Chronik | Niederösterreich
04/05/2016

Bauern beklagen Ziesel-Schäden

Die Tiere richteten in Raum Krems Schäden in der Höhe von 200.000 Euro an.

Drollig seien sie, aber auch eine Plage: "Wir müssen zuschauen, wie die Ziesel unsere Ernte wegfressen", schlägt Landwirt Franz Gerstenmayer aus Gedersdorf im Bezirk Krems-Land Alarm.

Während anderswo für die Ziesel protestiert wird, kollidiert in der Region um Krems, Langenlois und Hadersdorf der Naturschutz mit den Interessen der Landwirtschaft. Denn der Nager steht auf der Liste der gefährdeten Arten. Laut Zählungen des Naturschutzbundes NÖ geht der Bestand zurück. In acht bisherigen Siedlungsgebieten wurden 2015 keine Tiere mehr gesichtet. In den im Vorjahr beobachteten 94 Ziesel-Vorkommen wurden nur 689 Tiere gezählt.

Gerstenmayer kann diese Zahl nicht nachvollziehen: "Wir schätzen, dass allein in der Gegend 50.000 Ziesel leben." Die Tiere fühlen sich in den Weingärten wohl, ziehen in die angrenzenden Felder zur Futtersuche los. Auf ihrem Speisezettel stehen neben Samen von Mais und Sonnenblumen auch die Ähren der jungen Getreidepflanzen. Gerstenmayer kennt Kollegen, denen ganze Felder kahl gefressen worden sein sollen. Auch er ist betroffen. "Pro Jahr habe ich einen Schaden von 3000 Euro", sagt er.

"Bei aller Wertschätzung gefährdeter Arten muss man sagen, dass die Population zu groß geworden ist", sagt auch Josef Edlinger, ÖVP-Landtagsabgeordneter und Obmann der Leader-Region Kamptal-Wagram. Allein im Vorjahr hätten die Tiere in der Region einen Schaden von 200.000 Euro angerichtet. Sogar an Trauben in den Weingärten vergriffen sie sich erstmals.

Keine Förderung

Vielleicht war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat: Ab Mai stellt das Land NÖ die Förderung des Zieselprojekts des Naturschutzbundes ein. Tierschützer sind entsetzt. "Wir befürchten, dass nun nichts mehr im Zieselschutz passiert", sagt Margit Gross, Geschäftsführerin des Naturschutzbundes. "Überall anders geht das Ziesel zurück, das wird vom Land verkannt." Statt das Projekt wegen eines Konflikts zu stoppen, gehöre dieser gelöst. Genau dieses Konfliktmanagement könne der Naturschutzbund jetzt nicht mehr finanzieren.

Vom Ende des Zieselschutzes will Martin Tschulik von der Naturschutzabteilung des Landes nicht sprechen. Das Projekt werde vielmehr in die Schutzgebietsbetreuung der Energie- und Umweltagentur (eNu) eingegliedert. Es werde weiterhin mit dem Naturschutzbund zusammengearbeitet, bestätigt Franz Maier von der eNu. Doch das Konfliktmanagement werde künftig über die Agentur ablaufen.

Laut Tschulik brauche es neue Zielformulierungen, um Kollateralschäden wie bei der Landwirtschaft zu vermeiden. "Da sind gewisse Entwicklungen vielleicht zu spät erkannt worden", sagt er. Noch heuer soll ein Projekt zur Langenloiser Zieselpopulation starten.

Ob es das Problem löst, bezweifelt wiederum Gerstenmayer. Er hofft auf Entschädigungen. "Wenn die Allgemeinheit Interesse hat, die Ziesel zu schützen, müsste sie auch für die Schäden zahlen."