Chronik 21.03.2018

Im Westen ist das Wohnen Luxus

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Platzmangel zwischen den Bergen, Tourismus und Urbanisierung heizen die Preise stetig an

Das Thema leistbares Wohnen war bereits in Salzburg im Rennen ums Bürgermeisteramt omnipräsent und ist es nun im Landtagswahlkampf erneut. In Tirol ist der Wahlkampf auf Landesebene bereits geschlagen, läuft jedoch für den Innsbrucker Gemeinderat gerade an. Eines der heißesten Eisen: leistbares Wohnen. Tirol gilt wie eben auch Salzburg als mitunter teuerstes Pflaster in Österreich.

Als Preistreiber sehen Experten da wie dort unter anderem das zwischen den Bergen knappe Bauland. In der Stadt Salzburg und der Umgebung ist laut Andreas Gressenbauer, Präsident des Salzburger Immobilienrings, Eigentum besonders gefragt. „Wir haben in Salzburg keine gebrauchten Wohnungen – und wenn doch, sind sie ganz rasch vergriffen“, sagt er.

Dabei liegen die Durchschnittspreisen bei 3380 Euro pro Quadratmeter für Bestandswohnungen. Im Mietbereich beobachte Gressenbauer hingegen leicht rückläufige Preise am freien Markt – 14 Euro pro Quadratmeter seien dort kaum noch durchsetzbar.

Zusagen der Politik, leistbaren Wohnraum zu schaffen, beurteilt er zumindest in der Stadt als „Scharlatanerie“. Denn: „Es gibt kaum einen Grund, daher kann man kein leistbares Wohnen versprechen.“ Für die gemeinnützigen Wohnbauträger gäbe es nämlich auch keine erschwinglichen Flächen.

Der Trend zur Urbanisierung ist längst kein Großstadtphänomen mehr. Das zeigt sich in Innsbruck, das als schnellst wachsende Landeshauptstadt gilt. Bei den Wohnungsmieten knackte Innsbruck 2017 die Marke von 16 Euro pro Quadratmeter im Mittelwert und ist damit laut immowelt.at teurer als alle anderen Landeshauptstädte. Die Werte beziehen sich zwar auf den freien Markt. Aber im sozialen Wohnbau herrscht Mangel. Derzeit stehen 2000 Personen auf der Warteliste für eine Stadtwohnung.

Städten in der Peripherie geht es im Bezug auf leistbares Wohnen nicht viel besser. Tirols SPÖ-Chefin Elisabeth Blanik hat als Bürgermeisterin der Bezirkshauptstadt Lienz einen Grundpreisdeckel eingezogen. In einer Gunstlage wird Freiland nur noch umgewidmet, wenn der Besitzer sich dazu verpflichtet, beim Verkauf maximal 350 Euro pro Quadratmeter zu verlangen.

„Ein Preisdeckel ist in Gemeinden schwierig durchzusetzen. Darum sollte das Land ihn vorschreiben“, sagt sie. Für die bereits 3000 Hektar brachliegenden Baugründe in Tirol ist es laut Blanik „höchst an der Zeit“ eine Bebauungspflicht einzuführen.

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Grafik: Solomon © Bild: Grafik

Spitzenreiter Kitzbühel

In Tirol treffen die niedrigsten Einkommen auf die höchsten Lebenshaltungskosten. Laut einer Auswertung von ImmobilienScout24 wird im Bundesland fast die Hälfte des Nettoeinkommens fürs Wohnen berappt. Spitzenreiter ist hier Kitzbühel (siehe Grafik). Die Stadt steht sinnbildlich für eine Problematik, mit welcher Westösterreich zusätzlich zu kämpfen hat. In Tourismusgemeinden feuert die Kauflust von reichen Ausländern die Preise an – zum Nachteil der Einheimischen.

( kurier.at ) Erstellt am 21.03.2018