Die nächste Autobahn ist fixiert

Die Marchfeld-Schnellstraße ist nach der Nordautobahn erneut eine Hochleistungsstraße vom Reißbrett.

Totgesagte leben länger. Das Sprichwort scheint in besonderem Maße auf Niederösterreichs große Straßenverkehrsprojekte zuzutreffen. Jede planerische oder rechtliche Verzögerung wird gerade in diesem Bereich gerne als definitives Aus für Projekte gedeutet. Dennoch hat sich gezeigt: Gebaut wird dann doch. Bestes Beispiel: Die Nordautobahn, die es allen Unkenrufen zum Trotz gibt. Und jetzt kommt auch Bewegung in das seit Jahren diskutierte Projekt "Marchfeld-Schnellstraße", kurz S 8. Heute reicht die Asfinag die Umweltverträglichkeitsprüfung für den ersten Bauabschnitt ein.

Der Zeitplan für die weiteren Schritte steht. "2012 kann die Grundeinlöse beginnen, 2013 gibt es archäologische Grabungen. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, ist 2014 Baubeginn", sagt Landeshauptmann Erwin Pröll.

Zumindest seitens der zuständigen Verkehrsministerin Doris Bures sollte nichts mehr passieren. Sie war am Montag persönlich nach St. Pölten gekommen, um die definitive Realisierung der Marchfeld-Schnellstraße zu verkünden. "Projekte werden nicht willkürlich gebaut oder abgesagt", so Bures. "Es geht darum, intelligente, kostengünstige Verkehrslösungen zur Entlastung der Bevölkerung zu finden."

Und Entlastung dürften die Gemeinden entlang der bisherigen B 8 bitter nötig haben. Derzeit rollen durch Deutsch-Wagram 25.000 Fahrzeuge täglich. Bei Raasdorf sind es, bedingt durch den dortigen Schotterabbau, 3000 Lkw pro Tag. Dass hochrangige Straßen Entlastung bringen, werde am Beispiel der im Oktober 2010 eröffneten Donaubrücke bei Traismauer deutlich, nennt der Landeshauptmann eine Reduktion des Schwerverkehrs auf der B 19 bei St. Christophen um 48 und auf der B 1 bei Pottenbrunn um 35 Prozent.

Autobahn (Symbolbild)
© Bild: apa

"Die S 8 ist eines unserer Kernprojekte", sagt Pröll. Und um dieses zu realisieren, wird das Land den Bau mit 45 Millionen Euro vorfinanzieren. Der erste Streckenabschnitt von der S 1 bis Gänserndorf (14 Kilometer lang) soll 310 Millionen Euro kosten und im Jahr 2016 als vierspurige Autobahn mit Pannenstreifen befahrbar sein.

Die exakte Trasse für den zweiten Abschnitt bis zur Staatsgrenze soll erst in Abstimmung mit den slowakischen Behörden erfolgen. Gebaut wird ab 2016, Kostenpunkt für das 20 Kilometer lange Teilstück: rund 300 Millionen Euro.

Betreffend Anschluss der S 8 an die S 1 (Wiener Außenring-Schnellstraße) gibt es bereits eine Vereinbarung zwischen dem Bund und Wien. Der für die Abzweigung der Marchfeld-Schnellstraße notwendige Abschnitt Süßenbrunn-Groß-Enzersdorf wird laut Bures 2016 eröffnet. Der Abschnitt Groß-Enzersdorf-Schwechat mit dem Lobau-Tunnel soll 2025 fertig sein.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011