© Michael Adam

Interview
11/26/2021

Andreas Gruber: Mörderische Ideen und ein Kotzbrocken als Erfolgsrezept

Die Thriller und Krimis des preisgekrönten Autors aus Grillenberg (Bezirk Baden) werden von Frankreich über die Türkei bis nach Japan gelesen.

von Marlene Penz

KURIER: Ihr neuestes Buch „Todesschmerz“ ist im September erschienen, würden Sie damit gerade auf Tour sein?

Andreas Gruber: Die Tour hat im September schon angefangen. Ich bin fünfmal in Deutschland gewesen auf Lesereise und auch hier in Österreich hatte ich schon Lesungen. Im Moment erwischt es mich nicht schlimm, ich musste nur drei Termine absagen.

Und was erwartet Ihre Leserinnen und Leser?

Es ist der 6. Teil einer Reihe, in der Hauptrolle ein Profiler vom BKA Wiesbaden, Maarten S. Sneijder. Er ist um die 50, kifft, hasst alle Menschen – eigentlich ein richtiger Kotzbrocken, aber ein Genie auf seinem Gebiet. Diesmal soll er gemeinsam mit seiner Kollegin Sabine Nemez – die er im 1. Teil entdeckt hat – den Mord an der deutschen Botschafterin in Norwegen aufklären. Am Ende wird sich einiges im Team verändern. Ich arbeite schon am 7. Teil.

Woher kommen Ihre Ideen für Ihre Bücher?

Wahrscheinlich aus meinem Unterbewusstsein, Wie sie da hinkommen, weiß ich aber auch nicht. Ich muss die Ideen aber festhalten, wenn sie kommen und sie sofort aufschreiben, sonst sind sie fort, auch auf Servietten, wenn sonst nichts greifbar ist. Ich habe in den letzten 20 Jahren einen großen Pool gesammelt mit Locations, Figuren oder auch Ideen, wie man etwa Spuren verwischen kann und Tricks, wie man andere hinters Licht führt. Alle Ideen die im Laufe des Tages auftauchen, schreibe ich auf.

Wie viele sind das?

Sagen wir so sieben oder acht in einer Woche – manchmal sprudelt es regelrecht, da führt eine Idee zur nächsten. Manchmal sind es aber Kleinigkeiten, wie Dialoge, die ich witzig oder cool finde. Meine Geschichten leben von coolen Charakteren und lässigen Dialogen. Ich versuche, die ernste Handlung mit schwarzem Humor und Spitzzüngigkeit aufzulockern. Meistens fließen die Dialoge in den aktuellen Roman hinein, manche kommen aber auch in meine Datenbank und bleiben dort und werden vielleicht erst Jahre später hervorgeholt. Die Kunst ist, alle herauszupicken, die es wert sind, erzählt zu werden und sie dann so zu kombinieren, dass sie eine Geschichte ergeben. Ich schreibe nicht aus dem Bauch heraus und schaue, wo es sich hinentwickelt. Gerade bei einem Thriller muss man schon am Anfang wissen was passiert und wer die Täter sind, sonst verheddert man sich und landet in einer Sackgasse.

Vor sieben Jahren haben Sie Ihren Job im Controlling an den Nagel gehängt, um hauptberuflich Schriftsteller zu sein. Haben Sie das je bereut?

Es war schon mein großer Traum als Bub, dass ich davon leben kann. Früher bin ich von der Arbeit nach Hause gekommen und habe bis elf Uhr am Abend geschrieben, Controlling hat nichts Künstlerisch-Kreatives, schreiben war mein Ausgleich. Aber ich wollte jedes Jahr ein Buch herausbringen und auf ausgedehnte Lesereisen gehen, das geht neben einem Job nicht. Das erste Jahr ohne war schon ein Nervenkitzel, da ist noch nicht alles super gelaufen. Ich habe im Monat cirka 6.000 Bücher verkauft. Um zu überleben, braucht man mindestens 8.000. Aber dann hat es sich stetig weiterentwickelt. Also nein, ich habe es nicht bereut.

Andreas Gruber, geboren 1968 in Wien, studierte an der dortigen Wirtschaftsuniversität und lebt als freier Schriftsteller mit seiner Frau in Grillenberg (Bezirk Baden). Neben eigenständigen Romanen hat Gruber drei Thriller-Serien entwickelt, die Maarten-S.-Sneijder-Reihe, die Walter-Pulaski-Reihe und die  Peter-Hogart-Reihe. Seine Bücher wurden in über zehn Sprachen übersetzt. Gerade wurde er mit dem „Österreichischen Krimipreis“ ausgezeichnet.
 

 

 

Waren Ihre Eltern schockiert über Ihre Fantasie, als sie Ihr erstes Buch gelesen haben?

Meine Eltern haben tatsächlich noch keinen Thriller von mir gelesen, insofern wissen sie gar nicht, wie brutal meine Bücher sind. Meine Mutter hat auch die Filme (zwei Bücher der Sneijder-Reihe wurden von Constantin Film bereits verfilmt, Anm.) nicht gesehen. Sie hat gleich nach der Eingangsszene – da wird eine Frau gefesselt durch eine Kirche gezerrt und dann mit Tinte ertränkt – abgedreht.

Das heißt, sie hat Sie auch nicht im Fernsehen gesehen?

Nein, aber Leserinnen und Leser, die mich vom Foto hinten in den Büchern kennen oder von Lesungen haben mich angeschrieben, wenn sie mich entdeckt haben, als ich in Alfred Hitchcock-Manier durch das Bild gehuscht bin. Mein Schmäh ist dann immer, dass man im Fernsehen dicker aussieht als in echt.

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