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Chronik | Niederösterreich
06/21/2019

Betreiber des ehemaligen Flüchtlingsheims Drasenhofen in Konkurs

Unternehmen laut Gläubigerschützern bereits geschlossen, die Insolvenzursachen müssen erst geprüft werden.

Am Landesgericht St. Pölten ist am Freitag ein Konkursverfahren über das Vermögen der ASOB Asyl Sonderbetreuungs GmbH mit Sitz in Traisen (Bezirk Lilienfeld) eröffnet worden. Nach Angaben des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV) ist das Unternehmen bereits geschlossen und soll liquidiert werden.

Die GmbH hatte Ende vergangenen Jahres als Betreiberfirma der umstrittenen ehemaligen Asyl-Unterkunft in Drasenhofen Bekanntheit erlangt. Geschäftsführer ist Christian Kogler, der 16 Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde Puchenstuben war, bevor er sich Ende 2015 aus der Politik verabschiedete und in den Asylbereich wechselte.

Da das Insolvenzverfahren auf Antrag eines Gläubigers eröffnet worden sei, müssten Vermögensverhältnisse und Insolvenzursachen erst geprüft werden, teilte der AKV in einer Aussendung mit.

Zum Masseverwalter der ASOB Asyl Sonderbetreuungs GmbH wurde Rechtsanwalt Walter Anzböck bestellt. Gläubigerversammlung, Berichtstagsatzung sowie die allgemeine Prüfungstagsatzung finden am 13. August statt. Forderungen können bis zum 30. Juli bei Gericht angemeldet werden.

Stacheldraht für Flüchtlinge

Im durch die ASOB Asyl Sonderbetreuungs GmbH betriebenen Quartier in Drasenhofen (Bezirk Mistelbach) ließ der niederösterreichische Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) Ende November 2018 mehrere jugendliche Flüchtlinge hinter Stacheldraht unterbringen, weil er ihnen vorwarf, "notorische Unruhestifter" zu sein.

Die Empörung darüber und der politische Druck wuchsen so stark, dass das umstrittene Quartier geschlossen werden musste. Die Jugendlichen wurden in die Asylunterkunft St. Gabriel in Maria Enzersdorf gebracht. Von dort wurden sie bis Ende Februar an andere Orte in Niederösterreich verlegt.

Ex-Partner in Konkurs

Die Pleite der ASOB Asyl Sonderbetreuungs GmbH fügt sich in eine Serie von Konkursen im Asylbereich. Erst im Februar war bekannt geworden, dass Niederösterreichs größter Anbieter von Asylunterkünften, die Eder Beteiligungsverwaltungs GmbH Insolvenz anmelden musste. Der Geschäftsführer, Herbert Eder, hatte unter der Marke SLC Asylcare die meisten Betreuungsplätze in NÖ angeboten.

Kogler war eigentlich ab 2016 Partner von SLC-Asylcare-Chef Herbert Eder gewesen. Ende November 2018 legte Kogler dann die SLC Asylcare-Geschäftsführung nieder. Er kaufte seinem ehemaligen Partner die SLC Tischlermeisterei GmbH ab, um ein eigenes Projekt zu realisieren - Drasenhofen.