"Natur statt Handy": 30 Jahre Nationalpark-Institut Petronell
Bei Bootsexkursionen wird Besuchern die Natur im Nationalpark Donau-Auen näher gebracht.
Die Idee wurde 1996 unter Bernd Lötsch als Generaldirektor des Naturhistorischen Museums Wien geboren. Eine neue Abteilung "Ökologie und Umweltbildung" sollte Bemühungen zum Schutz der Natur, der Landschaft und der Artenvielfalt vermitteln.
Seit nunmehr 30 Jahren tut man dies am Standort Petronell im Bezirk Bruck an der Leitha – aktuell integriert in der Abteilung Wissenschaftskommunikation des Naturhistorischen Museums.
Herzstück des Nationalpark-Instituts ist das komplett autarke Ökohaus, das bereits 1996 Lehrbeispiel für nachhaltiges Bauen wurde: "Gebäuderecycling" statt Deponieschutt, Erhaltung der Grundmauern samt Trockenlegung und eine "Schönheitskur" verwandelten den Altbau in ein typisch pannonisches Haus.
Ranger-Ausbildung
Im Laufe der Jahre wurde es zur führenden Institution in Fragen der Freilandpädagogik für Schul- und Hochschulprojektwochen, rund 2.000 Gäste zählt die Außenstelle Petronell jedes Jahr. Aber auch zur Ausbildung von Nationalpark-Naturführern - "Ranger" genannt - in den Donau-Auen. All das passiert in enger Partnerschaft mit der Nationalpark-Verwaltung in Orth/Donau.
Am Rande der Petroneller Au wurde eine beispielhafte Feldstation ausgebaut: ein Forschungs- und Exkursionsstützpunkt für Arbeiten zu Lande und zu Wasser, eine Kursstätte für die Ausbildung für Naturführern, ein Schulungsort für Lehrer und ihre Schüler auf rund 2.400 Quadratmetern. Highlight sind die Schlauchbootexkursionen auf der Donau. Hier können Schulklassen ebenso wie Entscheidungsträger von heute im Rahmen von Exkursionen und Projekttagen direkte Erfahrungen mit Tieren und Pflanzen in der freien Natur machen.
"Europaweit Vorbild"
Wichtigstes Ziel sei es, "Stadtmenschen für die Wildnis zu begeistern, ohne dabei empfindliche Naturzonen zu gefährden", sagte Edith Klauser, Generaldirektorin des Nationalparks Donau-Auen, anlässlich des Festaktes zum 30-jährigen Bestehen des Instituts in Petronell - begleitet von Froschquaken aus der nahen Au. "Hier kann man Natur unmittelbar mit allen Sinnen erleben, also nicht über einen Handybildschirm."
Man vereine "Forschung, Bildung und Naturerlebnis in der letzten großen Flussauenlandschaft Mitteleuropas". Diese sei wichtiger Rückzugsort für zahlreiche gefährdete Tierarten. Man gelte "europaweit als Vorbild" und sei bemüht, laufend neue Formen der Wissensvermittlung zu schaffen.
Von links: Edith Klauser, Generaldirektorin des Nationalparks Donau-Auen, Claudia Roson, Leiterin des Standorts Petronell, Bernd Lötsch, ehemaliger Museums-Generaldirektor von 1994 bis 2009, und Katrin Vohland, Generaldirektorin des Naturhistorischen Museums.
Katrin Vohland, Generaldirektorin und wissenschaftliche Geschäftsführerin des Naturhistorischen Museums, würdigte ihren Vorgänger Bernd Lötsch: "Man braucht Vordenker und Visionäre, Lötsch ist ein solcher. Er hat es geschafft, andere von seiner Idee zu überzeugen." Das Naturpark-Institut sei wichtig in der Bildung von Schülern, aber auch von Lehrern. Zunehmend sei man mit Anpassungen an die Auswirkungen des Klimawandels beschäftigt, betonte Vohland: "Ein Naturpark ist dafür natürlich ganz besonders wichtig."
Und sie kündigte an: "Ich möchte das Institut gerne näher an unser Museum und an die Forschung heranführen."
Der Nationalpark Donau-Auen bietet zahlreichen Arten ein Zuhause, darunter etwa mehr als 800 Arten höherer Pflanzen, 39 Säugetier- und rund 100 Brutvogelarten, 67 Fischarten und 2.480 nachgewiesenen Insektenarten.
Die Außenstelle des Naturhistorischen Museums Wien in Petronell bietet ganzjährig Exkursionen in diese Naturlandschaft an. Im Mittelpunkt steht das selbstständige Entdecken. Besucher werden zum eigenständigen Umgang mit der Natur geführt - bei Wanderung entlang der Donau-Altarme oder bei Schlauchbootexkursionen.
Biologisch geschulte Au-Ranger begleiten Kinder und Jugendliche beim Erforschen der Autümpel mit Kescher und Mikroskop oder bei Tierbeobachtungen.
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