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Waldbrand im Föhrenwald: „Mussten mehrmals die Flucht antreten“

Feuerwehrleute gehen an ihre Grenzen, drehender Wind erschwerte die Brandbekämpfung, die noch Tage dauern soll. Hubschrauber und 370 Einsatzkräfte sind nach wie vor vor Ort.
Beim Ablöschen der Glutnester

In der Nacht war der Rauch des Großbrandes bis nach Wiener Neustadt zu riechen - wie von einem verkohlten Lagerfeuer. Nur war es kein Lagerfeuer, sondern einer der größten Brände in Niederösterreich seit Jahren. Viele Bewohner des Umlandes haben wohl die Nacht bei geschlossenen Fenstern verbracht.

Wie sich der Brand im Föhrenwald, der gestern am Nachmittag ausgebrochen ist, für die Einsatzkräfte abgespielt hat, schildert Neunkirchens Bezirksfeuerwehrkommandant Mario Lukas, der als Einsatzleiter in St. Egyden ist: „Wir hatten bis zu 500 Feuerwehrleute im Einsatz, der Flugdienst und der Sonderdienst Waldbrand sind immer noch im Einsatz. Der Brand selbst ist mittlerweile unter Kontrolle.“

Einsatzleiter Mario Lukas

Einsatzleiter Mario Lukas

Schwierige Windverhältnisse

Gestern habe das noch anders ausgesehen, sagt Lukas, der Wind habe am Nachmittag mehrmals gedreht, wodurch sich der Brand extrem schnell ausgebreitet hat. Diese ungünstigen Windverhältnisse wurden für die Feuerwehrleute auch sehr unangenehm. „Wir mussten mehrmals die Flucht antreten, sonst wären wir selber in Gefahr gewesen“, schildert Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner einen Tag nach dem Brandausbruch.

Was die Löscharbeiten zusätzlich erschwert hat, ist die schiere Größe der Brandfläche. Man müsse sich das vorstellen, meint Lukas: 100 Hektar, das ist umgerechnet ein Quadratkilometer oder 140 Fußballfelder.

Derzeit wird versucht, die Glutnester unter Kontrolle zu bringen, die Feuerwehren werden damit noch tagelang zu tun haben. Das Auffinden und Ablöschen von Glutnestern ist aufwändig und anstrengend: Das gesamte Gelände muss abgegangen werden, es wird geschaufelt und gesucht und das in einer völlig verbrannten Umgebung, in der von überall Hitze ausstrahlt. Unterstützung bekommt die Feuerwehr dabei aus der Luft: Hubschrauber mit Wärmebildkameras fliegen das Brandareal ab und lotsen die Bodentruppen zu den Glutnestern.

Rettung vom Boden und aus der Luft

Rettung vom Boden und aus der Luft

Sechs Leichtverletzte, zwei angesengte Fahrzeuge

370 Feuerwehrleute sind Donnerstag Mittag im Einsatz. Bei nach wie vor sehr hohen Temperaturen müssen sie auch regelmäßig abgewechselt werden. „Viele unserer Leute sind heute Nacht an ihre Grenzen gegangen“, sagt Lukas. Und bedankt sich ausdrücklich bei allen, die im Einsatz waren.

Nicht alle haben das unbeschadet überstanden, der Brand fordert Menschen und Gerät: Sechs Feuerwehrleute wurden leicht verletzt, drei trugen Brandwunden davon, drei haben leichte Rauchgasvergiftungen erlitten. Zudem wurden zwei Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr angesengt und einige Schläuche sind verbrannt – nichts, was Feuerwehrleute sonderlich aufregt, wie Dietmar Fahrafellner sagt.

Rotes Kreuz versorgt die Einsatzkräfte

Neben der Feuerwehr war auch das Rote Kreuz am Einsatzort. 22 Rot-Kreuz-Helfende waren am Mittwoch da, am Tag danach ist das Rote Kreuz noch mit 9 Einsatzkräften und drei Fahrzeugen vor Ort.

Diese Art der „Brandbereitstellung“ leiste das Rote Kreuz grundsätzlich, sagt Pressesprecherin Sonja Kellner dem KURIER. Dabei geht es darum, präventiv vor Ort zu sein, falls jemand versorgt werden muss – auf welche Art auch immer. Und es geht auch darum, Verpflegung für die Feuerwehrleute bereitzustellen. „Die Leute, die in voller Montur und mit Atemschutz den Brand bekämpfen, müssen in den Pausen auch etwas zu essen und vor allem zu trinken bekommen“, sagt Kellner.

Rauchschwaden über dem Föhrenwald

Rauchschwaden über dem Föhrenwald

Rauchschwaden über dem Föhrenwald

Verbrannter Wald

Verbrannter Wald

Verbrannter Wald

Löschleitung

Löschleitung

Löschleitung

Einsatzbesprechung

Einsatzbesprechung

Einsatzbesprechung

Einsatzfahrzeuge vor Ort

Einsatzfahrzeuge vor Ort

Einsatzfahrzeuge vor Ort

Ein Feld wird abgelöscht

Ein Feld wird abgelöscht

Ein Feld wird abgelöscht

In den Föhrenwäldern des südlichen Niederösterreichs hat es auch in den vergangenen Jahren große Brände gegeben. Etwa Anfang August 2013, als im Bezirk Wiener Neustadt bis zu 30 Hektar Föhrenwald in Flammen standen. Oder 2021, als  sich ein Brand in Hirschwang an der Rax binnen  Stunden auf 115 Hektar ausgebreitet hat - erst nach 13 Tagen konnte „Brand aus“ gegeben werden.

Vor Jahren „belächelt“

Das Landesfeuerwehrkommando Niederösterreich unter der Leitung von Dietmar Fahrafellner hat daher schon vor Jahren auf entsprechende Ausstattung und Ausbildung für Waldbrände gesetzt. „Vor sechs, sieben Jahren sind wir belächelt worden, weil wir bei der Brandprävention und der entsprechenden Ausrüstung dafür aufs Tempo gedrückt haben und heute haben wir in Österreich Zustände, die man, was die Waldbrände betrifft, früher nur aus Mazedonien, Frankreich, Spanien und anderen mediterranen Ländern gekannt hat“, sagt Fahrafellner dem KURIER am Telefon. 

„Bund muss Geld in die Hand nehmen“

Er steht noch inmitten seiner Kameraden und Kameradinnen in St. Egyden und kann sich bei dem Thema schwer zurückhalten. „Der Bund muss angesichts der vorliegenden Tatsachen endlich Geld in die Hand nehmen. Derzeit sind bundesweit aus dem Katastrophenfonds nur 140 Millionen Euro für ganz Österreich vorgesehen.“ Obwohl Brandbekämpfung gesetzlich vorgeschrieben sei. Zudem werde sie in Österreich fast ausschließlich von Freiwilligen geleistet – alleine in Niederösterreich gibt es in den rund 1.700 Feuerwehren insgesamt 104.000 Freiwillige.

1.700 Feuerwehren und eine Erklärung

Auch, dass NÖ so viele Feuerwehren hat, musste Fahrafellner in den vergangenen Jahren öfter erklären. „Jetzt zeigt sich: wenn wir nicht so breit aufgestellt wären, könnten wir das nicht leisten. Derzeit gehen die Brandmeldungen ja fast im Minutentakt ein, um das abzuarbeiten, braucht es viele Feuerwehren.“

Und er nennt ein Beispiel, wie es läuft, wenn diese Kraft des Freiwilligenwesens nicht da ist: „Wenn es in Griechenland auf gleicher Fläche brennt, dann stehen dort 100 Feuerwehrleute mit drei Tanklöschfahrzeugen.“ 

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