Auszug aus dem Paradies

Pfaffstätten: Ein Pensionist hält Dutzende Tiere. Die Stallungen sind illegal. Jetzt liegt der Abbruchbescheid auf dem Tisch.

Das ist mein Leben, mein kleines Paradies. Und jetzt muss alles weg", sagt Herbert Münster und dem Pensionisten steigen die Tränen in die Augen.
Sein "Paradies", das ist ein eingezäunter Bereich mitten in den Weingärten bei Pfaffstätten (Bezirk Baden) auf dem es so richtig "wuselt": Sechs Kamerunschafe, Dutzende Enten, Gänse und Hühner sowie rund 40 Brieftauben hält und pflegt Münster mit seiner Frau hier seit Jahren.

Illegal

Doch jetzt ist die kleine Welt in Gefahr: Die als Stallungen verwendeten Bretterhütten wurden illegal errichtet. Der Abbruchbescheid flatterte Herbert Münster ins Haus.

Die Vorgeschichte ist lang: Vor 15 Jahren hatte Münster noch in Traiskirchen seinen kleinen "Privatzoo" untergebracht, aber dann wurde das Areal verbaut und er suchte und fand Ersatz in Pfaffsättten: "Ich habe den Grund gekauft und am Gemeindeamt auch gesagt, dass ich Platz für meine Tiere brauche. Damals war das kein Problem", sagt Münster.

Gerodet

Er rodete einen Weingarten und baute schließlich eine Holzhütte für die Tiere, die im Laufe der Jahre mehr wurden. Alles schien perfekt: "Ich habe einen Nussbaum gepflanzt und einen Gemüsegarten angelegt. Es war so schön für mich", sagt Münster.

Doch dann beginnen die Schwierigkeiten: "Der Bürgermeister und der Amtsleiter haben gesagt, dass die Hütte weg muss. Ich habe einen Brief bekommen, dass widerrechtlich gebaut wurde. Ich bin auf die Gemeinde gegangen, aber schriftlich reagiert habe ich nie", gibt Münster zu. Jahrelang ging das so Hin und Her, doch jetzt ist ein Schreiben der Bezirkshauptmannschaft Baden eingelangt.

Abriss

Der Abbruch der "konsenslos errichteten Holzhütte und von zwei Hasenställen" wird gefordert. Eine Kostenschätzung über 2340 Euro für den Abriss liegt auch gleich bei: "Das kann ich nie zahlen und selbst kann ich die Hütte auch nicht abreißen. Ich bin 74 Jahre alt und schwer krank. Was soll mit meinen Tieren in Zukunft geschehen", fragt sich Münster total verzweifelt.

Bürgermeister Christoph Kainz steht zu dem jetzt eingeleiteten Vollstreckungsverfahren, denn "das geht jetzt seit August 1998 so. Er hätte in jeder anderen Gemeinde schon längst ein Problem bekommen, aber jetzt ist auch bei uns der Yug abgefahren".

Schon 1998 hat es ein negatives Gutachten für den Bau im Grünland gegeben und der Abbruchbescheid erfolgte 2001, so Kainz. "Die Vollstreckung wurde öfter ausgesetzt, aber statt zu reagieren hat er zusätzliche Stallungen und neue Umzäunungen errichtet. Man kann das einfach hier nicht so stehen lassen, auch wenn mir Herr Münster leid tut", sagt Kainz. Er verspricht aber, dass für die Tiere ein Platz gesucht wird: "Ich werde versuchen, ihm eine Perspektive zu geben."

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011