Abgedrängt: Nach Unfall mit 2 Promille auf A2 flogen die Fäuste

Prozess: Alkolenker verursachte Karambolage und soll dafür brutal zusammengeschlagen worden sein: doppelter Kieferbruch.
Wütender Autolenker droht mit der Faust

Es waren Wildwest-Szenen, die sich im Oktober 2025 auf der Südautobahn im Bezirk Mödling abspielten. Auf dem Heimweg nach Wien sollen zwei Bekannte (22 und 23 Jahre alt) von einem rücksichtslosen - und wie sich herausstellen sollte: betrunkenen - Fahrzeuglenker mehrfach abgedrängt und angeblinkt worden sein. 

"Er hat uns und anderen Autos immer wieder die Lichthupe gegeben und uns geschnitten", erinnert sich einer der beiden am Freitag am Landesgericht Wiener Neustadt.

Nicht nur als Opfer, sondern auch als Täter muss er sich dort verantworten. Denn weil der Alkolenker schließlich eine Vollbremsung hinlegte, um den hinter ihm Fahrenden zum Anhalten zu zwingen, krachte der junge Wiener mit seinem Wagen in das Heck des Serben (46). Und schon kurz darauf flogen die Fäuste.

Wie genau es dazu kam, darüber gehen die Schilderungen der Beteiligten allerdings weit auseinander.

Aggressionen auf beiden Seiten

"Er ist sofort aus dem Auto gestiegen, auf uns zugekommen und hat uns beschimpft", erzählt der 23-Jährige. Er und sein Beifahrer hätten daraufhin auch ihr schwer beschädigtes Fahrzeug verlassen, sich aber nur gegen die Attacken des Alkoholisierten gewehrt: "Ich habe ihn weggeschubst. Weil er so betrunken war, ist er umgefallen." Auch gegenüber den alarmierten Polizeibeamten sei der Serbe - 1,94 Promille wurden bei ihm gemessen - dann aggressiv gewesen.

Das hat der 46-Jährige allerdings ganz anders in Erinnerung. "Es tut mir furchtbar leid, ich weiß nicht, warum ich abgebremst habe", sagt er. Nach dem Zusammenstoß sei er nur ausgestiegen, um zu "schauen, ob den beiden eh nichts passiert ist". Doch er sei sofort brutal niedergeschlagen und am Boden liegend getreten worden. "Ich habe nur mehr mein Gesicht schützen können", behauptet der Serbe. Die Polizei zu rufen, sei ihm von den beiden Angreifern "verboten" worden, man habe ihm eine Zigarette aus dem Mund geschlagen und sich über den schwer Verletzten lustig gemacht: "Sie haben auch meine Mutter beschimpft. Es war eine Demütigung für mich."

Schwere Verletzungen

Fakt ist: Der 46-Jährige erlitt einen doppelten Kieferbruch und mehrere Prellungen. "Ich habe 22 Schrauben im Kiefer und Platten", erzählt er vor Gericht. Drei Monate Krankenstand seien die Folge gewesen. Vorerst. Denn: "Ich muss noch einmal operiert werden. Der Arzt sagt, alle meine Zähne müssen raus", behauptet er.

Verletzungen, mit denen die beiden jungen Wiener - ein Österreicher und ein Russe - allerdings nicht das Geringste zu tun haben wollen. "Er war schwer betrunken, vielleicht ist er vor dem Unfall schon in eine Schlägerei geraten", mutmaßt der Verteidiger eines der beiden. "Sie haben sofort die Polizei gerufen, das hätten sie doch nicht getan, wenn sie den Mann gerade so schwer verletzt hätten." Zahlreiche weitere Fahrzeuglenker seien stehen geblieben und hätten die Szenen beobachtet.

Haftstrafe für Alkolenker

Zur Ladung weiterer Zeugen wird der Prozess gegen die beiden Wiener vertagt. Der vorbestrafte Serbe wird zu vier Monaten Gefängnis verurteilt - nicht rechtskräftig.

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