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Die beiden Welten des Peter Alexander

Erinnerungen an Österreichs populärsten Entertainer, der viel Humor, aber auch eine weniger bekannte ernste Seite hatte.
Peter Alexander

Es ist gefühlt gar nicht so lange her, da hat man ihn noch als den idealen Schwiegersohn bezeichnet. Dabei wäre er demnächst 100 Jahre alt. Doch wir können uns Peter Alexander kaum als alten Mann vorstellen. Wenn er Das tu ich alles aus Liebe, Delilah oder Die süßesten Früchte sang oder wenn er den Mundl und alle Royals im Buckingham Palace parodierte, schien er die ewige Jugend gepachtet zu haben. Ich lernte aber auch einen ganz anderen Peter Alexander kennen.

Seine Stimme, sein Humor und sein Charme haben uns ein halbes Jahrhundert lang in eine Welt versetzt, die es so nur im Film, auf Platte und im Fernsehen gibt.

Das große Vorbild

Wie jeder Große hat auch „Peter der Große“ klein angefangen. Als Lausbub, der in der 5. Klasse Gymnasium einen mit Wasser gefüllten Sandsack aus dem 3. Stock des Schulgebäudes warf – und ausgerechnet den Mathematikprofessor traf. Peter Alexander Neumayer, wie er eigentlich hieß, flog aus der Schule und gestand seinem Vater, Schauspieler werden zu wollen. Der reagierte mit den in der Familie Neumayer bald klassisch gewordenen Worten: „Du wirst noch am Galgen enden.“

Ganz so schlimm kam es dann nicht, aber Peter musste nach Znaim übersiedeln, um dort maturieren zu können. Im letzten Kriegsjahr als Flakhelfer an der Front, ging es danach in britische Kriegsgefangenschaft. 1950 hatte er endlich sein Schlüsselerlebnis: Er besuchte in London ein Konzert mit Frank Sinatra, das ihn so begeisterte, dass er zu sich sagte: „So etwas wie der, das musst du werden!“

PETER ALEXANDER 84-JÄHRIG GESTORBEN

Das Ehepaar Hilde und Peter Alexander.

„Zu lang und zu dünn“

Zwei Jahre später saß Peter Alexander im Vorzimmer eines Wiener Theateragenten. Neben ihm die Schauspielerin Hilde Haagen, „die genauso wie ich dringend ein Engagement suchte“.

Produzenten und Regisseure hielten ihn damals noch für „zu lang und zu dünn“, um im Film Karriere zu machen. Nur Hilde Haagen glaubte an ihn. Sie gab ihren eigenen Berufswunsch auf und widmete sich fortan ausschließlich Peters Management. Ja, und geheiratet hat sie ihn auch.

Schließlich doch noch entdeckt, spielte Peter Alexander in den 1950er-Jahren in Filmen wie Charleys Tante, Hilfe, meine Braut klaut und Hurra, die Schule brennt. Er selbst „hasste es, Filme zu drehen“, erkannte aber, dass all der liebenswerte Unsinn ihm zu unvergleichlicher Popularität verhalf.

Dieser Popularität zuliebe blieb er in der Öffentlichkeit seinem Image als Sonnyboy treu. Einmal jedoch, es war im Frühjahr 1991, begegnete ich einem ganz anderen Peter Alexander. Als er mir in einem Interview in seiner Döblinger Villa plötzlich erzählte, was ihn an dieser Welt verzweifeln ließ. „Was mich wütend, ja zornig macht“, sagte er, „ist das grenzenlose Unrecht, das unsere Welt beherrscht. Da sind die einen, die auf die Butterseite fallen, zu denen wir hier zählen. Dann gibt’s diejenigen, denen es immer schlecht geht. Hunger, Krankheit, Kriege, diese Menschen sind machtlos, und auch wir tun viel zu wenig dagegen. Diese Welt muss eine andere werden, sonst erstickt sie noch in ihrem Egoismus.“

Versteigerung Peter-Alexander-Villa

Die Villa in Wien-Döbling, in der Peter Alexander mit seiner Familie lebte, wurde nach seinem Tod abgerissen. 

„Des Irrsinns genug“

Peter Alexander zeigte sich damals erschüttert, „dass es die Menschheit nie geschafft hat, aus der eigenen Vergangenheit zu lernen. Zwei Weltkriege sind des Irrsinns genug, aber die Politik tut viel zu wenig, dass Situationen, die zum Krieg führen können, nie wieder eintreten.“ Er wäre sicher schockiert, wüsste er, wie aktuell seine Worte im 21. Jahrhundert geblieben sind.

„Wenn ich Ihnen so zuhöre“, sagte ich damals zu ihm, „sind Sie vom Typ Sonnyboy, als den wir Sie vom Bildschirm kennen, und von Ihrer heilen Welt ziemlich weit entfernt.“

„Ja, er ist in Wirklichkeit ein eher ernster, nachdenklicher Mensch“, ergänzte seine neben ihm sitzende Frau Hilde. „Er ist scheu und hat oft düstere Gedanken, in denen er sich fragt: ,Wie lange wird das gut gehen mit dieser Welt, deren Natur wir zerstören?’“

Peter Alexander Show

Peter der Große“, der Parodist: als Mundl Sackbauer mit Karl Merkatz.

Peter und Alexander

Die Rettung der Umwelt lag ihm besonders am Herzen, musste er doch als begeisterter Fischer beobachten, „was in unsere Flüsse alles hineingepumpt wird, von Fabriken wie von privaten Leuten. Die Zerstörung schreitet fort, nähert sich einem Stadium, das irreparabel zu werden droht“.

Der Publikumsliebling hatte mich an diesem Nachmittag in eine ganz andere, gar nicht heile Welt geführt. Doch diese ernsten Worte blieben die Ausnahme, denn in erster Linie erinnere ich mich an heitere Begegnungen mit ihm.

Etwa die, als ich einen Hinweis bekommen hatte, dass eine Linzerin namens Hermine Mayer am 28. November 1974 Zwillinge zur Welt gebracht hatte. Und zwar genau eine Stunde nachdem im ORF eine Peter-Alexander-Show zu Ende gegangen war. Da Frau Mayer „immer schon für Peter Alexander geschwärmt hat“, gab sie den Buben die Namen Peter und Alexander.

Ich rief Peter Alexander an, erzählte ihm davon, der freute sich immens und lud Mutter und Kinder spontan in sein Haus in der Schweiz ein. Ich begleitete die Familie, um eine Story über die Peter-Alexander-Zwillinge zu schreiben.

„Genau wie auf der Bühne“

Der Publikumsliebling holte uns vom Bahnhof ab, war unglaublich gastfreundlich, und seine Hilde verwöhnte die Buben mit Kakao und Kuchen. Frau Mayer aber war, als wir die Villa in Lugano nach mehreren Stunden verließen, überglücklich. „Ich dachte“, sagte sie, „dass ein berühmter Mann wie Peter Alexander sehr eingebildet sein muss. Dabei ist er genauso wie auf der Bühne, charmant, locker und freundlich.“

Damit hatte die Zwillingsmutter aus Linz auch schon das Geheimnis seiner Popularität erfasst: Dass man immer den Eindruck hatte, er spielte diesen netten Onkel nicht, sondern er war einer.

Auf einem der Fotos, die Michael Horowitz damals im Tessin geschossen hat, halte ich den kleinen Peter (es kann aber auch der kleine Alexander sein) ein wenig unbeholfen in Händen. Peter Alexander, der daneben steht, schrieb mir bei einer späteren Gelegenheit auf das Bild: „Für Georg Markus zur Erinnerung an unser gemeinsames Kind.“

Das war der typische Peter-Alexander-Humor.

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„Zur Erinnerung an unser gemeinsames Kind“: Georg Markus mit Peter (oder ist es Alexander?) und dem Publikumsliebling.

Ich hatte noch viele Treffen mit ihm, die im Lauf der Jahre zu freundschaftlichen Begegnungen wurden. Als er im Juni 1986 sechzig wurde, erzählte er mir aus seinem Leben, auch wie er damals aus der Schule flog. Wir fuhren in die Gymnasiumstraße, um ihn am „Tatort“ zu fotografieren. Der Schulwart führte uns in sein ehemaliges Klassenzimmer, in dem der Publikumsliebling ein Stück Kreide zur Hand nahm und die Worte „Hier schlief Peter Alexander von 1936 bis 1941“ auf die Tafel kritzelte.

Die Schicksalsschläge

Weniger Humor bewies der Direktor, der den berühmten Schüler und auch mich und den Fotografen „wegen unerlaubten Betretens“ des Hauses verwies. „Peter der Große“ konnte auch darüber lachen. Es war schließlich nicht das erste Mal, dass er aus dieser Schule flog.

Das Lachen verging ihm erst, als seine private heile Welt zusammenbrach. 2003 starb Ehefrau Hilde, sechs Jahre später kam seine Tochter Susanne bei einem Autounfall in Thailand ums Leben. Den frühen Tod seines Sohnes Michael im Jahr 2019 und seiner Enkelin Lena 2023 erleben zu müssen, ist Peter Alexander wenigstens erspart geblieben.

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