Chronik
15.09.2017

"Kaufen wir eine Burg, Papi"

Logistikunternehmer will aus historischem Gemäuer Eventlocation machen.

Zehn Jahre lang war die Burg Greifenstein (NÖ) herrenlos. Bäume und Gestrüpp wucherten ungestört. "Jetzt holen wir sie aus dem Dornröschenschlaf", sagt der neue Besitzer Ernst Strobl. Er nimmt einen etwa zwanzig Zentimeter langen, geschwungenen Schlüssel aus seiner Tasche und sperrt das massive Burgtor auf. "Vor ein paar Tagen stand plötzlich ein Minnesänger vor der Tür. So etwas passiert einem also jetzt als Burgherr", sagt Strobl lachend.

Strobl hat die historische Immobilie in St. Andrä-Wördern Ende Juni um 2,5 Millionen Euro gekauft. 500 Quadratmeter Wohnfläche und 16 Hektar Wald gehören nun ihm. "Meine Tochter ist auf das Inserat aufmerksam geworden. Sie war auf Immobiliensuche und hat mir dann den Link gezeigt und gefragt: Oder kaufen wir eine Burg, Papi? So kam eins zum anderen", erzählt Strobl. Er selbst hat vor 32 Jahren seine Promotion auf der Burg gefeiert. "Ich hab sie ein Wochenende lang gemietet und mit 200 Freunden eine heftige Party veranstaltet. Ich verbinde also durchaus Gutes mit der Burg", erinnert er sich. Als er mit der Maklerin dann die Burg besichtigte und sie auf der Turmspitze standen, mit Aussicht über die Donau bis zum Ötscher, war es für Strobl klar, dass er sich verliebt hatte und sagte: "So, jetzt wird es ernst."

Strobl, der aus der Logistikbranche kommt und mehrere Unternehmen leitet, wohnt in Wien und möchte selbst nicht auf der Burg aus dem 12. Jahrhundert residieren. Er will sie als Eventlocation etablieren, die für Business- und Kulturveranstaltungen, Buchausstellungen und auch Hochzeiten dienen soll. "Man muss da immer mit dem Denkmalschutz aufpassen und eng zusammenarbeiten, aber ich denke, wenn man die Substanz erhält und den Ort verbessert, dürften meine Änderungen kein Problem sein", sagt Strobl. "In Österreich gibt es so viel historisches Kulturgut. Ich finde es wichtig, dass es erhalten bleibt und dafür muss man auch etwas tun. Früher waren es Bischöfe, heute sind es Unternehmer und Organisationen, die das übernehmen müssen", meint er.

Infrastruktur herstellen

Die vergangenen drei Wochen wurden Bäume geschlägert. "Die Burg muss wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden. Im Mittelalter versperrten auch keine Bäume die Sicht vor den Fenstern. Im Gegenteil, die freie Sicht wurde gebraucht, um Feinde zu sehen und dann Pech runterzuwerfen", sagt Strobl. Im Herbst soll an der Infrastruktur gearbeitet werden, im Frühjahr soll dann die Haustechnik folgen, bisher gab es weder Kanal- noch Gasanschluss. Im Sommer soll mit den Glaselementen, die Strobl etwa im ehemaligen Restaurant für eine bessere Aussicht plant, begonnen werden. Insgesamt gibt er sich rund zwei Jahre für die Sanierung und rechnet noch einmal mit einem sechsstelligen Betrag, den er investieren muss. Der Knappensaal soll am Ende zu einer Disko umfunktioniert werden, die Kapelle soll in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden, der Gerichtsraum soll in einen britischen Herrensalon umgewandelt werden und die Romantikzimmer sollen zu Hochzeitssuiten werden. Auch das düstere Verlies, in das früher Verurteilte aus acht Metern Höhe geworfen wurden, soll langfristig für das neue Konzept genutzt werden.

Für Besucher soll die Burg zwei Mal pro Jahr öffentlich zugänglich gemacht werden: "Es wird aber keine Schauräume mit Ritterpuppen geben, sondern eine schöne Eventlocation."