Bei Niki Laudas Mercedes hörte die Freundschaft auf
Symbolbild
Einst waren sie Freunde. Ob sie auch Geschäftspartner waren, ist schon umstrittener. Am Dienstag sehen einander zwei Unternehmer aus Niederösterreich am Landesgericht Wiener Neustadt wieder. Von Freundschaft kann mittlerweile keine Rede mehr sein.
Auf der einen Seite: der 61-jährige Angeklagte. Veruntreuung wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Auf der anderen Seite: ein in der Automobilbranche nicht Unbekannter, der behauptet, der 61-Jährige habe versucht, einen Maserati-Rennwagen, den er ihm nur leihweise überlassen habe, zu Geld zu machen.
In der Vorgeschichte spielt ein dreifacher Formel-1-Weltmeister eine Rolle. Niki Laudas ehemaliger Mercedes soll nämlich laut Angeklagtem mehr oder weniger der Auslöser für den Streit gewesen sein. Sein Freund habe das Fahrzeug auf einer Oldtimer-Messe entdeckt und sofort ein Auge darauf geworfen. Doch der Besitzer wollte gar nicht verkaufen - er hatte den Wagen nur zu Ausstellungszwecken mitgebracht.
Auto statt Provisionszahlung?
Durch mehrtägige Verhandlungen habe er ihm schließlich geholfen, die Meinung des stolzen Mercedes-Besitzers zu ändern, behauptet der 61-Jährige. Um mehrere Hunderttausend Euro habe das Fahrzeug den Eigentümer gewechselt. Dafür sei ihm eine Provision zugestanden. Doch die habe ihm sein Freund verweigert. „Eines Tages ist er mit einem Autoschlüssel vor meiner Türe gestanden und hat gesagt, dass er mir die Provision nicht zahlen kann, aber dafür einen Maserati überlässt“, erzählt er am Dienstag. Und fügt hinzu: „Ich wollte ihn gar nicht, weil es ein Rennwagen ohne Straßenzulassung war. Aber ich dachte mir: Bevor ich gar nichts bekomme, nehme ich halt das Auto.“
Dieses sei zwar nur rund die Hälfte der vereinbarten Provision wert gewesen, dann aber mehrere Jahre lang im Schaufenster seines Betriebes gestanden: „Fahren konnte ich damit ja nicht.“ Im Jahr 2023 wollte der 61-Jährige - der vor Gericht angibt, über ein monatliches Einkommen von rund 2.500 Euro und kein Vermögen zu verfügen - den Rennwagen dann aber zu Geld machen. Zunächst auf einer Automesse in Niederösterreich, dann in Salzburg.
Kein Vertrag
Doch da forderte sein Freund den Maserati zurück. „Das war für mich völlig überraschend, weil es ja mein Auto war“, sagt der Angeklagte am Dienstag. Beweise für sein angebliches Eigentum kann der Mann allerdings keine vorlegen. Ein Vertrag existiert nicht.
Warum? „Weil es bei solchen Autos nicht üblich ist“, behauptet er. „Sie werden manchmal nur per Handschlag direkt auf einer Rennstrecke verkauft.“ Im Übrigen sei er davon ausgegangen, unter Freunden keinen solchen Nachweis zu benötigen.
Sehr wohl aktenkundig ist hingegen ein von beiden unterschriebener Leihvertrag zwischen ihm und dem Maserati-Eigentümer. Dieser stellt auch als Zeuge noch einmal klar, den Wagen seinem damaligen Freund nur leihweise überlassen zu haben, damit ihn der 58-Jährige bei einem Rennen fahren konnte. Von der behaupteten Provision wisse er nichts, der Angeklagte sei am Verkauf von Niki Laudas Mercedes kaum beteiligt gewesen - was im Übrigen auch der Verkäufer des Wagens bestätigt. Den Maserati als Gegenleistung angeboten zu haben, bestreitet der Zeuge vehement: „Das ist absurd“.
Bedingte Haftstrafe
Absurd klingt auch die Rechtfertigung des Angeklagten, der weiterhin bestreitet, den Leihvertrag unterzeichnet zu haben - trotz einer vom Richter vorgelegten Vergleichsunterschrift, die mit jener auf dem Vertrag praktisch identisch ist. „Sie sagen also, dass die Zeugen lügen?“ will da der Staatsanwalt wissen. Eine definitive Antwort darauf bleibt der 61-Jährige schuldig: „So etwas würde ich nie behaupten.“
Er wird zu einer bedingten Haftstrafe von 14 Monaten verurteilt - nicht rechtskräftig, weil er Berufung dagegen einlegt.
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