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Chronik Niederösterreich
08/21/2020

Der Unwetter-Magnet in Niederösterreich

Im Bezirk Neunkirchen fordern heftige Gewitterstürme Einsatzkräfte, Bürger und die Politik.

von Johannes Weichhart

Nur Minuten, nachdem der Himmel seine Schleusen geöffnet hatte, herrschte bereits Ausnahmezustand. Regen und Hagel gingen am 14. August auf die Ortschaften Natschbach, Loipersbach, Neunkirchen und St. Egyden im Bezirk Neunkirchen nieder, die Wassermassen fluteten Straßen und Keller. Eine weitere Gewitterzelle entlud sich über Edlitz, Thomasberg und Grimmenstein; 40 Feuerwehren mussten ausrücken, um Schäden zu beseitigen.

Flut kam über die Felder

Keine 24 Stunden heulten im Bezirk wieder die Sirenen. Ort des Geschehens war diesmal Saubersdorf, wo sich die Flut über Felder den Weg in den Ort gebahnt hatte. Die Lage hatte sich zwar rasch wieder entspannt, dennoch hinterließ das Unwetter auch hier wieder viele frustrierte Menschen, die stundenlang den Matsch wegschaufeln mussten.

Gewittertürme

Seit jeher gilt die Region im südlichen Industrieviertel als Unwetter-Magnet. Aber warum ist das eigentlich so? Eine Antwort auf diese Frage hat Christian Labut, Leiter der Abteilung Hydrologie und Geoinformation beim Amt der NÖ Landesregierung: „Die feuchten und labilen Luftmassen kühlen im Gebirge ab und treffen auf die stark überhitzte Luft des Wiener Beckens. Die großen Temperaturunterschiede erhöhen die Labilität der Luftmassen und führen zu einer starken Aufwärtsbewegung. Dadurch entstehen Gewittertürme. In der Folge kühlt die nach oben getriebene Luft ab, die Feuchtigkeit kondensiert und die Gewitterwolken regnen mit hoher Intensität aus“, erklärt Labut.

Geringe Luftdruckunterschiede

Dass die Unwetter in den vergangenen Wochen derart heftig, dafür aber sehr lokal ausfielen, hat ebenfalls seinen Grund: „Das Wettergeschehen ist aktuell durch sehr geringe Luftdruckunterschiede gekennzeichnet. Dies bedeutet, dass die Gewitterzellen nur sehr langsam weiterziehen bzw. sehr lange an einer Stelle verharren. Entsprechend konzentriert fallen sodann die Niederschläge aus“, so Labut. Im vergangenen Juli lag die Niederschlagsmenge in der Region bei rund 140 Millimeter.

Großpumpen

Besonders gefordert durch die Wetterkapriolen sind die Feuerwehren. „An der Donau haben die Wehren eine gewisse Vorlaufzeit, weil es genaue Berechnungen gibt. Bei uns gibt es das nicht. So schnell die Unwetter da sind, sind sie auch wieder weg“, sagt Bezirksfeuerwehrkommandant Josef Huber. Er sieht seine Mannschaften aber gerüstet für die Herausforderungen, die sich durch den Klimawandel noch verstärken könnten. „Im Bezirk stehen 90 Feuerwehren bereit, wird sind zudem mit Großpumpen ausgerüstet.“
 

Auch die Politik weiß um die besondere Situation in dem Bezirk. Laut Landesvize Stephan Pernkopf wurden in den vergangenen 18 Jahren 30 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert, sechs weitere Millionen werden bis 2023 zugeschossen. Unter anderem sind Projekte in Obertal in Gloggnitz, Johannesbach in Würflach und entlang der Schwarza geplant.

"Jeder Euro ist gut investiert"

„Man hat sich etwas aufgebaut und muss machtlos zuschauen, wie die Wassermassen alles mitreißen. Daher ist jeder Euro in den Hochwasserschutz gut investiert – immerhin schafft er nicht nur Sicherheit vor Millionenschäden, sondern auch Lebensqualität“, betont Pernkopf.

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