Verlorenes Kulturgut: Die Wächter der roten Donaunuss
Nusslikör-Produktion: Thomas Neudhart (r.), Gerlinde Stöger (l.) und Peter Zlamal
Der Frost verschonte heuer die Blüte der Walnussbäume in weiten Teilen Niederösterreichs. Damit dürfen sich auch die Retter der roten Donaunuss auf eine recht ergiebige Ernte im Herbst freuen. Einer von ihnen ist Thomas Neudhart, ein Nebenerwerbslandwirt auf der Marienhöhe bei Ybbs. Rund um seinen Hof mit Donaublick hat er nicht nur zahlreiche Bäume mit den bekömmlichen und gesunden roten Nusskernen gepflanzt, er nutzt auch eine Herde Alpakas und eine Schar Weidehühner für das Gedeihen der Bäume.
„Es muss nicht immer alles exzessiv sein. Es ist zwar mehr Arbeit, aber man kann sich auch eine Kreislaufwirtschaft einrichten“, sagt Neudhart. Die rote Donaunuss, die im 19. Jahrhundert von Ybbs aus in der Monarchie und vor allem bei den k.u.k.-Hofbäckern in der Kaiserstadt Wien für Furore sorgte, spielt für ihn eine besondere Rolle.
Mehlspeisen verfeinert
Im Obstgarten, direkt neben dem von der Großmutter geerbten Hof, steht noch ein originaler „Mutterbaum“. Dessen rote Nusskerne hat Thomas von klein auf roh oder in Mehlspeisen genossen.
Inspiriert wurde Neudhart von Gerlinde Stöger und Peter Zlamal, die in Ybbs seit eineinhalb Jahrzehnten das fast verlorene Kulturgut der roten Nuss retten und wieder vermehren. Die ersten roten Nüsse kamen so vor 200 Jahren über Matrosen nach Ybbs und wurden hier in ganzen Alleen bewirtschaftet. Im Zweiten Weltkrieg wurden die mächtigen Bäume in der Not bis auf wenige zu Brennholz.
Große Freude bei Peter Zlamal: „Liköransatz färbt sich schon rot“.
Plantage
Landwirt Neudhart hat nicht nur im Obstgarten genetisch nachgezüchtete Bäume gepflanzt, sondern auch eine kleine Plantage mit 30 Bäumen angelegt. Großes Ziel sei es, im kleinen Hofladen, in dem er auch die Eier seiner Ybbser Weidehühner vermarktet, wertvolle Nussprodukte, wie die roten Kerne, aber auch Nussöl und Likör anzubieten, sagt er.
Bauer Thomas Neudhart inmitten seiner „Donaublick Alpakas“.
Die Hühner sind wertvolle Assistenten, weil sie die Larven der Walnussfruchtfliege aus dem Boden picken. „Damit verhindern sie, dass die Nüsse befallen und schwarz und unbrauchbar werden“, schildert der Bauer.
Helfer aus Südamerika
Als anderes Standbein hat Neudhart mit Alpakas ebenfalls aus Südamerika stammende Helfer: „Sie leben im Obstgarten und düngen mir den Boden.“ Die acht „Donaublick Alpakas“ dienen auch als Therapietiere und werden für Wanderungen gerne gebucht. Natürlich finden sich Produkte aus ihrer Wolle im Hofladen.
Auch noch grüne Donaunuss birgt innen bereits noble Röte.
Nussschnaps
So aufgeschlossen der junge Bauer beim Zeigen seines Hofs ist, so schweigsam wird er bei einem gerade aktuellen Thema: Derzeit werden die grünen Nüsse für den Nusslikör geschnitten. Den fabriziert er nach dem Rezept der Oma. „Das verrate ich nicht“, sagt Neudhart.
Gerlinde Stöger vom Verein „VeRoNuss“ ist da aufgeschlossener. Als Extra-Zusätze finden sich in ihrem Ansatz für den Nussschnaps neben üblichen Aromen auch Dörrzwetschken, Pfefferkerne, Vanillestangen oder Aranzini. Wichtig – auch der Likör aus den noch grünen Donaunüssen färbt sich rot.
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