Alm-Rinder dürsten, weil Tau am Gras fehlt
Rinder haben auf den Almen mit Hitze und Trockenheit Probleme.
Die Almen der Weidebauern gehören zu Niederösterreichs wichtigsten touristischen Schätzen. Aber auch punkto Naturschutz, Artenvielfalt, Kleinklima und Schutz vor Naturgewalten sind sie kaum zu ersetzende Bollwerke. In einem ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Umfeld kämpfen die Almbauern heuer allerdings gleich gegen mehrere widrige Faktoren.
„Anders als in den anderen Bundesländern, konnten wir in Niederösterreich in den vergangenen Jahren die Zahl der Almen gut gehalten. Aber es wird immer schwieriger“, sagt „Angerbauer“ Josef Mayerhofer. Der Obmann des nö. Alm- und Weidewirtschaftsvereins aus St. Veit an Gölsen treibt selbst Vieh auf die Kleinzeller Hüttenalm auf und steht im ständigen Austausch mit den derzeit 77 Alm- und 34 Weidegemeinschaften im Land.
Sprecher der Almbauern: Josef Mayerhofer vulgo "Angerbauer"
Heuer stehen das Vieh am Berg und somit die Halter und die Bauern im Tal vor etlichen Herausforderungen, schildert Mayerhofer. Weil sich der Winter lang hielt, konnten die Rinder erst spät aufgetrieben werden. „Dann hat aber eine gute, warme Witterung für saftiges Gras gesorgt. Bis die Hitze kam und das Futter grob und überstandig wurde“, erinnert sich Mayerhofer. Die Hitze, die auch die sonst kühleren Berge umklammerte, beschere auf den Almen zunehmend Wassernot.
Quellen versiegen
Die Vorräte schwinden, und so manche wichtige Quelle im Kalk- und Karstgestein des Weidegebietes versiegte, sagt Mayerhofer. „Ich höre immer öfter, dass die Bauern Wasser auf die Almen transportieren müssen“. Dabei verschärft ein Naturphänomen die Situation besonders: Wegen der warmen Nächte bildet sich am Weidegras kein Tau mehr. Der sorgt normal dafür, dass das Vieh in Früh mit dem Gras viel Feuchtigkeit aufnimmt. Das war in der letzten langen Hitzeperiode nicht mehr möglich. Die Tiere seien daher ständig durstig zu den Tränken gekommen, berichtet Mayerhofer.
Die Weidegenossenschaft und ihre Halter am Berg seien deshalb mehr als sonst gefordert. Quellfassungen müssten viel mehr gewartet und das Vieh viel öfter umgekoppelt werden. Oder man schleppt Wasser in Fässern zu den alpinen Tränken. Dass Tiere heuer aufgrund der Wassernot frühzeitig von der Alm abgetrieben werden mussten, habe er aber noch nicht gehört, so Mayerhofer.
Was der Almbauern-Sprecher allerdings schon hört, sind zunehmend mehr Berichte, dass das Vieh auf immer mehr Almen verstört und hektisch sei. Der Wolf sei zunehmend auch im nö. Alpenbogen zu spüren, beklagt der Bauernfunktionär.
Chillende Kühe
Will man der Hitze am Berg auch positive Aspekte abgewinnen, muss man in die Rolle der Wanderer schlüpfen. Laut Mayerhofer sinke bei diesen hohen Temperaturen für das Wandervolk die Gefahr, innerhalb eines Weidegebiets von Kühen attackiert zu werden. „Da liegen sie lieber entspannt im Schatten unter den Bäumen“, so Mayerhofer.
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