Heute schaltet der Gastronom einen Gang runter. Sein Plan: "Bis Ende August keinen Plan zu haben."

© KURIER/Michaela Reibenwein

Porträt
07/11/2015

Bühnenwirt auf neuen Wegen

Nach 22 Jahren Gastronomie und einem Burn-out geht es Dieter Juster langsam an.

von Michaela Reibenwein

Dieter Juster geht. Nach 22 Jahren hat der Bühnenwirt aus Gutenbrunn, NÖ, sein Wirtshaus zugesperrt, seit April hat er sich eine Auszeit genommen. "Ich habe mir vorgenommen, die Heimat neu zu entdecken. Zu schauen, was ist da", erklärt er. Und das funktioniert im Gehen eben am besten. Für das Gespräch hat er sich einen Spaziergang zur Gudenus-Höhle bei Nöhagen ausgesucht.

"Mir taugt das Gehen sehr", sagt er. "Gleich nachdem wir zugesperrt haben, war ich 14 Tage lang wandern in der Türkei." Ein Geschenk sei das gewesen. Seinen Rhythmus hat er aber noch nicht gefunden. "Ich such ihn noch. So einfach ist das nicht – von 100 auf null runterzukommen." In Gutenbrunn tue er sich noch schwer, sich zu bewegen. "Aus der Rolle des Bühnenwirten auf die Person zurück. Wie bewegt man sich in diesem Umfeld? Das fordert mich noch."

Wobei: Er hat sich auch elf Monate Vorbereitungszeit genommen. "Die Idee dazu hatte ich schon zehn Jahre. Aber der Mut hat mir gefehlt." Vor ein paar Jahren kam dann das erste kleine Burn-out. Und vor einiger Zeit war die Erschöpfung dann wieder da. Und die Erkenntnis: Wirt, Kulturmacher und Koch zu sein – das geht sich nicht mehr aus. "Am 25. Mai 2014 hab’ ich auf einen Zettel geschrieben: ,Ab Ende April gibt es eine Pause.‘ Interessant war, es hat kein Blitz eingeschlagen, nichts ist passiert."

Die elf Monate hat er gebraucht. "Eine intensive Zeit", erklärt er. Termine beim Steuerberater, Gespräche mit den Mitarbeitern und den Gästen. "Jemanden zu enttäuschen, die Mitarbeiter vor allem – das war wirklich zach. Mich hat’s schon geschleudert. Aber das darfst du nicht zeigen", sagt er. Gehen. Aufrecht gehen. Das war schwierig. Als ihn Gäste auf seine Verantwortung ansprachen, antwortete er: "Ja, eh. Ich habe eine Verantwortung für mich, und vor allem für meinen Sohn. Und natürlich auch für das, was aufgebaut worden ist." Seit 1933 ist das Wirtshaus in Gutenbrunn in Familienbesitz. "Da kommt ein schlechtes Gewissen."

Hamsterrad

Der Schritt aus dem Hamsterrad sei ein kleiner, aber auch ein wahnsinnig großer. "Der allgemeine Druck in den vergangenen Jahren ist schon sehr gestiegen. Dank der technischen Hilfsmittel, die wir haben – Handy und Mail – ist das eine Geschwindigkeit geworden. Vorher hat das Handy 40-, 50-mal geläutet. Jetzt läutet das Telefon zwei, drei Mal am Tag."

Einen neuen Plan hat Juster noch nicht. "Bis jetzt ist der Plan: bis Ende August keinen Plan zu haben. Bisher hab ich immer ein halbes Jahr vorher planen müssen. Das hat mich müde gemacht." Stattdessen schreibt er Tagebuch, liest Bücher. Und geht. Zum Beispiel im Wald. "Da sind Plätze, wo Kraft ist."

Fitter will er werden. Auch, um mit seinem elfjährigen Sohn mithalten zu können. Und den Sommer will er genießen.

Irgendwann wird sich eine neue Ordnung ergeben, ist er überzeugt. Eine Rückkehr in die Kultur- oder Gastroszene kann er sich durchaus vorstellen. "Das ist jetzt auch das Schöne. Es ist alles offen." Ideen hat er. "Aber ich werde mich hüten, auch nur irgendwas darüber zu verlautbaren", grinst Juster. "Wenn’s Gastronomen gibt, die Lust haben, was in Gutenbrunn zu machen, da bin ich sehr offen. Es gibt immer wieder Bewerber. Wenn sein soll, wird’s sein."

Ein bisserl Wirt ist Juster aber auch in seiner Auszeit geblieben. Zur Wanderjause packt er Gläser, Teller, Weckerln, Saft, Obst und Gemüse aus. "Ich bin halt Wirt", sagt er und lacht.

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