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Chronik Niederösterreich
07/21/2019

Burgenreich: Volle Töne im Babenbergersitz

Babenbergerburg im Waldviertel: Wo die Ruine eine Burg, der Vogt ein Geschäftsführer und der Opernintendant auch Historiker ist.

von Gilbert Weisbier

Wuchtig überragen die Mauern der einzigen frei stehenden Babenbergerburg Österreichs die Gemeinde Gars am Kamp im Waldviertel. Obwohl die im Kern aus dem neunten Jahrhundert stammende Anlage „Burg“ genannt wird, handelt es sich eigentlich um eine Ruine. Die ist allerdings zumindest während der Sommersaison belebter als manche bewohnbare Burg.

„Die Anlage ist beinahe einen Hektar groß“, beschreibt „Burgvogt“ (also Verwalter, Anm.) Peter Schneyder, dessen Aufgabe als Geschäftsführer der Burg-Gmbh die Erhaltung und Verbesserung der Festung ist. Sein „Lehensherr“ ist die Marktgemeinde Gars im Bezirk Horn. Die war zwar im Mittelalter unter den Babenbergern für kurze Zeit Hauptstadt Österreichs.

Heute allerdings hat sie als Besitzerin mit dem Aufwand für die Erhaltung des imposanten Gemäuers zu kämpfen. Seit man in den 1970ern begann, die Anlage für Veranstaltungen zu nutzen, ist deren Abwicklung immer professioneller geworden.

Eigene Firma

Inzwischen ist eine Burg-GmbH mit Schneyder als Geschäftsführer für den laufenden Betrieb zuständig. „Unser Ziel ist es, mit den regelmäßigen Einnahmen die Erhaltung zu bewerkstelligen“, sagt Schneyder. Den wichtigsten Beitrag dazu leistet die Tochtergesellschaft „Oper Gars“, die die Durchführung der vor 30 Jahren gegründeten Opernfestspiele garantieren soll und die Anlage dafür anmietet.

„Diese klaren Strukturen, die die Garser Politik dankenswerterweise einstimmig beschlossen hat, sind wichtig“, sagt Schneyder. Er muss den Spagat bewältigen, die Anlage für risikolose Besuche von bis zu 18.000 Menschen das ganze Jahr über offen zu halten und gleichzeitig das naturgemäß bröckelnde Gemäuer im Auge zu behalten.

„Vom Denkmalamt geschulte Gemeindemitarbeiter führen regelmäßig Inspektionen bis auf die Mauerkronen durch“, erzählt er. Ein Teil muss aber aus Sicherheitsgründen gesperrt bleiben.

Immerhin gelingt es, mit den Einnahmen aus der Oper und anderen Aktivitäten den laufenden Betrieb zu finanzieren. „Für größere Sanierungsaufgaben sind wir auf zusätzliche Beiträge angewiesen“, sagt Schneyder.

Der hat zwar als Wirtschaftsmann ständig die Zahlen im Blick, ist aber von der Anlage genau so begeistert, wie Opernintendant Johannes Wildner, der die Geschichte von Bauwerk und Region liebt.

Ohrenschmaus

„Die Akustik erlaubt uns, als einzige Open-Air-Oper unverstärkt zu spielen. Das verlangt zwar stimmstarke Künstler und ist manchmal etwas heikel, denn die Tribüne fasst 1200 Menschen, ist aber etwas ganz Besonderes“, sagt Wildner.

Deshalb zeigt man die Mauern bei den Aufführungen auch praktisch unverhüllt her. „Charme und Atmosphäre des Platzes sind unvergleichlich, das ergibt ein Gesamtkunstwerk aus Natur, Architektur, Mensch und Theater.“ Dafür nimmt Wildner auch Wetterkapriolen in Kauf.

Ludwig van Beethovens einzige Oper „Fidelio“ in der endgültigen Fassung von 1814 steht in diesem Sommer in der Burg Gars auf dem Programm. Bis 10. August gibt es noch insgesamt acht Vorstellungen, für die man zusätzlich zur Eintrittskarte ein VIP-Package erwerben kann.

Es gibt aber auch eine Fidelio-Familienaktion: Am 23. Juli und 6. August erhalten Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre eine Opernkarte um 10 Euro. Eine erwachsene Begleitperson bekommt 10 Prozent Rabatt. Regisseur Stephan Bruckmeier erzählt gemeinsam mit seinem Team, wovon die Revolutionsoper Fidelio handelt.

Neben der Oper bietet die Burg eine Palette von Konzerten, etwa „The Elvis Presley Story“ mit Andy Lee Lang & Band am 23. August, den Arnold Schönberg Chor am 31. August, Die Paldauer am 6. September; Gitarrenvirtuose Peter Ratzenbeck kommt am 28. September . Weitere Infos unter operburggars.at