Noch ein berühmter Hörbiger: Der unbekannte Urahn der Dynastie
Der Familie mangelt’s ja wirklich nicht an großen Namen. Doch der Erste, der den Namen in die Welt hinaustrug, hatte ganz andere als schauspielerische Talente: Alois Hörbiger war einer der bedeutendsten Orgelbauer des Landes, und er ist der Stammvater der Brüder Paul und Attila Hörbiger und ihrer nicht minder berühmten Kinder und Kindeskinder.
Alois Hörbiger wurde am 17. Februar 1810 in der Tiroler Wildschönau geboren und sollte eigentlich den Gast- und Bauernhof seiner Eltern übernehmen. Doch als der handwerklich geschickte und hochmusikalische Bursche mit 19 Jahren dem Orgelbauer Joseph Mitterer dabei half, in der örtlichen Pfarrkirche eine neue Orgel zu bauen, begann er sich füta_chunk_1 Musikinstrumente zu begeistern.
Alois Hörbiger
Und er trat bei Meister Mitterer eine Lehre an, die er aber nach nur zwei Wochen beendete, um fortan allein von Dorf zu Dorf zu ziehen und defekte Orgeln zu reparieren, ehe er selbst in der Lage war, eigene Instrumente herzustellen.
60 Orgeln gebaut
Insgesamt hat Alois Hörbiger mehr als 60 Orgeln gebaut: in Graz, Mureck, Poysbrunn, Oberlienz und in vielen anderen Gemeinden der österreichisch-ungarischen Monarchie, auch in Italien, Slowenien und Galizien. Etliche seiner Instrumente klingen immer noch, andere wurden im Lauf der Zeit erneuert. Als Autodidakt fühlte sich Hörbiger keiner Tradition verpflichtet, wodurch er seinen Instrumenten einen besonderen Klang verlieh, füta_chunk_1 den die „Hörbiger-Orgeln“ heute noch berühmt sind.
1834 heiratete Alois Hörbiger die Kärntnerin Victoria Bassina. Sie schenkte ihm zwei Söhne, die wie er Orgelbauer wurden. Weiters eine Tochter namens Amalia, durch die wir uns der Schauspieldynastie um eine Generation annähern.
Ehrung durch den Kaiser
Alois Hörbiger entwickelte ständig neue Instrumente, füta_chunk_1 die Konstruktion einer „Vox humana“ wurde er sogar von Kaiser Franz Joseph mit der Goldenen Medaille füta_chunk_1 Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet. Eduard van der Nüll – der Erbauer der Wiener Staatsoper – erfuhr von Hörbigers Orgelbaukünsten und holte ihn nach Wien, wo er als Architekt mehrere Sakralbauten errichten sollte. Hörbiger ließ sich in Atzgersdorf nieder.
Die Urenkel des Orgelbauers: Paul (links) und Attila Hörbiger.
1860 wird zum Schicksalsjahr der Dynastie. Alois baut neben anderen füta_chunk_1 die von Eduard van der Nüll geplante Altlerchenfelder Kirche in Wien-Neubau eine große Orgel mit 48 Registern. Er wird dabei von einem Holz- und Orgelschnitzer namens Leeb unterstützt, in den sich Hörbigers Tochter Amalia verliebt.
Am 29. November 1860 bringt sie einen (unehelichen) Sohn zur Welt, dem sie den Namen Hanns geben wird. Auch Hanns Hörbiger wird Geschichte schreiben – als Erfinder, Privatgelehrter und als Vater der Schauspiellegenden Paul und Attila Hörbiger.
Ging zu Fuß von Wien nach Paris, um seinen Vater kennenzulernen: Hanns Hörbiger.
Herr Leeb freilich, von dem wir nicht einmal den Vornamen kennen, war zum Zeitpunkt, als Hanns das Licht der Welt erblickte, schon über alle Berge, er hat nie erfahren, dass er einen Sohn hatte.
Doch Hanns Hörbiger wollte seinen Vater unbedingt kennenlernen. Er ging daher als 17-Jähriger mehrere Wochen lang zu Fuß von Wien nach Paris, um ihn dort in einem Kaffeehaus zu beobachten. Nach einer Viertelstunde verließ er das Lokal, ohne mit seinem Vater auch nur ein Wort gewechselt zu haben, um die Heimreise anzutreten. Wieder zu Fuß!
Der beinahe 400 Jahre alte „Hörbighof“ in der Tiroler Wildschönau ist heute noch – in siebenter Generation – im Familienbesitz.
Der Orgelbauer Alois Hörbiger hat diese Episode nicht mehr erlebt, er ist im Jahr davor mit 66 Jahren, während der Reparatur einer Orgel in Belgrad, verstorben. Am 7. Mai 1876, vor 150 Jahren also.
Enkel Hanns Hörbiger
Sein Enkel Hanns Hörbiger wurde durch eine Reihe von Erfindungen und Patenten bekannt, vor allem aber durch die von ihm entwickelte – inzwischen wissenschaftlich widerlegte – „Welteislehre“, die die Entstehung des Universums erklären sollte.
1894 gelang Hanns Hörbiger die bahnbrechende Erfindung eines Stahlplattenventils, wie es heute noch weltweit u. a. in Autos und Schienenfahrzeugen zu finden ist. Danach war er an Konstruktion und Bau der Budapester U-Bahn beteiligt. Diese Arbeit war auch der Grund dafüta_chunk_1, dass seine Söhne Paul und Attila in der ungarischen Metropole zur Welt kamen.
Hörbig bedeutet Herberge
Als sich Alois Hörbiger 19-jährig entschlossen hatte, Orgelbauer zu werden, überließ er seiner Schwester Anna und ihrem Bräutigam Georg Kostenzer das elterliche Landgut. Der mittlerweile fast 400 Jahre alte, in der Wildschönau bei Wörgl in Tirol gelegene „Hörbighof“ ist heute – in siebenter Generation – nach wie vor im Besitz der Familie und wird von Andreia und Sebastian Kostenzer als Jausenstation geführt. Das Wort „Hörbig“ leitet sich von „Herberge“ ab und verlieh der berühmten Schauspieldynastie ihren Namen.
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