Chronik | Niederösterreich
01.03.2015

Die härtesten Fälle der Ermittler

Mord, Raub, Einbruch – viele Verbrechen werden geklärt, aber an manchen beißen sich Fahnder die Zähne aus.

Rund 70.000 gerichtlich strafbare Handlungen werden Jahr für Jahr in Niederösterreich registriert. Unter diese Zahl fällt alles – vom Handydiebstahl bis zum Mord. Polizeichef Franz Prucher betont immer wieder die gute Arbeit seiner Kollegen. Die lässt sich auch an der Statistik ablesen. Denn die Aufklärungsquote liegt im Schnitt zwischen 40 und 45 Prozent; bei den Kapitalverbrechen wie etwa dem Mord gar bei 90 Prozent. Das heißt, dass die meisten Mörder in Niederösterreich gefasst werden.

Dennoch gibt es immer wieder Fälle, die sich einfach nicht knacken lassen:Der KURIER hat die spektakulärsten zusammengefasst. Bei manchen gibt vielleicht noch Hoffnung, dass sie geklärt werden. Wie etwa beim Einbruch im Schloss von Künstler Hermann Nitsch. Trotz modernster Kriminaltechnik sind für die Fahnder die Hinweise aus der Bevölkerung wichtig. Ein Anruf bei einer Polizeiinspektion genügt – dann können vielleicht auch noch die Akten der offenen Fälle geschlossen werden.

Geldtransporter überfallen

Eineinhalb Jahre ist es nun her, dass unbekannte Täter auf der Westautobahn in Niederösterreich an einen Millionencoup scheiterten. Schauplatz für den spektakulären Überfall auf einen Loomis-Geldtransporter im August 2013 war die A1 bei St. Pölten. Das prall gefüllte Geldauto geriet bei der Abfahrt zur S33 in einen Hinterhalt. Die Täter hatten einen Kleinlaster quer über die Fahrbahn gestellt und mit einem weiteren Auto den Transporter eingekesselt. Der Überfall scheiterte nicht zuletzt durch die Geistesgegenwart des Fahrers, der die Straßensperre umfuhr.

"Durch die weitere Vorgangsweise der Täter gibt es leider sehr wenig Hinweise", erklärt der Leiter der Raubgruppe des nö. Landeskriminalamtes, Chefinspektor Josef Deutsch. Die Räuber steckten den Kleintransporter und alle weiteren Fluchtfahrzeuge in Brand. Damit gibt es keine DNA-Spuren oder Fingerabdrücke. Autos und Kennzeichen wurden zu unterschiedlichen Zeiten, teilweise bereits Jahre vor dem Coup gestohlen. Auch diese Spur verlief daher im Sand.

Laut Deutsch waren mindestens fünf bis sechs Täter in den Überfall involviert. Es ist davon auszugehen, dass diese auch in anderen Ländern aktiv sind.

Mord an Bäuerin blieb ungeklärt

Nur wenige Morde gelten in Niederösterreich als ungeklärt. Einer davon ist jener an der Bäuerin Maria Piribauer. Die damals 71-Jährige wurde Ende 2010 auf ihrem entlegenen Hof hoch über Kirchberg am Wechsel im Bezirk Neunkirchen ermordet aufgefunden – getötet mit vier Messerstichen, zwei in die Brust und zwei in den Rücken.

Ihre beiden Brüder, mit denen sich die Frau die Arbeit auf dem Bauernhof teilte, fanden ihre Schwester nach der Holzarbeit in der Küche in einer Blutlache liegend. Mordermittler und Tatort-Spezialisten des nö. Landeskriminalamtes nahmen die Arbeit auf. Anhand der Spurenlage war klar, dass der Mörder auf der Suche nach Geld war. In der Unordnung des Hofes blieben jedoch Sparbücher mit einer Einlage von mehreren Hunderttausend Euro unentdeckt. Was fehlte waren etwa 1000 Euro in Bar.

Ein Jahr nach der Tat hatten die Ermittler kurze Zeit Hoffnung, den Fall zu klären. Eine sichergestellte DNA-Spur führte zu dem 41-jährigen Gerhard R. – einem fahrenden Händler der mit Tischdecken und ähnlichem von Haus zu Haus tingelte, um diese zu verkaufen. Die Spur ergab aber keine eindeutige Übereinstimmung. Die Ermittler fanden bei dem Mann zwar gestohlene Geldbörsen von betagten Frauen aus Wien. Die Spurenlage war für eine Mordanklage allerdings zu dünn. Aus diesem Grund stellte die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt die Ermittlungen 2013 ein.

Das Drama um Stefan L.

Die Polizisten setzten alle Hebel in Bewegung, um diesen Fall zu klären: Ende März 2014 wurde Stefan L. auf der Landesstraße 106 zwischen St. Leonhard am Forst und Loosdorf im Bezirk Melk von einem Auto überrollt und getötet. Der tragische Unfall ereignete sich nur einen Steinwurf von seinem Elternhaus entfernt. Der Mostviertler wurde nur 19 Jahre alt.

Bis heute konnte der Todesfahrer nicht ausgeforscht werden. Obwohl sich die Ermittler vor Ort und die Spezialisten der Kriminaltechnik monatelang hinter den Fall klemmten. Dabei hatte die Polizei schon einen Hoffnungsschimmer: Sie konnten eine Autolenkerin ausforschen, deren Reifenprofil mit jenen Spuren am Opfer zusammenpassten. Doch ein molekularbiologisches Gutachten entlastete die 31-Jährige.

Die Fahnder hoffen, dass das schlechte Gewissen des Unfalllenkers doch noch zur Lösung des Falls führen könnte. "Es macht einen Unterschied, ob man ein Tier oder einen Menschen überfährt. Das merkt man einfach Zudem gab es so viele Medienberichte. Das muss doch am Gewissen eines Menschen nagen", sagt ein Polizist.

Neue Spur führt in den Süden

Für die Ermittler des Landeskriminalamtes war schon kurz nach dem Eintreffen im Schloss Prinzendorf im Weinviertel die Sachlage klar: Dieser Coup trägt die Handschrift von Profis.

Es war Anfang März 2013, als mehrere Täter den Tresor von Künstler Hermann Nitsch plünderten. "Die Art und Weise wie der Safe aufgeschnitten wurde, ließ keinen Zweifel daran, dass Experten am Werk waren", erzählt ein Ermittler.

Die Schadenssumme belief sich auf rund 500.000 Euro.

Das Einbruchswerkzeug wurde in weiterer Folge in die Badewanne gelegt, um Spuren zu verwischen. Das gelang nicht ganz. Denn die Fahnder konnten DNA-Spuren sicherstellen. Möglicherweise können diese zwei Jahre später zur Klärung führen. Eine neue Spur führt nun in den Süden Europas. Die Ermittler wollen sich aber noch nicht in die Karten blicken lassen.