Karawankentunnel: Neue Röhre nach 7 Jahren Bauzeit offen

In Neubau und Sanierung wurden rund 570 Millionen Euro investiert. Bis 2029 werden Kfz zweispurig im Gegenverkehr durch die neue Röhre geführt.
Beleuchtete Tunnelröhre ohne Autos

Zusammenfassung

  • Neue Oströhre des Karawankentunnels nach sieben Jahren Bauzeit eröffnet, Verkehr wird schrittweise umgelegt.
  • Generalsanierung der alten Weströhre startet, Vollausbau mit getrennten Fahrtrichtungen und modernster Sicherheit ab 2029.
  • Gesamtkosten für Bau und Sanierung rund 570 Millionen Euro, Maut bleibt bei 9 Euro pro Pkw.

Nach mehr als sieben Jahren Bauzeit ist am Mittwoch die neue Röhre des Karawankentunnels eröffnet worden. Der rund acht Kilometer lange Grenztunnel verbindet die Karawankenautobahn (A11) südlich von Villach mit dem slowenischen Autobahnnetz, konkret mit der Avtocesta 2 nach Ljubljana.

Die nächsten Jahre wird der Verkehr in der neuen Röhre - wie bisher in der alten - zweispurig im Gegenverkehr geführt. Erst ab 2029, wenn die alte Röhre generalsaniert ist, soll sich das ändern.

Nach der Verkehrsfreigabe beginnen laut Autobahnbetreiber Asfinag die Vorbereitungen für die Verkehrsumlegung. Ab 20. März soll der Verkehr in Richtung Norden in der neuen Oströhre fließen, spätestens eine Woche später wird auch der Verkehr aus Österreich in Richtung Slowenien von der bestehenden Weströhre auf die neue verlegt und dort im Gegenverkehr geführt.

Wie viel investiert wurde

In den Neubau des österreichischen Abschnitts hat die Asfinag 191 Millionen Euro investiert, die Generalsanierung der alten Röhre kostet weitere 123 Millionen. Der Vollausbau inklusive Generalsanierung kostet Asfinag und das slowenische Pendant Dars rund 570 Millionen Euro. Die EU hat das Projekt mit 3,35 Millionen Euro für die Planung und 9,4 Millionen Euro für den Bau gefördert.

Die Bauzeit der neuen Oströhre hat sich etwas verzögert. Slowenien hatte Probleme mit der Auftragsvergabe, außerdem waren die Baubedingungen hydrogeologisch herausfordernd, besonders auf slowenischer Seite.

1,5 Millionen Tonnen Gestein

Auf österreichischer Seite war der Tunnel, errichtet von der ARGE Swietelsky Tunnelbau GmbH & Co KG und Swietelsky Baugesellschaft m.b.H., im Herbst 2023 baulich fertig. Als Tunnelausbruch fielen allein für den österreichischen Abschnitt 1,5 Millionen Tonnen Gestein an. Die Bergwässer - pro Sekunde fließen 600 Liter - werden in einem Kleinwasserkraftwerk zur Stromversorgung des Tunnels genutzt.

Seit Mitte 2025 wurden die Sicherheitseinrichtungen hinzugefügt. Die neue Oströhre hat alle 330 Meter Querverbindungen zur alten Röhre, die als Fluchtwege dienen. Im Vollausbau wird der Karawankentunnel bezüglich Sicherheit auf dem neuesten Stand sein, heißt es, ebenso Lüftung, Beleuchtung, Verkehrssensorik und Videoanlage.

Umschalten auf temporären Gegenverkehr

Im Fall einer Störung, etwa eines Unfalls, werde innerhalb weniger Minuten auf temporären Gegenverkehr umgeschaltet. Dazu werden an den Vorportalen automatisch schwenkbare Betonleitwände installiert.

Mit dem Vollausbau sollen Staus und Blockabfertigung der Vergangenheit angehören. Asfinag-Vorstand Hartwig Hufnagl: "In wenigen Jahren wird dieses Nadelöhr zwischen Österreich und Slowenien Geschichte sein. Mit dem Vollausbau enden die Staus, die es auf der dieser Strecke immer wieder - vor allem im Sommer - gegeben hat. Die neue Tunnelröhre, die wir heute freigeben, ist der erste Schritt dafür."

 Für die Benützung des Karawankentunnels ist Maut zu entrichten. An den aktuell 9 Euro pro Pkw soll sich, von Indexanpassungen abgesehen, nichts ändern.

Tunnel war auch Kriegsschauplatz

Der bisherige Karawankentunnel, die Weströhre, wurde von 1986 bis 1991 errichtet. Kurz nach der Eröffnung wurde der Tunnel zum Kriegsschauplatz. Im slowenischen Zehn-Tage-Krieg im Juni 1991 besetzten Einheiten der jugoslawischen Volksarmee kurzzeitig den Tunnel, es gab Gefechte, Kampfjets beschossen das Südportal. Nach wenigen Tagen nahmen Einheiten der slowenischen Territorialverteidigung den Grenzübergang wieder ein.

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