Biber fällen Obstbäume in der Wachau

Der Obstbau ist eine wichtige Einnahmequelle in der Wachau. Nach Biber-Attacken werden Kulturen jetzt aufgegeben.

Der Biber wird zum Problemtier in der Wachau. Zuletzt haben sie zahlreiche Obstbäume gefällt. Ganze Gärten im Gemeindegebiet von Rossatz-Arnsdorf müssen jetzt aufgegeben werden.

Zudem torpedieren die Biber Naturschutzinitiativen im Forstbereich. Sie fressen teuer gepflanzte, heimische Bäume. "Man wird an dem Thema nicht mehr vorbeikommen", sagt Christian Klackl, Geschäftsführer der Agrargemeinschaft Rossatz.

Die Agrargemeinschaft bewirtschaftet 37 Hektar Flächen. 40 Prozent davon sind bereits von Biberschäden betroffen. Rund acht Hektar der Fläche sind Obstkulturen. Die leiden doppelt: Zusätzlich zu Hochwasserschäden – die Reihenkulturen sind hier besonders anfällig – kamen jetzt die Biber, die Obstbäume annagen oder ganz fällen. Entnervte Bauern geben immer mehr Flächen auf.

Rückschlag

Biber Rossatz Rührsdorf Foto: Gilbert Weisbier

Vor einiger Zeit hatte die Agrargemeinschaft in enger Zusammenarbeit mit dem Naturschutz ein größeres Gebiet in Donaunähe aufgeforstet. Hauptsächlich Ulme, Erle, Esche und Wildkirsche wurden gepflanzt. Jetzt haben die Biber in den Jungwald weitläufige Lichtungen gebissen. Den Schaden schätzt Klackl auf bis zu 8000 Euro.

"Schutzmaßnahmen sind aufwendig und teuer", seufzt er. Zuschüsse gibt es beispielsweise für die Installation von Elektrozäunen: "Aber die werden bei uns blitzschnell von Brennnesseln überwuchert. Uns hat man gesagt, wir sollen Maßnahmen beantragen, dann wird schnell entschieden." So wurde im September beantragt, einen Biber einzufangen. Im März kam der Bescheid – abgelehnt. "Schnell ist für mich etwas anderes", sagt Klackl.

"Ich habe schon alles Mögliche probiert, aber es hilft nichts. Irgendwann gibt man die betroffenen Flächen auf", seufzt Obstbauer Rudolf Pauser, dem die Biber hauptsächlich Birnbäume abgebissen haben.

Im Landhaus in St. Pölten betont man, dass man sich die Sache nicht leicht mache. "Den Leuten, die einen Fang beantragen, muss aber klar sein, dass die Tiere getötet werden, wenn das genehmigt wird", sagt Kerstin Hammer von der Abteilung Naturschutz.

Biberspezialistin Foto: privat Biber-Expertin Barbara Mertin.

"Hausgemachtes Problem"

Die Diskussion um Biberschäden erinnert Expertin Barbara Mertin an jene, die nach jedem Hochwasser geführt wird: Zuerst bauen die Menschen – wenn es lange keine größeren Überschwemmungen gibt – zu nahe ans Wasser, dann klagt man über Schäden.

"Im Gegensatz zu anderen Regionen, wie an der Elbe, wo man mit dem Biber zu leben gelernt hat, wurde er bei uns vergessen. Das Abfangen von Bibern funktioniert nur, wenn man sie ausrotten will. Denn alle Gewässer, die mit der Donau verbunden sind, werden innerhalb kürzester Zeit wieder besiedelt."

Das Problem habe großteils damit zu tun, dass man an den Gewässern keine ausreichenden Ufersäume freilässt. Heute werden – anders als in der Vergangenheit – Wege nahe an Uferböschungen errichtet. Die untergraben Biber gern, um einen Bau zu haben. Das Loch kann aber einbrechen. "Biber vermehren sich auch nicht unbegrenzt. In einem Revier lebt eine Familie mit einer begrenzten Kopfzahl. Jungtiere werden mit zwei Jahren von der Familie verbannt ", sagt Mertin.

Natürlich sei aber jeder Fall anders und müsse speziell geprüft werden. Nur: "Alles lasse ich nicht auf den Bibern sitzen."

(kurier) Erstellt am
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