Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit in NÖ zeigt Erfolge

AMS setzt auf Intensivbetreuung und geförderte Vermittlung an Betriebe. Die Region um Wien ist besonders betroffen.
PK AMS-Intensivvermittlung Langzeitarbeitsloser

Rund 6.800 Kundinnen und Kunden des Arbeitsmarktservice (AMS) Niederösterreich waren Ende Februar langzeitarbeitslos - also schon seit mindestens einem Jahr auf Jobsuche. Das ist ein Anstieg um 11,6 Prozent im Vergleich zum Februar 2025.

Im Jahresdurchschnitt 2025 liegt Niederösterreich allerdings mit einem Anstieg um knapp 16 Prozent deutlich unter dem österreichweiten Wert von +25,4 Prozent

Gemessen am Vorkrisenjahr 2019 ist der Rückgang in der Langzeitarbeitslosigkeit mit einem Minus von fast 36 Prozent in NÖ der stärkste aller Bundesländer.

Die Region rund um Wien ist besonders stark betroffen. Bei den AMS-Geschäftsstellen Bruck und Schwechat stieg die Zahl der Langzeitarbeitslosen Ende Februar um 19 bzw. 21 Prozent auf insgesamt 588 an. Das AMS setzt im Kampf dagegen auf intensive Vermittlung vom ersten Tag an, besondere Betreuung sowie das Programm "ProAktiv", das schon 2.800 Jobsuchende genutzt haben.

ProAktiv ist zweistufig aufgebaut und wird in ganz NÖ angeboten. Am Anfang steht besonders individuell zugeschnittene Beratung und Vorbereitung auf den Einstieg in den Arbeitsmarkt. "Etwa 40 Prozent der Langzeitarbeitslosen gelingt bereits hier der Jobeinstieg", sagt AMS-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern. Wer nicht erfolgreich war, dem wird in weiterer Folge ein befristetes Dienstverhältnis in einem Betrieb angeboten - gefördert vom AMS. Auf diesem Weg finden zwei Drittel der Betroffenen einen Arbeitsplatz.

Task Force eingerichtet

Kern betont: „Wir setzen unsere Förderangebote so ein, dass Betroffenen nachhaltig wieder in Arbeit gebracht werden. 2.405 Personen, die bereits ein Jahr oder länger betreut wurden, gelang 2025 der berufliche Wiedereinstieg. Das sind trotz schwieriger Arbeitsmarktlage um 14 Prozent mehr als im Jahr davor.“

2025 wurden vom AMS NÖ knapp 740.000 Vermittlungsvorschläge ausgegeben, man hat eine eigene Task-Force eingerichtet, die sich speziell um Kunden kümmert, die bereits drei Jahre oder länger arbeitslos sind.

Der Fokus in Schwechat liege auf intensiverer Betreuung durch eine eigene Spezialistin, sagt Geschäftsstellenleiter Michael Schöpf. "Sie kann durch kürzere Kontaktintervalle eine engmaschigere Betreuung und Unterstützung anbieten." Zusätzlich setze man auf eine enge Kooperation mit den Gemeinden im Bezirk: "Hier gibt es immer wieder Beschäftigungsmöglichkeiten, die wir gezielt für langzeitarbeitslose Personen nutzen.“ 

Stadt übernimmt Arbeitskräfte

So etwa in der Stadt Schwechat selbst, wo Bürgermeisterin Karin Baier bereits mehrere Arbeitskräfte vom AMS übernommen hat - und schwärmt: „Die Kooperation bei der Personalvermittlung ist bestens eingespielt und hat sich für alle Beteiligten bewährt: Wir finden auf diese Weise passende Personen für den Bauhof, die Stadtgärtnerei und andere Saisonarbeiten. Auf diese Weise haben in den letzten Jahren einige Jobsuchende, die zuvor langzeitarbeitslos waren, in der Stadt einen fixen Arbeitsplatz gefunden. Besonders gute Erfahrungen haben wir dabei auch mit Personen gemacht, die bereits etwas älter waren.“ 

Im Vergleich zu 2019 wurde die Langzeitarbeitslosigkeit im Bereich des AMS Schwechat um 14 Prozent reduziert.

Zurück ins Berufsleben hat nach längerer erfolgloser Arbeitssuche, familiärer Belastung mit vier Kindern und negativen Erfahrungen im früheren Job auch Daniela Moldovan gefunden. Sie stieg im Juni 2025 ins Programm ProAktiv ein. "Ich habe vorher in einem Büro gearbeitet, wollte dann aber bewusst länger bei meinen Kindern bleiben. Die Beratung war von Anfang an locker und sehr angenehm", erzählt sie.

In vertrauensvollem Rahmen habe Moldovan ihre "Fähigkeiten neu entdeckt und wieder Zuversicht gewonnen". Aus einem Praktikum bei der Firma Chips Away Full Motion mit anschließender Arbeitskräfteüberlassung entwickelte sich eine Fixanstellung.

Direkter Kontakt

Karin Wernecker, stellvertretende Geschäftsstellenleiterin des AMS Bruck an der Leitha, betont: „Seit Beginn der Intensivbetreuung im Jahr 2024 konnten monatlich zwei bis drei Langzeitarbeitslose in Beschäftigung gebracht werden."

Man setze auf Vernetzung und direkten Kontakt. Im Vergleich zu 2019 wurde die Langzeitarbeitslosigkeit im Bereich des AMS Bruck um 38 Prozent reduziert. 81 Betroffenen ist 2025 der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt gelungen. 

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