Vierfache Mutter getötet: Bluttat sieben Jahre nach Trennung

Vier minderjährige Kinder verloren ihre Mutter. Der Verdächtige hatte seine Ex beharrlich verfolgt - Anzeige erstattete sie nicht.
Am Tatort in Sooß wurden Kerzen aufgestellt.

Das Paar war seit sieben Jahren getrennt, das Stalking und der Terror haben für die Frau aber nie geendet.

Die Kinder und nahe Familienangehörige liefern nach dem mutmaßlichen Mord an einer vierfachen Mutter (38) am Ostersonntag in der Marktgemeinde Sooß (Bezirk Baden) immer mehr erschütternde Details.

Obwohl der 47-jährige, seit 2019 getrennt lebende Ehemann seiner Ex laufend aufgelauert, sie verfolgt und um das Haus geschlichen ist bzw. die Frau bei der Arbeit gestalkt hat, ist der Fall nicht bei den Behörden bzw. der Polizei aufgeschlagen. „Das Opfer hat anscheinend keine Anzeige erstattet, obwohl sie massiv verfolgt wurde“, schildern Ermittler nach der Bluttat.

Am Ostersonntag dürfte sich der jahrelang aufgestaute Frust und Hass bei dem 47-Jährigen, aus dem Kosovo stammenden Österreicher entladen haben. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, Erich Habitzl bestätigt, hat der Gelegenheitsarbeiter bereits gestanden, seine frühere Partnerin an ihrer Wohnadresse in Sooß getötet zu haben. Das derzeitige Ermittlungsergebnis der Tatort- und Mordermittler des Landeskriminalamtes Niederösterreich zeichnet ein erschütterndes Bild.

Osterhochamt in der Kirche besucht

Der 47-Jährige soll mit der Trennung von der serbisch-kosovarischen Staatsangehörigen nie zurechtgekommen sein. Die vier Kinder lebten bei der Mutter im Bezirk Baden. Nachdem die streng gläubige 38-Jährige mit den Kindern Sonntagvormittag noch die Kirche besuchte, waren die Kinder am Nachmittag am nahen Spielplatz bzw. mit Freunden unterwegs. Der älteste Sohn arbeitete als Kellner bei einem Heurigen im Ort.

Ein Ortsschild mit der Aufschrift "Sooß" steht am Straßenrand.

Die Bluttat ereignete sich in dem beschaulichen Weinort.

Schuss- und Stichwunden

In dieser Zeit soll der Vater gegen 18.30 Uhr beim Haus seiner Ex aufgetaucht und die Frau in einer Art „Overkill“ getötet haben, so die Ermittler. Das Opfer wies Stichverletzungen und Schusswunden in Kopf und Körper auf. Als der 13-jährige Sohn früher als gedacht vom Spielen nach Hause kam, überraschte er den Vater anscheinend dabei, als dieser gerade versuchte, die Leiche im Garten unter Laub zu verstecken und die Spuren der Tat zu beseitigen.

Dem Sohn tischte der Mann zunächst das Märchen von einem Unbekannten auf, der die Mutter getötet haben soll. Zusammen riefen sie die Polizei. Das Lügenkonstrukt des 47-Jährigen hielt den Fragen der Kriminalisten und der Spurenlage aber nicht lange stand. Zwischen dem getrennt lebenden Paar hatte es schon monatelang heftigen Streit gegeben.

Kein Annäherungs- und Betretungsverbot

Die Kinder schilderten den Kriminalisten von zahlreichen, besorgniserregenden Zwischenfällen. Der Vater soll in der Vergangenheit immer wieder um das Haus geschlichen sein und seiner Ex aufgelauert haben. Trotz der beharrlichen Verfolgung hat die 38-Jährige aber keine Anzeige erstattet. Zumindest ist der Polizei darüber nichts bekannt und es ist auch kein Annäherungs- und Betretungsverbot gegen den Verdächtigen aktenkundig.

Verdächtiger in U-Haft

Dies dient in solchen Fällen als sofortiger Schutz von Personen vor Gewalt im privaten Umfeld. Am Tatort fanden die Ermittler eine der mutmaßlichen Tatwaffen. Es handelt sich um eine Neun-Millimeter-Pistole. Den Angaben des Tatverdächtigen zufolge soll er sie in Wien illegal erworben haben. Der 47-Jährige befindet sich in der Justizanstalt Wiener Neustadt, es wurde die Untersuchungshaft verhängt.

Hilfe für die Kinder

Wie es nun mit den vier minderjährigen Kindern weitergeht, entscheidet die Kinder- und Jugendhilfe des Landes NÖ. Wie es dort heißt, sei man bereits im persönlichen Kontakt mit den Kindern und der Familie. „Es werden Hilfs- und Unterstützungsangebote in Absprache mit der Familie geprüft.“

Bestürzt vom Vorfall zeigt man sich auch in der 1.000 Einwohner zählenden Gemeinde Sooß. Die Mutter und ihre Kinder galten als „bestens integriert“. „Die schreckliche Gewalttat hat uns alle zutiefst erschüttert. Unsere Gedanken sind bei den Kindern und ihrer Familie“, schrieb Bürgermeister Hermann Rauch (ÖVP) auf der Homepage der Marktgemeinde. Worte allein würden aber leider nicht ausreichen, um die Not in diesem Fall zu lindern. „Es wird konkrete Hilfe und finanzielle Zuwendung gebraucht. Die Marktgemeinde Sooß möchte die Familie in dieser dunkelsten Stunde unterstützen“, so Rauch.

Spendenaufruf

Deshalb habe man ein Spendenkonto (Marktgemeinde Sooß; IBAN: AT19 3204 5000 0509 5120) eingerichtet, um Unterbringungskosten für die Kinder bzw. Beerdigungskosten zu decken. „Wir vertrauen wieder auf die Hilfsbereitschaft unserer Bürger, die sie schon so oft bewiesen haben, und setzen ein Zeichen, dass wir füreinander da sind und unsere Kinder nicht allein lassen“, heißt es vonseiten der Gemeinde.

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