Semmering-Basistunnel geht in die finale Bauphase

Seit 2012 wird mit Unterbrechungen am 4 Milliarden Euro teuren Tunnel gebaut. Die "finale Phase" soll bis 2030 abgeschlossen sein
Arbeiter in orangener Kleidung bei den Arbeiten im Tunnel.

Es sind zwar noch vier Jahre, bis der erste Passagier mit Tempo 230 durch den Semmering-Basistunnel rollen wird. Trotz des langen Zeitraums befinden sich die Arbeiten aber bereits in der "finalen Phase".

In weniger als zwei Stunden mit dem Zug von Wien nach Graz und in 2 Stunden 40 Minuten nach Klagenfurt – der Semmering-Basistunnel macht das zusammen mit der neuen Koralmbahn möglich. Bei den ÖBB spricht man in dem Zusammenhang von einem "Gamechanger" auf der Südstrecke.

Mammutaufgabe Innenausbau

Obwohl die 27,3 Kilometer langen Röhren durch den Semmering fertig gegraben und alle Vortriebe beendet sind, ist das Projekt noch nicht auf Schiene. Aufgrund der gewaltigen Dimension des Tunnels gilt der Innenausbau als Mammutaufgabe. Nachdem 2,5 Millionen Kubikmeter Beton für den Bau der beiden Tunnelröhren benötigt und rund 67.000 Tonnen Baustahl eingebaut wurden, steht nun die letzte Hürde auf dem Programm.

In fast allen Bauabschnitten wird bereits an der technischen Tunnelausrüstung gearbeitet. Dabei müssen mehr als 1.000 Kilometer Kabel, Sicherheitsausrüstung und Technik sowie die Gleisanlagen verlegt werden, heißt es bei den ÖBB. Kernstück der sogenannten "Festen Fahrbahn" sind Beton-Gleistragplatten, auf denen schlussendlich die Schienen montiert werden.

Ein Rendering vom geplanten Tunnel-Ausgang.

So soll das Portal in Gloggnitz aussehen, wenn es fertig ist.

Lkw-Lawine

An der Oberfläche in Niederösterreich haben die Abreiten zuletzt zu Irritationen bei Anrainern der Stadt Gloggnitz geführt. Die dortige Bürgerinitiative BISS beklagte eine deutliche Zunahme des Lkw-Verkehrs zur Tunnelbaustelle. Der Grund sind die letzten, laut ÖBB "intensiven Arbeiten" an der Beton-Innenschale in einem gut drei Kilometer langen Abschnitt. 

Dafür werden Unmengen Beton plus Zusatzstoffe benötigt, die alle per Schwerverkehr angeliefert werden. Wie es bei den ÖBB heißt, werden für einen zwölf Meter langen Gewölbeblock pro Abschnitt etwa 350 Kubikmeter Beton benötigt. Damit erklären sich auch die vermehrten Lkw-Fahrten.

Im Fröschnitzgraben steht die nächste Herausforderung für die Ingenieure an. Dort werden die beiden, 400 Meter senkrecht ins Erdreich führenden Schächte umgebaut. In der Vortriebsphase sind Baumaschinen, Lkw, Muldenkipper und Material über die gewaltigen Schachtanlagen in und aus dem Tunnel transportiert worden. "In Zukunft dienen sie zur Entlüftung der Tunnel in der Betriebsphase", heißt es vonseiten der Verantwortlichen.

Großer Energiebedarf

Ein wichtiges Puzzleteil für den Betrieb des Semmering-Basistunnels entsteht seit dem Sommer des Vorjahres im steirischen Langenwang. Für den Betrieb einer elektrifizierten Tunneleinrichtung von dieser Dimension benötigt es dementsprechend viel Energie. Deshalb wird direkt an der bestehenden Bahnstrecke im Westen von Langenwang ein Unterwerk gebaut. Dieses verstärkt die Stromversorgung der Südstrecke für den Semmering-Basistunnel. 

Wie es bei den ÖBB heißt, wird ein Unterwerk für die Stromversorgung der Oberleitung von Bahnstrecken benötigt. Die bestehende Bahnstromleitung im Mürztal mit einer Spannung von 110.000 Volt wird im Bereich der Schnellstraßen-Abfahrt S6 abgezweigt. Es ist nötig, den Strom von 110.000 Volt auf 15.000 Volt Spannung zu transformieren. "Nach Abschluss der Arbeiten wird über dieses Unterwerk die Energieversorgung für die Züge der Südstrecke und des Semmering-Basistunnels sichergestellt", so die ÖBB.

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