Studie der Boku belegt: Streuobstwiesen stehen massiv unter Druck

Land- und Forstwirtschaft. Forscher der Universität für Bodenkultur weisen mit Studie auf Bedeutung des Landschaftstyps hin.
Eine Streuobstwiese.

Das Biodiversitätsmonitoring der Streuobstwiesen in Österreich hat eine bemerkenswerte Abkürzung: DivMoSt. Diese weist auf ein Edelprodukt hin, für das Streuobstwiesen eine Grundlage bieten. Den Most – ein Getränk, das sich immer größerer Beliebtheit erfreut, nicht nur im Mostviertel. 

Auch die Streuobstwiesen sind im ganzen Bundesgebiet verstreut. 23 Gebiete wurden im Zuge eines Forschungsprojektes der Universität für Bodenkultur mit Projektpartnern genau unter die Lupe genommen, um Rückschlüsse auf den Zustand dieser Streuobstwiesen zu ziehen. Das Ergebnis: Die Streuobstwiesen sind von enormer Bedeutung, aber ihr Zustand ist durchaus als dramatisch zu bezeichnen.

321 Insektenarten nachgewiesen

Einige Zahlen verdeutlichen das. „Insgesamt konnten wir auf den untersuchten Flächen 321 Insektenarten nachweisen“, erklärt Sophie Kratschmer, Entomologin am Institut für Zoologie der Boku. Die dokumentierten 225 verschiedene Bienenarten machen etwa ein Drittel der österreichischen Bienenfauna aus, zusätzlich würden 65 Tagfalterarten und 31 Heuschreckenarten die enorme Relevanz von Streuobstflächen unterstreichen.

Wichtiger Lebensraum

Darüber hinaus habe dieser Landschaftstyp auch eine große Bedeutung für die Fledermaus-Population – 23 der 31 hierzulande bekannten Arten finden sich auf den untersuchten Flächen. „Streuobstwiesen bieten durch ihre Mischung aus Wald und Offenland ideale Lebensräume für Fledermäuse“, weiß Markus Milchram von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz und -forschung.

Ein Wiedehopf.

Der Wiedehopf liebt Streuobstwiesen. 

Streuobstwiesen haben meist einen Vogel. Wenn nicht sogar mehrere: 114 Arten wurden im Projekt erfasst. Charakteristische Bewohner wie der Wiedehopf, der Wendehals oder der Gartenrotschwanz finden in den Baumhöhlen alter Obstbäume und auf extensiv bewirtschafteten Wiesen ideale Nist- und Nahrungsbedingungen, heißt es.

Nur mehr 4,2 Millionen Bäume

Aber die Streuobstwiesen stehen unter Druck. Gab es 1930 noch etwa 35 Millionen Streuobstbäume, ist der Bestand bis 2020 auf nur noch 4,2 Millionen Bäume geschrumpft. Die aktuellen Kartierungen zeigen darüber hinaus große Probleme der noch bestehenden Flächen auf: Auf 68 Prozent der untersuchten Flächen konnten keine oder zu wenige Nachpflanzungen festgestellt werden. 

Ebenso besorgniserregend ist der Pflegezustand: 63 Prozent der Bäume in den untersuchten Beständen werden nicht oder unzureichend gepflegt.

Und auch hier spielt der Klimawandel eine Rolle. Denn dieser führt zu einer Ausbreitung der immergrünen Mistel, was insgesamt zu einer bestandsbedrohenden Entwicklung führe.

„Die Ergebnisse von DivMoSt bestätigen, dass Streuobstwiesen absolute Hotspots der Artenvielfalt sind“, weiß Christian Holler vom gleichnamigen Ingenieurbüro, das an der Studie mitgewirkt hat. Dass diese so gefährdet sind, unterstreiche den „dringenden Handlungsbedarf, wenn wir dieses unersetzliche Kulturerbe vor dem Verschwinden bewahren wollen“.

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