittelt wurde, hatte der 55-Jährige vergangenen Juli nochmals weit über das Ziel hinaus geschossen. Weil er unter anderem einen bereits Geschädigten nochmals um Geld bat und in Spielcasinos in Tschechien und Slowenien zockte, wurde er in U-Haft genommen.