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Streunerkatzen in NÖ: Debatte um verpflichtende Kastrationen

Gegen Tierleid: Eine Petition mit mehr als 7000 Unterschriften will Gemeinden bei der Kastration von Streunerkatzen in die Pflicht nehmen.
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Streunerkatzen streifen vor allem in den ländlichen Gegenden Niederösterreichs durch die Gemeinden. Sie leiden oftmals an Unterernährung, Kälte sowie Krankheiten und haben eine Lebenserwartung von maximal vier bis fünf Jahren. Eine Kastration kann den Katzen das Leben erleichtern.

Maßnahme gegen Tierleid

„Werden Streunerkatzen nicht kastriert, so vermehren sie sich unkontrolliert massiv. Sie können schwere Krankheiten weitergeben, nicht nur an andere Streunerkatzen, sondern auch an die Hauskatzen von Bürgerinnen und Bürgern“, erklärt NÖ-Tierärztekammer-Präsident Berhard Kammerer gegenüber dem KURIER. 

Katzen vermehren sich zwei bis dreimal pro Jahr und bekommen jeweils 4-6 Jungen. Gerade Streunerkatzen, die oftmals schwach und krank sind, setzen so unzählige weitere kranke Katzen in die Welt. Ein Kreislauf des Tierleids entsteht. „Das Land Niederösterreich und die Tierärztekammer haben deshalb vergangenes Jahr eine Kastrationskampagne gestartet, gegen Tierleid“, so Kammerer. 

Ziel der Kampagne „Kastriere 1, rette 100“  sei es, möglichst viele Gemeinden zur freiwilligen Mitwirkung an den Streunerkatzen-Kastrationen zu gewinnen und die Übernahme von Tierschutzverantwortung vor Ort zu gewährleisten, heißt es aus dem Büro der für Tierschutz zuständigen Landesrätin Susanne Rosenkranz.

Laut einer kürzlich gestarteten Petition mit knapp 10.000 Unterschriften greift dieser Ansatz jedoch zu kurz. Man müsse die Gemeinden verpflichten, an dem Kastrationsprojekt teilzunehmen, denn zu viele würden sich bislang aus budgetären Gründen weigern. Die Initiatorin der Petition, Gabriele Drechsler, sieht daher seitens des Landes dringenden Handlungsbedarf. Ihrer Ansicht nach stößt das beim Land NÖ allerdings auf taube Ohren. 

Ein Problem der Zuständigkeit

Gemäß der Tierhaltungsverordnung gibt es in Österreich eine Kastrationspflicht für alle Freigängerkatzen - bei Streunerkatzen steht das Land allerdings vor einem Problem: „Streunerkatzen gehören niemandem, daher kann auch niemand zur Kastration eines Streuners verpflichtet werden“, betont Rosenkranz gegenüber dem KURIER. 

Trotzdem sei es dem Land wichtig, mehr Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen, weshalb man vergangenes Jahr mit der Kastrationsaktion begonnen habe. 

Kosten für Land und Gemeinden

Viele Freigängerkatzen sind gechipt und lassen sich vom Tierarzt als Haustiere identifizieren. Sehen Bürgerinnen oder Bürger eine vermeintlich streunende Katze auf der Straße, sollen sie diese zu einem Tierarzt bringen und vorerst kontrollieren, ob sie gechipt ist. Handelt es sich tatsächlich um eine Streunerkatze, können sie diese kastrieren lassen und im Anschluss wieder an den Auffindungsort zurückbringen. 

Die Kosten für eine Streunerkatzen-Kastration betragen je nach Tierklinik 60 bis 80 Euro und werden zu zwei Dritteln vom Land und zu einem Drittel von den Gemeinden getragen - so zumindest das Vorhaben der Kastrationskampagne. In der Praxis ist das aber nicht so einfach. Man könne schließlich nur an die Gemeinden appellieren zu zahlen, da eine gesetzliche Grundlage mangels Zuständigkeit fehle, so Rosenkranz.

90.000 Euro für Kastrationen

Auch wenn das Projekt auf Freiwilligkeit beruht, soll sich die Wirksamkeit der Aktion laut dem Pressesprecher der Landesrätin bereits in den Zahlen niederschlagen: Im Jahr 2025 wurden bisher 1.239 Tiere kastriert und seitens des Landes NÖ fast 90.000 Euro in das Projekt gesteckt. Zu den aktivsten Gemeinden mit 40 bis 70 Kastrationen pro Jahr zählen beispielsweise Obritzberg in St. Pölten oder Ebergassing in Bruck an der Leitha. 

„Niederösterreichs Tierärzte sind ebenfalls erheblich an der Kastrationsaktion beteiligt“, erklärt der Präsident der Tierärztekammer im Gespräch, „bei der Kastration von Streunerkatzen verzichten sie auf einen erheblichen Anteil ihres Honorars.“ 

Die Tierärztekammer unterstützt zusätzlich aber auch das Vorhaben der Petition. „Ich denke, dass die Petition wichtig ist und glaube auch, dass im nächsten Förderzeitraum eine Lösung im Haus stehen wird“, so Kammerer. Entgegen der Meinung der Initiatorin der Petition spricht der Präsident der Tierärztekammer allerdings von erheblichen Bemühungen des Landes Niederösterreich: „Das Land macht hier schon viel, ich sehe es nicht so, dass die da auf stur stellen.“ 

Wichtig sei vor allem, persönlich an die Gemeinden heranzutreten und auch in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit für das Leid von Streunerkatzen zu erregen. 

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