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Eingesperrte Flüsse: Warum ein Zurück zur Natur dringend nötig ist

Der March wird wieder mehr Raum gegeben. Eine Fluss-Expedition, die zeigt, was Renaturierung Mensch und Natur bringt.
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Auf den ersten Blick sind es bloß Steine, die an der Grenze zwischen dem Weinviertel und der Slowakei das Flussufer säumen. Für Georg Frank sind die Brocken mehr als das – ein Armutszeugnis. „Erbärmlich für die Tiere, erbärmlich für die Vegetation, erbärmlich für den Menschen“, sagt der WWF-Umweltschützer, einen Feldstecher vor der Brust baumelnd. Über ihm brennt die Sonne auf das Schlauchboot, unter ihm bahnt sich die March ihren Weg. Allerdings nicht so, wie sie es eigentlich sollte.

In den 1940er- bis 1970er-Jahren wurde der einst stark mäandrierende Fluss in ein steinernes Korsett gepresst. Weite Bögen wurden abgetrennt, der Lauf begradigt. Rund drei Viertel der March sind bis heute reguliert – über weite Strecken mithilfe von Kalkbrocken. „Wenn ich einen Fluss kanalisiere, schießt das Wasser möglichst schnell hinunter“, schildert Frank, während die Paddel leise ins seichte Wasser platschen. Ziel der Maßnahme war es, Hochwasser zu kontrollieren und angrenzende Flächen nutzbar zu machen.

Uferrückbau ist das beste Mittel, damit es einen Austausch gibt vom Flusswasser mit dem Grundwasser in der Umgebung.

von Georg Frank

Umweltschützer

Was die Regulierung langfristig nach sich zieht, zeigt sich unter anderem im Flussbett selbst: Die March frisst sich immer tiefer in den Untergrund. „Wir haben mittlerweile einen Meter an Wasserhorizont verloren“, sagt der Umweltschützer und deutet auf die glitzernde Oberfläche. Dadurch werden angrenzende Ökosysteme vom notwendigen Wasser abgeschnitten, zugleich sinkt auch der Grundwasserspiegel.

Steiniger Uferbereich an einem ruhigen Gewässer mit grüner Vegetation und blauem Himmel.

Ein Ufer der March, gesäumt von Blockwurf. Hier könnten Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Schwammlandschaften – etwa mäandrierende Flüsse, aber auch Moore oder Auen – gewinnen mit Blick auf die Klimaprognosen insbesondere für den Osten Österreichs an Bedeutung, erklärt WWF-Biodiversitätssprecher Joschka Brangs. Er führt zusammen mit Frank durch diese Exkursion. „Wir werden über das Jahr verteilt nicht weniger Wasser haben“, sagt er, „aber die Schwankungen werden größer – zwischen zu viel und zu wenig.“ Gefragt seien daher Ökosysteme, die Niederschläge aufnehmen und speichern können.

Den Fluss arbeiten lassen

Wie Renaturierung in der Praxis aussieht, zeigt sich bereits vor Ort: Entlang des slowakischen Ufers zwischen Drösing und Jedenspeigen ziehen sich frische Baggerspuren durch die offene Erde. Vom einstigen Blockwurf zeugen nur noch vereinzelte Steine, die der Schaufel entgangen sind.

Für die Revitalisierung braucht es neben schweren Maschinen vor allem Geduld und Vertrauen in die Natur. Der Leitsatz lautet „Let the River do the Work.“ – den Fluss die Arbeit machen lassen. Ganz so einfach ist es in der Praxis allerdings nicht. Hinter Projekten wie jenen an der March stehen jahrelange Planung und jahrzehntelange Vorarbeit.

Ein Mann mit einem WWF-T-Shirt und Fernglas paddelt in einem Schlauchboot auf einem Fluss.

Georg Frank spricht über Renaturierung entlang der March.

Ohne die harten Barrieren kehren Strukturen zurück, die für natürliche Flüsse charakteristisch sind. Etwa Schotterbänke, die nur entstehen, wenn ein Fluss dynamisch ist, wenn er das Land wieder gestalten darf. Die Flächen dienen etwa als Kinderstube für Fische und als Brutplätze für spezialisierte Vogelarten. Auch Steilufer gelten als Indikatoren intakter Flusslandschaften – sie bieten unter anderem Uferschwalben und Eisvögeln geeignete Nistplätze.

Immer wieder flattern Vertreter dieser Arten auch an diesem Vormittag über die March. Ihr Zwitschern begleitet das Schlauchboot – ein leiser Hinweis darauf, was möglich ist, wenn man dem Fluss wieder Raum gibt.

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