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Chronik Niederösterreich
07/21/2021

"Breaking Bad" im Weinkeller: Zwei "Drogenköche" verurteilt

Ein Trio soll synthetische Suchtmittel hergestellt haben. Der mutmaßliche Haupttäter, ein Chemiker, ist auf der Flucht.

von Markus Strohmayer

Suchtgift mit einem Reinheitsgehalt von 99 Prozent, ein perfekt getarntes Drogenlabor und internationale Abnehmer. Drei Österreicher wollten auf den Spuren von Chemielehrer Walter White aus dem Drogen-Epos „Breaking Bad“ wandeln. Doch wie in der US-Serie ging das nur eine Zeit lang gut. Am Dienstag mussten sich zwei der drei Verdächtigen im Landesgericht Korneuburg verantworten. Ein mutmaßlicher Komplize, der 29-jährige Chemiker Nicolas R., ist noch auf der Flucht.

Für die Herstellung der synthetischen Droge Mephedron sollen die Männer vergangenen Sommer einen aufgelassenen Weinkeller in Walterskirchen im Bezirk Mistelbach gekauft und diesen umgerüstet haben. Bereits seit 2019 dürften sie mit kleineren Mengen in Wiener Wohnungen experimentiert haben – Selbsttests inklusive. Die Angeklagten hatten offenbar Talent, nach einigen Monaten produzierten sie das stimulierend wirkende Mephedron mit einem Reinheitsgehalt von 99,3 Prozent.

Käufer in Neuseeland

„Es war das Beste vom Besten“, erzählte ein mit dem Fall betrauter Ermittler im Mai dem KURIER. Das Interesse an dem Suchtgift war dementsprechend groß. Sogar nach Neuseeland wurde geliefert. Die Produzenten gingen auch dabei äußerst gewieft vor. Zum Schmuggeln wurde der pulverförmige Stoff mittels chemischer Prozesse verflüssigt, in eigens in der Ukraine bedruckte Getränkedosen gefüllt und getarnt verschickt.

Selbst für die aus China bestellten, zur Herstellung notwendigen Chemikalien hatten sich die drei etwas überlegt: Leere Wohnungen wurden als Zustelladressen angegeben. Studenten wurden für die Paketannahme angeworben. Dass das „Geschäftsmodell“ letztlich aufflog, lag an einem misstrauischen Passanten, dem die vielen Autos in der Kellergasse verdächtig vorkamen.

Er verständigte die Polizei. Als die Tragweite klar wurde, übernahmen Landes- bzw. Bundeskriminalamt. Bald stand fest, dass Chemikalien für die Herstellung von mehr als 100 Kilo Mephedron vorhanden waren. Gemeinsam mit dem bereits produzierten Suchtmittel hätte der Straßenverkaufswert bis zu fünf Millionen Euro betragen.

Vor Gericht setzte es dafür zwei nicht rechtskräftige Schuldsprüche. Die Angeklagten fassten Haftstrafen im Ausmaß von zwei Jahren unbedingt bzw. 18 Monaten, wovon zwölf bedingt nachgesehen werden, aus. Zum Verbleib des dritten Verdächtigen, laut Polizei der Haupttäter, wird aus ermittlungstaktischen Gründen nichts gesagt. Nur, dass die Fahndung nach Nicolas R. noch läuft. In dem Labor trugen die Ermittler – wie auch die Hersteller – übrigens Schutzkleidung und Gasmasken. Ganz wie bei „Breaking Bad“.

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