Chronik
03.01.2018

Gewalt in Spitälern: Kritik an Überwachung

Die Ärztekammer kritisiert den Einsatz von Video-Kameras in den Krankenhäusern.

Für Kontroversen sorgt der Einsatz von Videoüberwachung in Spitälern, um der wachsenden Zahl rabiater Patienten Herr zu werden. Wie berichtet, wird die zentrale Notaufnahme im Wiener Wilhelminenspital im Februar mit Kameras ausgestattet, um gewaltsame Übergriffe auf das Personal zu verhindern. Im AKH, im Krankenhaus Hietzing und im SMZ Süd sind solche Systeme schon seit längerem im Einsatz.

"Kameras sind keine geeigneten Maßnahmen gegen Gewalt, sie sind reine Symptombekämpfung", kritisiert Wolfgang Weismüller, Vizepräsident der Wiener Ärztekammer. "Das zunehmende Aggressionspotenzial hat auch mit den enorm langen Wartezeiten in den Notaufnahmen zu tun, weil diese personell unterversorgt sind." Hinzu komme, dass nach wie vor zu viele Patienten in den Ambulanzen landen würden, die dort nicht hingehören, weil die Versorgung außerhalb der Spitäler mangelhaft sei.

Möglicher Missbrauch

Weismüller befürchtet zudem, dass die Kameras auch dazu missbraucht werden könnten, das Personal besser zu überwachen. "Wir werden uns diese Thematik genau anschauen", kündigt er an.

Entspannter sieht den Einsatz der Kameras Heinrich Schneider, Betriebsrat im Wilhelminenspital: "Die Anbringung von Kameras sind eine wichtige zusätzliche Maßnahme, um die Hemmschwelle bei aggressiven Patienten oder Angehörigen zu heben." Besonders gute Erfahrungen habe man in seinem Haus aber mit Security-Personal gemacht: "Seit es in der Unfall-Ambulanz eine zweite Sicherheitskraft gibt, ist die Zahl der Übergriffe um ein Drittel gesunken", sagt Schneider.

Mit einer reinen Aufstockung des medizinischen Personals werde man das Problem hingegen nicht in den Griff bekommen: "Den typischen alkoholisierten oder psychotischen Patienten wird man damit auch nicht beruhigen können", sagt der Betriebsrat.

Auch in den meisten Spitälern der steirischen Krankenanstaltengesellschaft gibt es Videoüberwachung. Begonnen vor 15 Jahren in Tiefgaragen, wurden die Standorte sukzessive ausgeweitet, sagt Eduard Mötschger, Sicherheitsbeauftragter am Klinikum Graz. Zunächst an den Nachteingängen für Rettungstransporte als Hilfe für die Portiere gedacht, wurden auch an neuralgischen Bereichen innerhalb eines Hauses Kameras installiert, in Ambulanzen etwa. Das vor allem in großen Spitälern, wo etwa von einem Schalter aus keine direkte Sicht auf alle Warteräume möglich ist.

Vorfälle

Allerdings scheinen Übergriffe im Spital zumindest am Grazer Klinikum kein großes Problem darzustellen. Pro Jahr gibt es durchschnittlich vier gemeldete Vorfälle mit Körperverletzung sowie 15 bis 25 Fälle verbaler Übergriffe, zählt Mötschger auf. Pro Jahr werden 400.000 Patienten ambulant und 90.000 stationär versorgt. Die meisten Vorfälle passieren mit Patienten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss sowie mit jenen Menschen, die nach Raufereien ins Spital müssen und in derselben Ambulanz landen.

Allerdings geht Mötschger davon aus, dass die offiziellen Zahlen nur ein Teil der Wahrheit sind. "Klar ist, es gibt eine Dunkelziffer. Da wird sicher einiges nicht gemeldet, speziell wenn es um verbale Übergriffe geht."

In den fünf Spitälern der Kärntner KABEG werden die Eingänge und "stark frequentierte Bereiche wie Liftzugänge und Verkehrsknotenpunkte" mit Kameras überwacht. Zusätzlich sei ein Sicherheitsdienst im Einsatz, hieß es am Dienstag aus der KABEG.

In Niederösterreich wurden ebenfalls an neuralgischen Punkten Kameras installiert. "Diese sollen vor allem vor Sachbeschädigungen und Diebstählen schützen", sagte Cornelia Bunkrad, Sprecherin der NÖ-Holding. Die Positionen der Kameras werden einerseits der Datenschutzkommission gemeldet und andererseits mit dem Betriebsrat abgestimmt.

Im Burgenland sind laut der Burgenländischen Krankenanstalten GmbH (KRAGES) keine Kameras geplant, "da es nur zu vereinzelten Vorkommnissen kommt", wie ein Sprecher am Dienstag sagte.