Chronik | Niederösterreich
17.09.2017

Akkordeon trifft Nepal in der Wachau

Otto Lechners Großvater war Ruinenwirt, er bringt nun die Musik zu den alten Gemäuern.

Otto Lechner sitzt im Hof der Burgruine Aggstein (Bezirk Melk) auf 520 Höhenmetern, vor ihm ein Wildschweinragout mit Rotkraut und Knödeln. "Mein Großvater war in den 1930er und -40er Jahren der Ruinenwirt hier. Jeden Sommer ist er heraufgezogen und hat die Ausflügler bewirtet", erzählt der Akkordeonvirtuose. "Ich hatte immer schon einen persönlichen Bezug zu diesem Ort."

Dieses Jahr übernimmt Lechner erstmals die künstlerische Leitung des Musikfestivals "Kunst in der Kartause", das von 28. September bis 1. Oktober – unter anderem auf der Burgruine aus dem 12. Jahrhundert – stattfindet. "Hier hinauf bringe ich das nepalesische Ensemble Prana Mundi. Die habe ich voriges Jahr in Kathmandu kennengelernt. Wenn man in der eigenen Heimat etwas macht, möchte man sich besonders weltlich präsentieren", sagt Lechner.

Das Festival sei ein Versuch, möglichst viel seines Spektrums einzubringen und dreht sich vor allem um die zwei Instrumente Orgel und Akkordeon. "Es geht um dieses Spannungsfeld. Die Orgel stellt mit der Kirche ein Rieseninstrument dar. Das Akkordeon ist da ein Gegenentwurf. Man kann es überall hintragen. Eine Orgel ist ohne das Gebäude gar nicht denkbar", sagt Lechner.

Die meisten Konzerte finden in der Kartause in Aggsbach statt. Am Festivalsamstag ist aber eine musikalische Wanderung geplant. Diese führt von der Wallfahrtskirche Maria Langegg zur Ruine Aggstein. Von dort geht es dann zurück in die Kartause.

Otto Lechner wandert sehr gerne. "Ich glaube, dass man beim Gehen am besten denken kann. Ich bin kein Bewunderer der Landschaft, aber die Gerüche ändern sich, die Füße tun was, da findet balanciertes Denken statt", sagt der Musiker, der seit seinem fünfzehnten Lebensjahr blind ist.

Autodidakt

Musik spielt Lechner schon fast sein ganzes Leben lang. Kurz nachdem er gehen konnte, bekam er zu Weihnachten ein Akkordeon geschenkt. Er hat sich dann durch Improvisation und viel Übung das Spielen selbst beigebracht. Bereits als Kind trat er bei Hochzeiten und Bällen auf.

Nach der Matura hat Otto Lechner zwei Jahre lang Josef Hader bei dessen Kabarettauftritten als Pianist begleitet. Danach ist er wieder zum Akkordeon zurückgekehrt und war Teil eines "illustren Musikerkreises". Freundschaften, die damals entstanden, halten bis heute. "Ich geh nur mit wem auf die Bühne, dem ich auch richtig vertraue, der mir auch zeigt, wo das Klo ist", sagt Lechner. So ist er auch mit dem Flötist von Prana Mundi auf dem Motorrad durch Kathmandu gefahren, "was nicht ungefährlich ist".

Peter Ruschka, der heutige Pächter der Taverne und damit ein Nachfolger von Lechners Großvater, kommt und plaudert ein wenig mit dem Musiker. Ruschka hat die Pacht erst dieses Jahr übernommen und möchte mit einem Kulturprogramm und saisonal wechselnden, regionalen Speisekarten ein bisschen Schwung in den Betrieb bringen. Das Wildschwein vom Ragout stammt direkt aus dem Wald neben der Burgruine. "So ist es auch okay, Fleisch zu essen, wenn man weiß, woher es kommt", findet Lechner.