Jugendheim in Amstetten muss zusperren: Land NÖ spart Förderung ein
Sehr betroffen: Heimleiterin Elisabeth Malicek (r.) und Betreuerin Johanna Dorner
Seit Generationen ist das Don Bosco-Jugendheim der Salesianer in Amstetten für Jugendliche ein offener Hort des Zuspruchs, der Geselligkeit und des Sports. Weil das Land Niederösterreich überraschend seine Fördermittel komplett streicht, muss das Jugendheim aber mit dem heurigen 60. Bestandsjahr völlig überraschend zugesperrt werden.
Mit Pusztakraut gefüllte Semmeln, dazu ein Becher Verdünnsaft – diese schnelle und billige Jause sowie geheizte Räume mit Tischtennis und Wuzzler ließen das Don Bosco-Heim direkt hinter der Herzjesu-Kirche bei Schülern schon vor Jahrzehnten zum Kultort werden.
Das Don Bosco-Heim Amstetten beherbergte Generationen von Jugendlichen.
Immer mehr ist der Jugendtreff mit engagierter Pädagogik und Betreuung, sowie seinen Sportstätten im Amstettner Stadtzentrum auch zur wichtigen Anlaufstelle für Kids aus sozial schlechter gestellten Verhältnissen und aus Migrationskreisen geworden. Doch nun schreckt in Amstetten die Hiobsbotschaft auf: „Wir sind gezwungen, das Don Bosco-Heim mit Jahresende zu schließen, es geht sich finanziell einfach nicht mehr aus“, sagt Regina Schmid, die Geschäftsführerin des Sozialwerk Don Boscos.
Vier Jugendheime
Dieses betreibt in Österreich Projekte für benachteiligte Kinder- und Jugendliche, vor allem auch mit Migrationshintergrund. Auch vier Jugendheime, darunter jenes in Amstetten, gehören zu diesen Institutionen. Das für September geplante 60-Jahr-Jubiläumsfest sei gleichzeitig auch das Abschiedsfest, kündigt Schmid nun verbittert an.
Das Fiasko hatte sich im Februar mit einem bedrohlichen Brief des Landes NÖ angekündigt. Da sei aus der Abteilung Integration im Verantwortungsbereich von FPÖ-Landesrat Martin Antauer mitgeteilt worden, dass die seit Jahrzehnten gewährte Förderung bereits für heuer aus Spargründen nicht mehr gewährt wird.
Ein Tiefschlag für die ohnehin prekäre finanzielle Situation des Jugendhorts, dessen Betrieb bereits auf drei Tage pro Woche heruntergefahren werden musste. Die Landesunterstützung nimmt einen Anteil von 40 Prozent der Jahreskosten ein. 20 Prozent steuern die Stadt Amstetten sowie jeweils die Pfarre Herzjesu und das Sozialwerk Don Bosco selbst bei. „Wir waren bisher schon am Limit, jetzt kommt auch noch der Ausfall im laufenden Betriebsjahr, das ist nicht mehr zu schaffen“, sagt Schmid.
Keine Hilfe
In Gesprächen mit Politikern und Verantwortlichen in verschiedensten Ebenen habe man zwar emotional offene Türen vorgefunden und sei auf Betroffenheit gestoßen, aber direkte Unterstützung sei von niemandem gekommen, bedauert die Leiterin des Sozialwerk Don Boscos. Für das laufende Jahr gehe es seitens des Landes um 50.000 Euro. Eine Summe, die angesichts des auch in Amstetten auffälligen Bedarfs vieler Jugendlicher an Orientierung und Kommunikation über aktuelle Ängste und Zukunftsszenarien eigentlich lächerlich sei, sagt Schmid.
Der Schock und die Enttäuschung sind auch im dreiköpfigen Betreuungsteam groß, versichern die Amstettner Heimleiterin Elisabeth Malicek und Betreuerin Johanna Dorner, die der KURIER außerhalb der Dienstzeiten beim Heim antrifft.
Dass das Don Bosco-Heim auch mit seiner Jugendarbeit „von großer Bedeutung“ sei, wird auch im Schreiben aus dem Büro von Landesrat Antauer bestätigt. Mit dem offenen Kinder- und Jugendzentrum würde ein wertvoller Ort für Menschen in Amstetten geschaffen, heißt es in dem Schreiben. Viel Lob gibt es für das niederschwellige Freizeitangebot, die Einzelfallberatung, das Mädchencafé, Ausflüge und Workshops, in denen „Zusammenhalt, Fairness, Verantwortung und Orientierung vermittelt werden“.
Auch auf Nachfrage des KURIER bestätigt Robert Lugar, der Sprecher von Landesrat Antauer, dass der Grund für die Streichung der Förderung nicht in einer mangelnden Wertschätzung der Arbeit und der Integrationsbemühungen liege. Man sei als öffentliche Hand gezwungen, dem Spardruck Folge zu leisten, "es trifft leider immer jemanden, man muss irgendwo beginnen zu sparen“, versichert Lugar, der erneut ausschließlich Spargründe als Hintergrund der Förderungsabsage nennt.
Besorgnis
Für Amstettens Vizebürgermeister Gerhard Riegler (SPÖ) ist die Streichung der Landförderung "viel zu kurz gedacht, weil das später viel mehr Geld kostet“. Seit Jahrzehnten werde im Don Bosco-Heim hervorragende Jugend-, Integrations- und Sozialarbeit erbracht, so Riegler, der auch bei Soziallandesrätin Eva Prischl vorstellig wurde. Der Stadtvize: "Ich hoffe, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen“.
Kommentare