Mit 66 war Herta Kunerth erstmals im  Gemeinderat. Mit 101 Jahren kandidiert sie immer noch.

© Lothar Schwertführer

Chronik Niederösterreich
01/16/2020

Älteste Kandidatin: Mit 101 Jahren bei der Gemeinderatswahl

Trotz ihres hohen Alters ist es Herta Kunerth aus Perchtoldsdorf immer noch ein Anliegen, politisch aktiv zu sein.

von Theresa Bittermann

Mit 66 Jahren ... da fängt das Leben zwar nicht erst an, aber es geht auf jeden Fall noch rasant weiter – das beweist Herta Kunerth. Im Alter von 66 Jahren zog sie erstmals in den Perchtoldsdorfer Gemeinderat ein. Heute ist sie 101 Jahre alt und kandidiert nach wie vor bei der Gemeinderatswahl.

Vergangene Woche berichtete der KURIER über die 98-jährige Anna Windholz, die in Bruck an der Leitha bei der Gemeinderatswahl antritt – nun zeigte sich, die älteste Kandidatin ist doch nicht sie, sondern Herta Kunerth mit 101 Jahren.

1985 gründete Kunerth die Perchtoldsdorfer Bürgerliste (Bezirk Mödling). Mittlerweile hat ihre Tochter Gabriele Wladyka das Ruder in der Regionalpartei übernommen.

Eigene Bürgerliste

„Damals, als ich die Bürgerliste gegründet habe, wurde die Hainburger Au besetzt. Ich erinner’ mich noch, das war ein großer Aufruhr. Das hat mich dazu angeregt, auch etwas zu unternehmen“, erinnert sich die 101-Jährige. Mit dem Ziel, sich vorwiegend bei Umweltthemen zu engagieren, zog Helga Kunerth mit ihrer Bürgerliste 1985 also erstmals in den Gemeinderat ein. 20 Jahre lang setzte sie sich von da an in der Lokalpolitik ein. „Vor allem mit der Bauordnung und der Rechtmäßigkeit von Bauvorhaben habe ich mich auseinandergesetzt. Nach wie vor sprechen mich Menschen mit ihren Anliegen an“, erzählt Kunerth.

Doktor mit 67 Jahren

Im Alter von 60 Jahren trat Herta Kunerth ihre Pension an, zuvor hatte sie als medizinisch-technische Assistentin gearbeitet. Ruhe sollte in der Pension bis heute aber keine einkehren: Mit 60 begann sie ihr Studium der Psychologie, mit 67 erhielt sie den Doktortitel. Buchveröffentlichungen und ihr politisches Engagement folgten.

Mit 101 Jahren zieht sie nun Bilanz. „Die Politik macht mich schon sehr müde, immer wieder stößt man auf taube Ohren, habe ich das Gefühl. Aber ich bemühe mich weiterhin, weil es mir ein echtes Anliegen ist“, sagte die älteste Kandidatin.

Gesund gehalten hat sie sich durch tägliche Spazierrunden. „Außerdem esse ich meiner Gesundheit zuliebe kein Fleisch“, fügt Kunerth hinzu.