Zurück in die Vergangenheit: Muskel- statt Motorkraft im Weingarten.

© KURIER/Gilbert Weisbier

Langenlois
06/23/2014

Bio-Winzer setzt auf Pferdekraft im Weingarten

Jüngster Spross der Jurtschitsch-Dynastie hat Traktoren aus seinen Weinbergen verbannt.

von Gilbert Weisbier

Traktoren verschiedenster Bauarten sind ein häufiger Anblick in Weingärten. Auch wenn man den Hängen des Heiligenstein, eines berühmten Weinbergs in Langenlois im Kamptal, entlang fährt. Doch in einem der Weingärten ist alles anders: Da zieht ein Pferd den Pflug und Besucher fühlen sich in frühere Jahrhunderte zurück versetzt. Im neuen, 1,8 Hektar großen Terrassen- Weingarten von Alwin Jurtschitsch haben Traktoren Fahrverbot.

Der jüngste Spross der Kamptaler Winzerdynastie hat die große, neu erworbene Fläche fünf Jahre lang sanft auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Die Konsequenz ist so radikal, dass Jurtschitsch fürchtet, von den eingesessenen Kollegen nicht verstanden zu werden. Selbst beim Vater konnte er sich nur mit Mühe durchsetzen: Statt Traktor und Motorfräse kommt ab jetzt ein Pferd mit Pflug zum Einsatz. Das ist die Spitze eines ganzen Maßnahmenkataloges, der aus der ehemaligen Wein-Monokultur wieder einen vielfältigen Naturraum machen soll.

Haflinger

"Ich war viel unterwegs, habe in anderen Ländern viel über biologischen Weinbau gelernt. Unter anderem, dass Bodenfräsen feinen Staub erzeugen, der eine Isolierschicht zum Untergrund hin wird. Da kommen keine Regenwürmer durch", sagt Jurtschitsch. Traktoren wiederum würden durch ihr Gewicht den Boden viel zu stark verdichten, als dass natürlich vorkommende Lebewesen sich darin noch wohl fühlen. Nun wurden – nach Tests mit anderen Pferden – zwei Haflinger für die Arbeit abgerichtet. Sie ziehen einen alten Pflug, den Jurtschitsch am Dachboden des elterlichen Weinguts fand.

Die ersten Vorzeichen sind günstig: "Wir hatten nicht die geringsten Probleme mit Maikäfern oder Erdraupen, die in vielen anderen Weingärten heuer großen Schaden verursacht haben", erzählt Jurtschitsch. Der auch ohne künstliche Beregnung arbeitet, weil die Weinstöcke so ihre Wurzeln tiefer ins Erdreich graben und Trockenphasen länger aushalten.

Schäden

Dafür hat er – in geringerem Maß – Fraßschäden von Rehen und Vögeln. Die schätzen mindestens so sehr wie Menschen die vielen Kräuter, die zwischen den Weinzeilen wachsen. Den Weingarten-Knoblauch beispielsweise, der schon vor Jahrhunderten die Jause der Winzer aromatisch aufgepeppt hat. Auch Trockenrasen und wilde Sträucher haben ihren Platz. Dazwischen wachsen Weingarten-Pfirsiche.

Die Nagelprobe kommt im Herbst: Da will Alwin Jurtschitsch den ersten Wein aus seinen Traum-Reben keltern.

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