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Chronik Niederösterreich
04/25/2022

Der teure Weg zurück zu mehr Natur in Niederösterreich

Einst regulierte Flussabschnitte können durch Maßnahmen wieder in intakte Ökosysteme verwandelt werden. Zu tun gibt es noch genug.

von Johannes Weichhart

Sie entspringt im Glatzer Schneegebirge an der Grenze Polens zu Tschechien und mündet nach 358 Kilometern an der Thebener Pforte gegenüber von Hainburg an der Donau. Die March ist der einzige naturnahe Tieflandfluss pannonischer Prägung in Österreich.

Lange waren die Wiesen und Auen entlang des Flusses ein wichtiger Lebensraum für bedrohte Tier-und Pflanzenarten. Allerdings griff der Mensch im vergangenen Jahrhundert immer stärker in die Natur ein, es kam zu Regulierungsmaßnahmen, die die Vernetzung von Fluss und Au gravierend verschlechterten. Eine der dramatischen Auswirkungen war, dass einzigartige Laichmöglichkeiten für Wassertiere verloren gingen.

Feuchtwiesen

Zwar erfolgte in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ein Umdenken, doch der Weg zurück zu mehr Natur ist nicht nur teuer, er kostet auch Zeit. 3,5 Millionen Euro wurden etwa entlang der March in Renaturierungsmaßnahmen und Artenschutzprojekte investiert. Damit konnten Regulierungen zurückgebaut, Bachmündungen naturnah umgestaltet und 15 Hektar Feuchtwiesen angelegt werden. Acht Jahre lang, von 2011 bis 2019, waren die Experten mit der Umsetzung der Pläne beschäftigt.

Spittelauer Arm

„Unser Ziel ist es, aus stark regulierten und verbauten Gewässern wieder naturnahe, ökologisch wertvolle Lebensräume zu gestalten“, betont Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, der bereits auf zahlreiche Renaturierungsprojekte zurückblicken kann.

Mehr als 240 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union in rund 500 Projekte gepumpt, zu tun gibt es dennoch noch genug.

Nisthilfen

Wurde mittlerweile die größte Fischwanderhilfe Österreichs am Kraftwerk Altenwörth im Bezirk Tulln auf einer Länge von 12,5 Kilometern fertigstellt, so läuft derzeit unter anderem noch die Anbindung des Spittelauer Arms bei Hainburg (Bezirk Bruck an der Leitha) an die Donau. Hier werden Flussbausteine entfernt, damit wieder Wasser aus der Donau in den Nebenarm fließen kann.

Eine Region, die ebenfalls stark im Fokus von Land und Umweltorganisationen steht, ist die Wachau. Hier werden umfangreiche Maßnahmen zur Revitalisierung von Altarmresten in Rossatz umgesetzt. Kostenpunkt: mehr als vier Millionen Euro.

Obstflächen im Auwald

Das Vorhaben: Bestehende Auwaldflächen auf bereits vorhandenen und neu entstehenden Inseln sollen verbessert bzw. erweitert werden. Für stark gefährdete Amphibien wie die Gelbbauchunke und den Donau-Kammmolch werden eigene Laichgewässer gebaggert, für den Seeadler Nisthilfen aufgehängt und rund 300 wertvolle Altbäume geschützt. Aber auch Obstflächen im Ausmaß von zehn Hektar werden in den Auwald zurückgeführt.

Gewässerdynamik

Ein wichtiger Punkt bei den Renaturierungsmaßnahmen ist zudem die Erhöhung der Dynamik der Gewässer. So gilt etwa der Huchen als strömungsliebende Fischart, sein Lebensraum deshalb als stark gefährdet.

Natürliche Gewässerstrecken schaffen aber auch große Kiesflächen, die optimal für Flora und Fauna sind. Auf diese Flächen angewiesen sind zum Beispiel Vogelarten wie der Flussregenpfeifer und der Flussuferläufer, die in diesen Bereichen brüten.

Hochwasserschutz

Mehr Raum für das Wasser heiße aber auch mehr Sicherheit für die Bürger, sind sich die Experten des Landes sicher, „Ich schütze auf der einen Seite und auf der anderen Seite gebe ich den Flüssen wieder mehr Raum, dass der Hochwasserspiegel durch die Nebenarme abgesenkt wird. So sind es bei Hochwasser zehn bis 20 Zentimeter weniger“, sagte Pernkopf bei einer Besichtigung von Renaturierungsprojekten in der Wachau.

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