Chronik | Niederösterreich
30.08.2018

18 Jahre Haft für Geisel-Gangster

Haftstrafe für Raubüberfall fiel wegen der kriminellen Vorgeschichte sehr hart aus. Geständnis kam erst zum guten Schluss.

Bereits 1978, im zarten Alter von 15 Jahren, bekam Thomas P. seine erste Vorstrafe wegen Diebstahls aufgebrummt. In dieser Manier ging es weiter. Bis 1988 folgten Verurteilungen und mehrjährige Haftstrafen wegen Körperverletzung, Einbruchsdiebstählen und schweren Raubs. 1995 streckte der Schwerkriminelle bei einer Geiselnahme in Wien den Wiener Neustädter Polizisten Herbert Koch mit mehreren Schüssen aus nächster Nähe nieder. Der Beamte überlebte nur knapp, P. kam wegen absichtlich schwerer Körperverletzung und schweren Raubs mit 15 Jahren davon.

Weniger gnädig war am Donnerstag das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Birgit Borns am Landesgericht Wiener Neustadt mit dem Schwerkriminellen. Angesichts seines Vorlebens und der Skrupellosigkeit, mit der er vorging, setzte es für den 55-Jährigen 18 Jahre Haft (nicht rechtskräftig) für einen bewaffneten Raubüberfall auf ein Postpartnerbüro vergangenen Oktober in Breitenfurt im Bezirk Mödling.

Es ist den Raubermittlern des nö. Landeskriminalamtes zu verdanken, dass der Serientäter zum wiederholten Male gefasst werden konnte. Thomas P. konnte mittels DNA-Spuren und Fingerabdrücken am Tatort, am Fluchtfahrzeug und an der Kleidung des Opfers der Tat ausgeforscht werden.

Waffe angehalten

„Ich blas’ dir das Gehirn raus“. Mit diesen Worten hielt der Räuber dem 26-jährigen Post-Angestellten Florian S. beim Überfall in Breitenfurt eine Waffe an den Kopf. „Seine Absichten waren für mich klar. Geld oder Leben. Ich habe am ganzen Körper gezittert“, schilderte das Opfer am Donnerstag noch immer sichtlich gezeichnet die traumatischen Minuten. Das Geschehene lässt sich für den jungen Mann nur schwer verarbeiten. „Er hat die Stimme verstellt, als ob er heiser wäre. Diese Stimme habe ich immer wieder im Schlaf gehört, bis ich aufgewacht bin“, sagt das Opfer. Die Richterin empfahl den jungen Mann, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Schilderungen ließen den Angeklagten scheinbar unberührt. Der 55-Jährige war beim Prozess nur mehr ein Schatten seiner selbst. Weil er seit seiner Inhaftierung im Oktober im Hungerstreik ist, hat der einstige Hüne und Türsteher mehr als 20 Kilo abgenommen. Er leugnete die gesamte Verhandlung über jeden Zusammenhang mit der Tat. Erst als die Richterin das Urteil sprechen wollte, gestand der 55-Jährige schließlich.