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Chronik Niederösterreich
01/20/2022

Das Wiener Umland wappnet sich gegen "Parkpickerl-Flüchtlinge"

Gemeinden in NÖ wollen verhindern, dass Wiener über die Landesgrenze ausweichen, um hier ihre Fahrzeuge kostenlos abzustellen.

von Stefan Jedlicka

Bevor im März die Ausweitung des Wiener Parkpickerls bis an die Stadtgrenzen in Kraft tritt, wappnet sich das niederösterreichische Umland gegen die befürchteten „Parkflüchtlinge“. Mehrere angrenzende Gemeinden haben ihrerseits bereits Kurzparkzonen eingeführt, weitere bereiten dies vor.

So etwa aktuell Perchtoldsdorf, das im Süden direkt an die Bundeshauptstadt grenzt. In den vergangenen Monaten habe man sich mit der Problematik befasst, berichtet der für Mobilität und Parkraumbewirtschaftung zuständige Vizebürgermeister Christian Apl (Grüne). In diesen Diskussionen habe sich das Modell einer gebührenfreien Kurzparkzone in den Randbereichen der Gemeinde als beste Lösung herauskristallisiert. „Es wird ein Streifen von gut 350 Meter Tiefe entlang der Ortsgrenze ausgewiesen“, konkretisiert Bürgermeisterin Andrea Kö (ÖVP). Von Montag bis Freitag, jeweils von 8 bis 22 Uhr, gelte in diesem Gebiet eine maximale Parkdauer von drei Stunden.

Gute Erfahrungen

Getestet wurde ein solches System in Perchtoldsdorf bereits in einem anderen Ortsteil. Seit dem Vorjahr war dort in der Nähe eines Schulkomplexes die maximale Stehzeit limitiert worden, um Dauerparken zu verhindern. Für Bewohner der betroffenen Straßenzüge werde man Ausnahmen von der beschränkten Abstelldauer genehmigen, so Kö. Ein „digitales Anrainerpickerl“, das über die Gemeindehomepage abgewickelt wird, ist in Vorbereitung. Die neue Regelung gilt vorerst für zwei Jahre, so Kö. „Nach einem Jahr gibt es eine Evaluierung, um zu sehen, ob wir etwas anpassen müssen.“ 

Schon seit Längerem auf eine kostenlose Kurzparkzonenlösung setzt man in Vösendorf. Das System wurde dort vor etwa zwei Jahren eingeführt. „In den an Wien angrenzenden Siedlungen dürfen Fahrzeuge maximal 1,5 Stunden lang abgestellt werden“, berichtet Bürgermeister Hannes Koza (ÖVP). Auch hier erhalten Anrainer sowie Firmen Ausnahmegenehmigungen – und zusätzlich Parkerlaubniskarten für Besucher. Eine weitere Ausdehnung der Kurzparkzone sei derzeit nicht geplant, so Koza. „Weil es Wienern ja nicht viel bringt, noch weiter in den Ort zu fahren, wo sie keine Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel haben.“

Grüne Zonen

In Schwechat hat der Gemeinderat bereits im Dezember beschlossen, ab März zusätzlich zur bestehenden blauen Kurzparkzone auch eine grüne Zone einzuführen. Während in der blauen Zone 30 Minuten 80 Cent kosten und maximal 120 Minuten geparkt werden darf, beträgt die Gebühr in der grünen Zone 50 Cent pro 30 Minuten. Um sechs Euro gibt es ein Tagesticket, um 95 Euro können Schwechater eine Jahreskarte erwerben. Bezahlt wird per Handy oder Parkscheinen zum Ausfüllen.

In Baden sorgt die flächendeckende Ausdehnung der Gebührenpflicht – ebenfalls mit einer neuen, grünen Zone – seit vielen Monaten für emotionale Diskussionen. Trotzdem will die Stadtführung, die allerdings einige nachträgliche Änderungen zur Verordnung beschlossen hat, daran festhalten.

"Gewehr bei Fuß"

Zurückhaltender ist man hingegen in Brunn am Gebirge. „Wir wollen zuerst abwarten, welche Auswirkungen das Wiener Parkpickerl ab März hat“, sagt Bürgermeister Andreas Linhart (SPÖ). „Das an Brunn grenzende Wiener Stadtgebiet ist dünner besiedelt als jenes in Perchtoldsdorf, daher werden wir sehen, ob die Autofahrer in Massen bei uns parken.“ Ein kostenloses Kurzparkzonenkonzept habe man jedenfalls vorbereitet. „Falls nötig, können wir rasch reagieren, wir stehen Gewehr bei Fuß“, so Linhart.

Parkdecks für Pendler

Um Pendler zum Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel zu motivieren, hat das Land Niederösterreich in den vergangenen Jahren rund 150 Park-&-Ride-Anlagen im Wiener Umland geschaffen. Insgesamt stehen dadurch etwa 32.000 Pkw-Stellplätze zur Verfügung, heißt es aus dem Büro von Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP). Und weitere Anlagen sind bereits in Planung: Bis zum Jahr 2024 will das Land in Summe 30 bis 32 Millionen in den Ausbau investieren.

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