Chronik
14.03.2013

Herausgerissene Türe auf der Westbahn nun auch bei den ÖBB

Zwei gefährliche Vorfälle rund um die Neubaustrecke im Tullnerfeld geben Rätsel auf.

Plötzlich war die Türe im letzten Waggon des Railjets fort. Das meterlange Metallstück blieb auf den Schienen liegen und der nächste Regionalzug knallte gegen 20.46 Uhr dagegen. Die zehn Insassen der Schnellbahn blieben glücklicherweise unverletzt. Da der Waggon wegen eines Problems mit der Stromversorgung gesperrt war, gab es keine Verletzten im Railjet.

Vor diesem Vorfall am 21. Februar hatte es auf der erst im Dezember eröffneten Neubaustrecke auf der Westbahn bereits drei Mal Probleme mit Türen gegeben.

Der Zwischenfall mit dem Railjet ereignete sich kurz vor dem Bahnhof Hütteldorf. Elf Tage zuvor hatte es bereits einen anderen Vorfall gegeben. Beim IC 866 aus Innsbruck war die Türe in der Tunnelkette im Tullnerfeld plötzlich aufgegangen. Zwischen zwei Tunnels fiel das einem Zugbegleiter auf, der die Tür sicherte. Der Intercity fuhr langsam zum Bahnhof im Tullnerfeld, der betroffene Waggon war dort zwei Wochen lang abgestellt.

Derzeit untersucht die Eisenbahnbehörde den Vorfall. Ursula Zechner, die zuständige Sektionsleiterin im Verkehrsministerium: „Es gibt umfangreiche Untersuchungen mit Lokalaugenscheinen und mit allem Pipapo. Bevor man Genaues dazu sagen kann, muss man die Ergebnisse der Untersuchungen abwarten“.

Bei den ÖBB sieht man keinen Zusammenhang mit den Problemen der WESTbahn im Dezember. Da sich in den Röhren durch die hohen Geschwindigkeiten (bis 230 km/h) extreme Druckwellen rund um die Züge aufbauen, hatten sich bei der privaten Bahn mehrere Türen verschoben – einige hingen nur noch an einem Verriegelungshaken.

Manipulation?

Laut ÖBB-Sprecherin Sarah Nettel sei nach einer Untersuchung eine Manipulation der Tür oder eine nicht sachgemäße Verriegelung für den Vorfall im Railjet verantwortlich. Beim Intercity könnte eine irrtümlich von einem Fahrgast betätigte Türnotveriegelung oder ein technisches Gebrechen die Ursache sein.

Dass dies alles gar nichts mit der Neubaustrecke zu tun hat, klingt zumindest unwahrscheinlich. Derartige Vorfälle hat es laut Zechner und ÖBB bisher noch nie gegeben. Es wäre wohl ein sehr großer Zufall, dass das ausgerechnet zwei Mal in diesem Bereich passiert.

Die Gefahr von High Speed im Tunnel

Wenn ein Hochgeschwindigkeitszug in einen Tunnel fährt, spüren Passagiere zwar einen kurzen Ruck, darüber hinaus aber passieren Dinge, an die man gar nicht denken würde: Der Zug schiebt die Luft, die sich im Tunnel befindet, vor sich her und verdichtet sie immer mehr. Darauf muss mit baulichen Maßnahmen bereits bei der Tunnelplanung und -ausführung eingegangen werden, so werden etwa extra Schächte zur Druckentlastung eingebaut, um einen zu großen und gefährlichen Überdruck zu verhindern.


Bei Geschwindigkeiten über 250 km/h kann es zum sogenannten Tunnelknall kommen, ähnlich dem Knall beim Überschreiten der Schallgeschwindigkeit. Mit dem Übergang vom Tunnel ins Freie entladen sich die aufgestauten Druckwellen schlagartig.