So präsentierte sich die Kärntner Straße in Wien vor hundert Jahren

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Jubiläum
01/01/2022

100 Jahre Trennung

Mit der Trennung vor 100 Jahren wurden Wien und Niederösterreich zwei eigenständige Bundesländer. Gefeiert wird dieser historische 1. Jänner 1922 auf recht unterschiedliche Weise

von Martin Gebhart, Christoph Schwarz

Es war die politische Konfrontation zwischen den Christlichsozialen und den Sozialdemokraten gewesen, die dazu führte, dass Wien und Niederösterreich nun seit exakt 100 Jahren eigenständige Bundesländer sind. Während man in Wien nicht wollte, dass mithilfe der Landbevölkerung die Christlichsozialen dominieren, fürchtete man in Niederösterreich die Dominanz der Sozialdemokraten in der Hauptstadt. Diese hatten auch die Oberhand und errangen 1919 bei den ersten demokratischen Wahlen nach dem Ersten Weltkrieg die absolute Mehrheit. Es war dies das einzige Mal, dass mit Albert Sever ein roter Landeshauptmann in NÖ regierte.

1920 wurde schließlich die Trennung beschlossen, mit dem 1. Jänner 1922 war sie dann Realität. Wobei es weitere 64 Jahre dauerte, dass NÖ komplett aus Wien auszog und mit St. Pölten 1986 eine eigene Landeshauptstadt erhielt.

Niederösterreich feiert

Wenn heute am Abend des Neujahrstages Alfred Eschwé das Neujahrskonzert mit den NÖ Tonkünstlern im Festspielhaus in St. Pölten dirigiert, dann ist das auch gleich die erste Veranstaltung, die unter dem Jubiläum „100 Jahre Niederösterreich“ steht. Der 1. Jänner 1922 war der erste Tag gewesen,  an dem sich  Niederösterreich als eigenständiges Bundesland bezeichnen konnte. Deswegen ist das traditionelle Neujahrskonzert auch der Auftakt zu etlichen Kulturveranstaltungen, mit denen man die Trennung von Wien feiert. Dafür gibt es auch eine Jubiläumsgabe des Bundes in Höhe von neun  Millionen Euro. Das Motto, das im Vorfeld von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ausgegeben worden ist: „Begehen wir gemeinsam ein Jubiläumsjahr zum 100-jährigen Bestehen unseres Bundeslandes mit Blick nach vorne.“

Diese 100 Jahre sollen auch geschichtlich aufgearbeitet werden. So wird im Februar die Wanderausstellung „Niederösterreich – 100 Jahre/Orte/Ereignisse“ eröffnet, die in Schulen und öffentlichen Gebäuden gezeigt wird. Im Mai wird die „lange und nicht immer einfache Beziehung zwischen Wien und Niederösterreich“ in Form eines Themenrundgangs im Haus der Geschichte in St. Pölten erzählt.

Bereits am 25. Jänner werden  jene zwei Herren im Rahmen des „Zeitzeugen-Forums“ im Haus der Geschichte Rede und Antwort stehen, deren Namen wie keine anderen für die wechselvolle Beziehung der beiden Bundesländer stehen: der niederösterreichische Ex-Landeshauptmann Erwin Pröll und der Wiener Ex-Bürgermeister Michael Häupl. Sie hatten nach dem Auszug der blau-gelben Landesregierung nach St. Pölten die letzten Trennungsschmerzen zwischen Wien und Niederösterreich beseitigt, indem sie in einer langen Nacht per Handschlag die Aufteilung der Immobilien fixierten. NÖ konnte  in der Herrengasse das Palais NÖ behalten. Die Stadt Wien erhielt alle anderen Stadtimmobilien der NÖ Landesregierung. Dieser Handschlag zwischen Pröll und Häupl leitete auch eine neue Beziehung zwischen den beiden Bundesländern ein – abseits jeglicher Parteizugehörigkeiten.

Im Juni sind anlässlich 100 Jahre Trennung noch Feste in allen Bezirkshauptstädten geplant, alle an einem Tag.

Wien wartet noch

Fast könnte man meinen, die Wiener hätten keinen Grund zu feiern: Anders als im benachbarten Niederösterreich laufen die Vorbereitungsarbeiten für das Jubiläum in Wien noch nicht auf Hochtouren. Man habe das Thema auf der To-do-Liste, aber eben nicht ganz oben, heißt es auf KURIER-Nachfrage aus dem Wiener Rathaus. Man fokussiere derzeit lieber auf die Pandemiebekämpfung. Nachsatz: Und eine Wahl stehe, anders als in Niederösterreich, auch nicht bevor...

Im Vorfeld freilich klang das anders. Da nämlich ging die Stadt in Sachen Finanzierung mit dem Bund auf Konfrontationskurs. Die sogenannte „Jubiläumsgabe“, die der Bund einem Bundesland zum runden Geburtstag üblicherweise schenkt,  sei an Niederösterreich ausgezahlt worden, nicht aber an Wien, kritisierte man  noch im Oktober. Antwort aus dem Bund: Wien habe ja auch nicht um das Geld angefragt.

Im  November gab es das vorzeitige Geschenk in Höhe von neun  Millionen Euro aus dem Bund dann doch. Dass auch in Wien 2022 noch eine Überraschungsparty steigen wird, davon ist also auszugehen.

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