Überwachung: Kameras werden wieder abgebaut

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Foto: KURIER/Dominik Schreiber Videoüberwachung beim Praterstern

In Wien wurden an insgesamt 17 Standorten solche Überwachungskameras errichtet. Was bisher unbekannt war: 15 wurden in den vergangenen drei Jahren still und heimlich wieder abgebaut.

Nach den aktuellen Terror-Ermittlungen ertönt aus der Politik und der Bevölkerung wieder sehr rasch der Ruf nach mehr Überwachungskameras. Diese mechanischen Augen werden gerne als das Allheilmittel gegen Kriminalität und Anschläge angesehen. So eine Forderung gab es auch vor einigen Jahren schon in Österreich. In Wien etwa wurden deshalb an insgesamt 17 Standorten solche Geräte errichtet, vom Karlsplatz über den Westbahnhof bis zum Schwedenplatz.

Was bisher unbekannt war: 15 wurden in den vergangenen drei Jahren still und heimlich wieder abgebaut – wegen zu geringem Nutzen. Gerade einmal an zwei Standorten (Stephansplatz und Schwedenplatz) sind sie noch in Betrieb, am Praterstern steht derzeit rund um die Uhr der eigentlich mobile Kamerawagen der Polizei. Aus 17 Kameras wurden also drei.

Teuer und wenig Nutzen

"Eine Kamera zu betreiben ist teuer, alleine das Gerät kostet 20.000 Euro, es muss sogar beheizt werden", erklärt Walter Hladik von der Wiener Polizei. Nun wurden die meisten Kameras altersschwach, der Wunsch nach neuen Geräten war wenig ausgeprägt, nur an den beiden Standorten werden sie demnächst modernisiert. "Es gibt keine Aufzeichnungen, die Kameras müssten also ständig mit Personal besetzt werden", erklärt Hladik.

Schon aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung im Jahr 2013 ging hervor, dass die Anlagen in Wien, Graz oder Linz wenig Nutzen brachten. In Linz wurden stolze 1200 Euro monatlich dafür ausgegeben, um am Hinsenkammplatz die Kriminalitätsrate von einer Straftat pro Jahr auf keine zu senken.

"Man kann die Kriminalität mit Überwachungskameras im besten Fall etwas lenken", sagt Kriminalsoziologe Norbert Leonhardmair vom Institut Vicesse. "In einem abgeschlossenen Bereich wie einem Parkhaus gibt es einen Rückgang, dafür werden dann eben auf der Straße Autos aufgebrochen."

Brennpunkt Praterstern

"Am Praterstern waren schon immer Kameras der Wiener Linien installiert, dennoch gab es dort Probleme. Die sind nun erst zurückgegangen, seit unser gut sichtbares Fahrzeug dort steht", sagt Hladik. Das hat aber seinen Preis, das Auto muss rund um die Uhr mit Personal bestückt werden. Das betont auch Leonhardmair: "Die Kapazitäten, das alles zu analysieren, das ist die Herausforderung." Es gibt Fälle, bei denen einzelne Polizisten tage- und sogar wochenlang nur Videoaufnahmen durcharbeiten müssen.

Die Wiener Polizei kann aber auch auf 58 Verkehrskameras des Magistrats und 66 Asfinag-Kameras zugreifen. Dies wird allerdings nicht zur Ausforschung von Kriminellen oder Terrorverdächtigen genützt, weil keine Nummerntafeln erkennbar sind, sondern nur etwa bei Demonstrationen oder Großveranstaltungen, um die Verkehrsströme zu beobachten.

(kurier) Erstellt am
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