Chronik | Niederösterreich
08.05.2016

Buschenschank neu interpretiert

In "Kerbl am Weinberg" setzt der Familienbetrieb auf Brettljause und Co mit modernem Touch.

Schon von Weitem ist der moderne Bau mit der riesigen Glasfront am Hang des Buchbergs inmitten der Klosterneuburger Weingärten zu sehen. Modern schaut der neue Buschenschank der Familie Kerbl aus. Nicht nur von außen. Denn betritt man die geräumige Stube, erkennt man, hier wurde nichts dem Zufall überlassen. "Uns war es wichtig, dass sich die Gäste wohl fühlen, sie gerne bei einem Achterl Wein hier sitzen, sich gut unterhalten und das Essen genießen", sagt Barbara Kerbl. Die 29-Jährige führt gemeinsam mit ihrem Bruder Leopold den neuen Standort des Familienbetriebs. Knapp ein Jahr wurde gebaut, vor gut zwei Wochen war schließlich die Eröffnung.

Die Eltern Brigitte und Leopold senior kümmern sich nach wie vor um das Stammhaus – den rustikalen Heurigen im Herzen von Klosterneuburg – sind aber auch am Weinberg rund um die Uhr im Einsatz. "Die letzten Monate war es schon sehr stressig und es gibt auch jetzt noch jede Menge zu tun. Wir packen alle mit an. Das ist das Schöne – der Zusammenhalt in der Familie", sagt Leopold Kerbl senior.

Leidenschaft und Spaß

In den 1980er Jahren hat Leopold Kerbl senior den elterlichen Betrieb übernommen. "Unsere Wurzeln im Weinbau reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück", erzählt der 55-Jährige. Leider würden in Klosterneuburg immer mehr Heurigen zusperren. Anders bei den Kerbls. Dass die beiden Kinder den Familienbetrieb einmal übernehmen, war schnell klar. Mit der Ausbildung zur Tourismusfachfrau und dem Abschluss von zwei Studien an der Universität für Bodenkultur bringt Tochter Barbara reichlich Kompetenz für den eigenen Betrieb mit. Leopold junior hat die Weinbauschule in Klosterneuburg besucht. Beide sind sich einig: "Um einen Weinbaubetrieb samt Buschenschank zu führen, gehört Leidenschaft dazu. Ohne Spaß würde es nicht funktionieren", meint Barbara Kerbl. Den Spaß und die Leidenschaft scheinen die Gäste zu spüren, denn es würde immer mehr Stammgäste vom rustikalen Stammheurigen im Stadtzentrum hinauf zum Weinberg ziehen. "Es freut uns sehr, dass wir so gut angenommen werden", freut sich die Familie.

Weg vom Buffet

"Wir wollten im neuen Betrieb zurück zu den Wurzeln des Buschenschanks. Weg vom Buffet mit den warmen Speisen, hin zur traditionellen Brettljause, Schweinsbraten oder Blunz’n", erklärt Leopold Kerbl senior. Die Karte sei bewusst reduziert – Qualität vor Quantität.

Neben den Klassikern für Fleischliebhaber, gibt es auf der Karte auch Schmankerl für Vegetarier. "Beispielsweise einen Hirse-Kräuter-Salat oder Schafkäsegupferl mit Kürbiskernöl", zählt Barbara Kerbl einige Beispiele auf. Allen Speisen gemeinsam sind die regionalen und saisonalen Zutaten. "Die beziehen wir großteils aus der Region. Beispielsweise kennen wir die Hühner, die für uns die Eier legen", sagt Barbara Kerbl und schmunzelt.

Dafür zuständig, dass aus den Zutaten auch wirklich Schmankerl werden, ist der Senior. "Er ist der Küchenchef. Da habe ich nichts zu schwatzen", lacht seine Frau Brigitte.