Birnbaumblüte: Freude und auch Sorgen bei den Mostbauern
Michael Oberaigner Obmann des Obstbauverbandes.
Der zögerliche Frühling bremst derzeit noch das Naturschauspiel der Birnbaumblüte im Mostviertel. Doch bis zum Wochenende und dem traditionellen „Tag des Mostes“ am Sonntag wird ein Großteil der rund 300.000 Baumriesen im typisch weißen Blütenkleid erstrahlen.
Folklore und Genuss mit Schmankerln aus den Mostviertler Küchen und Kellern werden am kommenden Sonntag in vielen Orten geboten. Gastfreundschaft und Angebot sind heuer noch spezieller, steht doch die Moststraße mit der NÖ Landesausstellung in Mauer besonders im Fokus.
Angst vor Frost
Bei aller Pracht der Natur im größten zusammenhängenden Birnenbaumgebiet Europas ist für die Obstbauern die Blütezeit eine hochsensible Phase. „Es war eigentlich gut, dass es nach Ostern nochmals abgekühlt hat. Die Blüten waren schon knapp am Aufplatzen, wurden aber gebremst. Frostschäden gab es keine“, hofft Obstverbandsobmann Michael Oberaigner vom Topheurigen zur „Steinernen Birne“ in Haag, dass in nächster Zeit keine Frostnächte mehr kommen. Das würde die Blüten vernichten.
Birnbaumblüte im Mostviertel steht an.
Schützende Einsätze wie das Räuchern oder das Vereisen der Bäume, wie das in der Wachau bei den Marillen praktiziert wird, ist bei den mächtigen 150- bis 200-jährigen Baumriesen im Mostviertel nicht möglich.
Blütenpracht
„Auch wenn die Vollblüte vielleicht am Wochenende nicht ganz erreicht wird, es wird trotzdem überall blühen“, verspricht Mostbaron Oberaigner. Und er hofft, dass es auch warm genug wird, damit die bislang zurückhaltenden Bienen zu fliegen beginnen. Sie sind für die Bestäubung der Blüten und damit auch für eine gute Ernte notwendig.
Ein Tipp: Über die Webcam www.mostviertel.at/birnbaum-webcam kann der Entwicklungsstand der Blüte und später das Wachsen der Birnen live beobachtet werden.
Aufmerksamkeit
Die Mostbarone, Mitglieder des Obstverbands und Aktivisten in der ARGE Streuobstwiesen dokumentieren die Zeit der Blüte, aber generell den Zustand und die Pflege der Bäume genauestens. Auch wenn man heuer über den kühlen Frühling klagt: Vor nicht allzu langer Zeit blühten die Birnbäume erst Ende April. Dass der Tag des Mostes daher um zwei Wochen vorverlegt wurde, sei begrüßenswert, so Oberaigner. So könnten die Gäste die Blütenpracht genießen, früher war sie am Tag des Mostes schon oft vorbei.
Mit Argusaugen beobachten die Obstbauern gerade im Frühling den für das Kernobst tödlichen Feuerbrand – eine hochinfektiöse Bakterienerkrankung, die oft nach der Blüte auftritt. Sie ist in vergangenen Jahren weniger dramatisch ausgebrochen.
Aktuell mehr Sorgen bereitet Obstproduzenten und Mostbauern der Birnbaumverfall (Phytoplasmose). Einzelne Äste in den Baumkronen werden dürr, das Laub verfärbt sich sehr früh, nach wenigen Jahren stirbt der Baum ab.
Birnenverfall
Das Bakterium für den Birnenverfall wird vom Birnblattsauger von Baum zu Baum übertragen. Umwelteinflüsse und der Klimawandel mit Hitzeperioden begünstigen das Geschehen. „Betroffen sind leider nicht nur sehr alte Bäume, sondern auch bereits die viel jüngeren“, schildert Oberaigner.
Im Kampf gegen den Ausfall der für die Kulturlandschaft wichtigen Birnbäume setzen die Bauern auf spezielle Baumpflege mit radikalen Beschneidungen der Baumkronen und auch auf die Nachpflanzung der Obstkulturen. Mehr als 30.000 Jungbäume wurden über geförderte Aktionen bereits nachgepflanzt.
Resistente Sorten
Ein Hauptaugenmerk liegt auch darauf, gegen Hitze und Krankheiten resistente Sorten zu finden. „Deshalb läuft ein Versuch mit 190 speziell ausgesuchten Jungbäumen, deren Entwicklung wissenschaftlich verfolgt wird“, so Oberaigner: Die Versuchsprojekte Virotherm I und II werden mit der Höheren Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg betreut.
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