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Vergiftete Gänsegeier im Lesachtal: Eigentliches Ziel waren Wölfe

Analysen zeigen, dass zumindest drei der getöteten Vögel Rotwild im Magen hatten. WWF und BirdLife sehen darin ein Indiz für einen Giftanschlag auf geschützte Wildtiere.
Ein Gänsegeier fliegt mit ausgebreiteten Flügeln vor einem unscharfen Hintergrund.

Zusammenfassung

  • Neue Analysen zeigen, dass zumindest drei der im Lesachtal vergifteten Gänsegeier Rotwild gefressen hatten, was den Verdacht auf einen gezielten Giftanschlag erhärtet.
  • WWF und BirdLife vermuten, dass eigentlich Wölfe Ziel der mit dem verbotenen Pestizid Carbofuran ausgelegten Köder waren und die Geier zum "Kollateralschaden" wurden.
  • Seit Mitte April starben sechs Gänsegeier, ein weiterer überlebte, während die Polizei gegen unbekannte Täter wegen mehrerer Straf- und Verwaltungsdelikte ermittelt.

Im Fall mehrerer vergifteter Gänsegeier im Lesachtal in Kärnten und Osttirol haben neue Analyseergebnisse gezeigt, dass zumindest drei der Vögel Rotwild gefressen hatten.

Eigentliches Ziel: Wölfe

Wie WWF und BirdLife in einer Aussendung berichteten, erhärtet dies den Verdacht, dass die Gänsegeier einem "gezielten Giftanschlag gegen geschützte Wildtiere" zum Opfer gefallen sind. Konkret dürften demnach Wölfe das eigentliche Ziel der Täter gewesen sein. Die Polizei ermittelt wegen mehrerer Delikte.

Durchgeführt wurden die Genanalysen des Mageninhalts der Gänsegeier vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI).

Ein Kollateralschaden?

WWF-Expertin Christina Wolf-Petre: "Rotwild zählt zur Hauptbeute von Wölfen, die wiederholt Ziel von Vergiftungen gewesen sind. Daher liegt der Verdacht nahe, dass auch im Lesachtal Wölfe getroffen werden sollten." Ein gezielter Anschlag auf Geier sei zwar nicht auszuschließen, aber vieles deute darauf hin, dass sie in diesem Fall zum Kollateralschaden wurden, so Johannes Hohenegger, Greifvogelexperte bei BirdLife Österreich.

Anfang Juni wurde bekannt, dass ab Mitte April innerhalb weniger Wochen sechs Gänsegeier im Lesachtal in Kärnten und Osttirol am Pestizid Carbofuran gestorben sind. Ein weiterer betroffener Geier wurde lebend entdeckt und wieder aufgepäppelt.

Aus Naturschutzgebiet im Friaul

Carbofuran ist in der EU seit längerer Zeit verboten. Der Fall sorgt auch in Italien für Aufregung. Einer der toten Gänsegeier und der, der überlebt hatte, waren beringt und konnten somit eindeutig der Kolonie des Naturschutzgebiets Cornino in der Region Friaul-Julisch Venetien zugeordnet werden. Dort geht man davon aus, dass alle betroffenen Tiere zu der friulanischen Kolonie gehörten.

Die Polizei ermittelt in dem Fall wegen Tierquälerei, vorsätzlicher Schädigung des Tierbestandes, Eingriffs in fremdes Jagdrecht und mehrerer Verwaltungsdelikte gegen unbekannte Täter, sagte ein Behördensprecher auf APA-Anfrage.

Zum Stand der Ermittlungen gab es vorerst keine Auskunft.

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