Giftanschlag: Sechs Gänsegeier im Lesachtal verendet
Sechs Gänsegeier sind in den vergangenen Wochen im Lesachtal in Kärnten und Osttirol verendet. Analysen bestätigten den Verdacht von Giftanschlägen. Den toxikologischen Untersuchungen zufolge sind sie an dem Pestizid Carbofuran verstorben, das als Giftköder ausgelegt worden sein dürfte, wie Birdlife Österreich am Mittwoch mitteilte. Birdlife, WWF Österreich und die Vulture Conservation Foundation appellierten an die Bevölkerung, Hinweise zur Tat an die Polizei zu melden.
In den Gemeinden Untertilliach (Tirol) und St. Lorenzen (Kärnten) wurden seit dem 16. April 2026 innerhalb kurzer Zeit sechs Greifvögel tot aufgefunden. Ein weiterer war noch am Leben und wurde in der Auffang- und Pflegestation der Burg Landskron aufgepäppelt und dann wieder freigelassen. Man habe das Landeskriminalamt Kärnten verständigt, da so viele Tiere auf kleinstem Raum betroffen waren und eine natürliche Ursache unplausibel schien, wie Johannes Hohenegger, Greifvogelexperte bei Birdlife Österreich, schilderte.
Vergiftung durch Pestizid-Köder
Fünf Untersuchungen sind bereits abgeschlossen. Die Analysen der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Ludwig-Maximilians-Universität München ergaben bei ihnen allen als Todesursache eine Vergiftung mit Carbofuran - einem seit Längerem EU-weit verbotenen Pestizid. Die Tierschützer gehen nun von einem gezielten Giftanschlag auf die Wildtiere aus und sprechen von einem der schwersten bekannten Vergiftungsfälle in den vergangenen Jahren in Österreich.
"Wer Carbofuran auslegt, nimmt den Tod geschützter Wildtiere bewusst in Kauf. Sieben betroffene Gänsegeier in einem einzigen Tal sind ein schwerer Fall von Wildtierkriminalität", betonte WWF-Artenschutzexpertin Christina Wolf-Petre. Carbofuran ist ein Nervengift, das schon in geringsten Dosen für Vögel und Säugetiere tödlich wirkt. Der Wirkstoff, der lange als Insektizid ausgebracht wurde, ist in der EU seit 2008 verboten, doch immer wieder wird er illegal als Köder ausgelegt.
Wildtierkriminalität mit hunderten Tötungen
In Österreich wurden laut Birdlife in den vergangenen neun Jahren knapp 400 illegale Tötungen von Vögeln dokumentiert, darunter 81 geschützte Greifvögel, die durch Vergiftungen starben. Dies gehe aus den Auswertungen zum neuen Wildtierkriminalitätsbericht hervor, der letzte Woche von Birdlife Österreich und WWF Österreich veröffentlicht wurde. Darin sind Greifvögel zahlenmäßig die am stärksten betroffene Tiergruppe: Mehr als 80 Prozent aller dokumentierten Opfer waren Vögel, wobei Greifvögel darin einen zentralen Anteil einnehmen.
Österreich ist ein wichtiges Übersommerungsgebiet für den Gänsegeier (Gyps fulvus), der ein reiner Aasfresser ist. Jungvögel und Nichtbrüter aus den Brutgebieten Friauls (Italien) und der nordwestlichen Balkanhalbinsel fliegen mit Beginn der Almsaison ein und sorgen den Sommer über - gemeinsam mit Bart- und Mönchsgeier - für die Entsorgung von Wild- und Nutztierkadavern, wodurch sie wiederum die Ausbreitung von Krankheiten und Tierseuchen verhindern.
Hinweise erbeten
Birdlife Österreich, WWF Österreich und die Vulture Conservation Foundation baten die Bevölkerung, Hinweise zu den Taten an die Polizei zu melden. "Solche Taten haben das Potenzial, bedrohte Arten wieder an den Rand des Aussterbens zu bringen und jahrzehntelange Schutzbemühungen zu zerstören", verdeutlichte José Tavares, Direktor der Vulture Conservation Foundation - einer Organisation, die sich grenzüberschreitend für den Schutz der europäischen Geier einsetzt.
Verdächtige Beobachtungen können der Landespolizeidirektion Kärnten: +43 59 133 20 33 33 und der BirdCrime-Hotline: +43 660 869 2327 gemeldet werden. E-Mail: meldung@wildlifecrime.at, anonyme Meldeplattform: https://c07.aygonet.org/anonyme-meldeplattform-fuer-wildtierkriminalitaet/
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