17-Jähriger wegen Mordes angeklagt

Die Bluttat wurde in Weigelsdorf auf gerichtliche Anordnung nachgestellt. Georg O. demonstrierte aus seiner Sicht, was sich zugetragen hat
Foto: Thomas Lenger

Im Bezirk Baden starb im März ein Jugendlicher durch 14 Messerstiche. Die Verteidigung plädiert auf Notwehr.

Die Staatsanwaltschaft Wr. Neustadt glaubt nicht an die Notwehr-Version. Sie bringt nach den tödlichen Messerstichen von Weigelsdorf, Bezirk Baden, den 17-jährigen Georg O. wegen vorsätzlichen Mordes vor den Jugendrichter. Vor wenigen Tagen wurde die Anklageschrift fertiggestellt. Der grauenvollen Bluttat im März dieses Jahres folgten Morddrohungen gegen die Familie von Georg O. Der 17-Jährige wurde in der Haft zusammengeschlagen und auf Antrag von Verteidigerin Evamaria Sluka-Grabner in die Jugendstrafanstalt Gerasdorf verlegt. Die Mutter des Burschen ist mit den Nerven am Ende, sie und ihr Mann haben noch eine kleine Tochter großzuziehen. Was genau sich am Morgen des 27. März auf dem Feldweg abgespielt hat, dafür haben auch sie keine Erklärung.

Laut Anklageschrift soll Georg, seinen gleichaltrigen Bekannten, Stefan Sch., mit 14 Messerstichen in den Brust- und Schulterbereich, sowie in Kopf und Rücken getötet haben. Die Tatwaffe war ein 14 Zentimeter langes Küchenmesser. Mordermittler und die Staatsanwältin haben keine Zweifel daran, dass der 17-Jährige seinen Kontrahenten vorsätzlich töten wollte. Stefan Sch. hatte seinen Freund kurz vor der Bluttat bei der Polizei verpfiffen, weil dieser eine Scheibe eingeschlagen hatte. Außerdem sei eine SMS an einen Freund, in der O. die Tat ankündigte, ein eindeutiger Beweis.

Dem widerspricht Verteidigerin Sluka-Grabner. Sie will vor Gericht beweisen, dass das spätere Opfer zuerst das Messer hatte und auf Georg O. losging. "Mein Mandant hat mit dem Handy ein Foto gemacht das zeigt, wie sein Bekannter kurz vor dem Zwischenfall mit dem Messer herumhantiert. Dieses Foto scheint aber nicht im Ermittlungsakt auf", erklärt die Strafverteidigerin.

Fast taub

Sluka-Grabner will das Mobiltelefon ihres schwer gehörgeschädigten Mandanten noch einmal kriminaltechnisch untersuchen lassen. Weiters stützt sich die Verteidigung darauf, dass der Verdächtige unter dem Einfluss des als brutal bekannten Stefan Sch. gestanden hat. "Es gibt eindeutige Aussagen, dass mein Mandant von ihm unterdrückt wurde. Er hat die Drohungen Ernst genommen und sich gefürchtet", sagt Sluka-Grabner. Der Prozess findet im Herbst statt.

(kurier) Erstellt am
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