© Thomas Lenger

Chronik Niederösterreich
08/27/2019

Alkolenker ohne Schein zerstörte Glück einer vierköpfigen Familie

47-Jährige, die bei Frontalkollision starb, war Mutter von Zwillingsbuben. Freunde können ihren Tod nicht fassen.

von Katharina Zach, Patrick Wammerl

Am Dienstag hätte für das Ehepaar aus Baden und ihre beiden Zwillingssöhne der Urlaub beginnen sollen. Doch die zweifache Mutter und Tierärztin, Eva S. (47), kam Montagabend nicht mehr zu Hause an. Mit einem ihrer 14-jährigen Söhne im Auto starb sie unverschuldet bei einer Frontalkollision auf der B212 im Traiskirchener Ortsteil Möllersdorf. Der Jugendliche wurde schwer verletzt.

Der Unfalllenker, der 47-Jährige Zoran M., der zum Zeitpunkt des Unfalles schwer alkoholisiert gewesen sein dürfte, soll auf gerader Strecke auf die Gegenfahrbahn geraten sein. Er rammte den BMW i3 der Familie. S. und M. starben trotz sofortiger Hilfe an der Unfallstelle. Bremsspuren gibt es keine. 

Die Untersuchung der Wracks und der Toten soll bei den Ermittlungen Aufschluss bringen.

"Unbegreiflich"

Freunde von Eva M. und ihr Mann, ein bekannter Unternehmer und Sportfunktionär, sind am Boden zerstört. "Was uns völlig unbegreiflich ist, ist, wie man auf dieser Strecke so eine Geschwindigkeit für einen derartigen Unfall aufbauen kann", ist Tierarzt Lothar V., Arbeitgeber und Freund von Eva S., fassungslos.

Der Chef der Tierklinik kennt die 47-Jährige seit Jahrzehnten. "Sie ist meine längstdienende Mitarbeiterin." Sie habe schon als Studentin bei ihm gearbeitet, erzählt er betroffen. Sie sei „unersetzbar und vorbildhaft“ sowie eine  begabte Chirurgin – und besonnene Autofahrerin – gewesen. „Sie war der Fels in der Brandung.“ S. war sogar Taufpatin einer seiner Kinder.

Die einzig gute Nachricht bei der Tragödie: Eva S.' Sohn, der mit dem Notarzthubschrauber ins UKH Meidling geflogen werden musste, sei ansprechbar, er habe Knochenbrüche erlitten.

Bargeld sichergestellt

Indes wurden neue Details zum Unfalllenker Zoran M. bekannt. Wie berichtet, musste die Polizei am Unfallort wegen rund 20 bis 30 aufgebrachter Mitglieder der Familie des Mannes, der Angehöriger der Volksgruppe der Roma ist, Verstärkung anfordern. Die Angehörigen mussten mit Nachdruck vom Leichnam weggehalten werden. Zuerst ging man davon aus, dass sie sich von dem Toten verabschieden wollten. Später versuchten sie, ins Haus der Unfalllenkers zu gelangen. Die Polizei fand eine beträchtliche fünfstellige Summe Bargeld bei dem Toten.

M. hatte nur kurze Zeit vor dem tödlichen Crash am Montagnachmittag für einen Polizeieinsatz gesorgt. Der sichtlich schwer Alkoholisierte hätte laut Polizei Streit mit einem Familienmitglied gehabt und deswegen die Beamten gerufen. Zoran M. war amtsbekannt, auch sein Führerschein war ihm wegen Alkohol am Steuer bereits abgenommen worden.