Die rot eingezeichneten Häuser sollen neu entstehen

© Bürgerinitiative Wachtberg

Chronik | Niederösterreich
06/19/2019

Aufstand gegen dichtere Bebauung

Bürgerinitiativen wollen im Zentrum keine größeren Gebäude als bisher – Stadt zieht Notbremse

Mit so viel Gegenwind hatte die Stadtverwaltung nicht gerechnet: Mindestens 230 Bürger haben Einwände gegen zwei geplante Wohnbauprojekte im Stadtzentrum eingebracht. Zudem haben mehr als 40 Mitglieder zweier Bürgerinitiativen vergangene Woche vor einer Bauausschuss-Sitzung demonstriert.

Ein Grund: Bei vorangegangenen Informationsveranstaltungen zur geplanten Erhöhung der Bauklasse hatten sie sich weder ernst genommen noch gut informiert gefühlt. „Wir sind nicht gegen das Bauen nach bestehenden Regeln. Aber es ist nicht notwendig, die Bauhöhen anzuheben“, kritisieren Helmut Hofbauer sowie Thomas Kurz und seine Frau Martina Kurz-Novotny. Die Unternehmer sind die Sprecher zweier Bürgerinitiativen, die sich zusammen geschlossen haben, weil die Problemstellung in der Gaswerkgasse und am Wachtberg aus ihrer Sicht ähnlich ist: An beiden Orten sollen Wohnanlagen in einer bisher nicht üblichen Größenordnung entstehen.

„Dabei fehlt ein Verkehrskonzept. Und die dafür nötigen Umwidmungen widersprechen aus unserer Sicht der geltenden Bauordnung“, sagt Hofbauer. Außerdem sind sich die Kritiker einig, dass die höheren Wohnhäuser dem Stadtbild im Zentrum nicht guttun.

Parkplatzmangel

85 Wohnungen in der Gaswerkgasse und 75 am Wachtberg mag nicht nach viel klingen. „Aber es gibt jetzt schon praktisch keine freien Parkplätze“, sagt Kurz. Außerdem seien die Straßen im betroffenen Bereich sehr schmal. „Stadtbusse kommen nur durch, wenn Pkw auf dem Gehsteig fahren“, ergänzt er.

„Wir wollten nur etwas Gutes erreichen, damit Besitzer es leichter haben, falls sie ihre Häuser ausbauen wollen“, erklärt der für Bauangelegenheiten und Bürgerbeteiligung zuständige Stadtrat Günter Herz. „Aber die Informationsveranstaltungen waren emotional so aufgeladen, dass wir die Projekte nicht richtig vorstellen konnten. Dabei entstehen in der Gaswerkgasse 1,6 Stellplätze pro Wohnung plus zusätzliche öffentliche. Und wir brauchen dringend Wohnungen“, argumentiert er.

Trotzdem werde die Entscheidung zur Bauklasse in den betreffenden Gebieten für neue Prüfungen auf Herbst verschoben.